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'SEIN KAMPF"

 

 

ANTWORT  AN   HITLER

 

VON

 

 

IRENE HARAND

 

 

WIEN 1935

 

 

5. bis 10. Tausend.

 

 

Im Selbstverlag der Verfasserin Irene Harand.

Wien, l., Elisabethstrasse 20

Herausgeberin der 'Gerechtigkeit".

Druck: 'Elbemühl", Wien. IX.

 

 

 

 


INHALTSVERZEICHNIS

 

 

 

Vorwort                                                            7

I     Die Lüge, die Hauptwaffe des Hakenkreuzes             11

II    Der rasende Nationalismus                                 13

III   Der Rassenwahn                                            33

IV   Die 'rassischen" Eigenschaften derJuden                51

V    Die Lüge vom jüdischen Wucher                          88

VI   Die Lügen über den Talmud                               102

VII  Die Ritualmordlüge                                         117

VIIIJüdischer Idealismus und Opfermut                       131

IX   Die 'Protokolle der Weisen von Zion"                     196

X    'Juden sehen Dich an"                                     216

XI   Die Bilanz des Hakenkreuzes                               277

XII  Schlußbetrachtung                                          334

 

 

Vorwort, Kapitel I-IV

 

 


{7}

 

VORWORT.

 

         Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland habe ich in einer kleinen Broschüre einige aufklärende Worte an meine christlichen Mitmenschen gerichtet, um ihnen zu beweisen, daß der Antisemitismus unser Christentum schändet. (Irene Harand 'So? oder so? - Die Wahrheit über den Antisemitismus', ldn-knigi) Seither sind mehr als zwei Jahre verstrichen. Viel Blut ist in Deutschland geflossen. Viele Tränen sind dort vergossen worden.

         Das Hakenkreuz läßt nicht nur die jüdische Minder-heit, sondern auch die Katholiken seine Macht fehlen. Der Hauptangriff gilt aber der deutschen Judenheit, die unsägliche Qualen und Demütigungen im Dritten Reich ertragen muß. Der Antisemitismus bedeutet für das Hakenkreuz nichts anderes als ein Mittel zur Befesti-gung der hauptsächlich durch Entfachung der Haß-instinkte gegen die Juden nun einmal erlangten Macht. Wir haben während der zwei Jahre der nationalsoziali-stischen Herrschaft gesehen, daß das Hakenkreuz auch vor dem Massenmord nicht zurückschreckt, wenn es gilt, die errungenen Positionen zu halten. Ich glaube daher, daß es im Interesse der Wahrheit liegt, auf die Hakenkreuzbibel, auf Hitlers 'Mein Kampf", öffentlich Antwort zu geben und vor der ganzen Kulturwelt zu prüfen, ob die Hauptlehrsätze dieses Buches, die zur Begründung der Politik des Hakenkreuzes angeführt werden, der Kritik standhalten.

Diese Auseinanderset-zung mit dem Hakenkreuz ist in erster Linie deshalb notwendig, um klar und deutlich zu beweisen, daß sein entsetzliches Vorgehen gegen das Christentum und Judentum die Menschenrechte schändet, deren Achtung {8} in jedem Kulturstaate eine Selbstverständlichkeit ist. Ich will beweisen, daß es die Pflicht der ganzen gesitteten Welt ist, sich gegen die Brutalitäten aufzubäumen, denen Juden und Christen in Deutschland ausgesetzt sind. Aber noch ein anderes Moment hat mich be-stimmt, diese Arbeit zu leisten. Das Hakenkreuz begnügt sich nicht mit der Diffamierung und Peinigung der deut-schen Juden, es begnügt sich nicht mit der Verfolgung der Katholiken und jener Christen, die treu zum Heiland halten. Das Hakenkreuz will seine Herrschaft aber die ganze Welt verbreiten und alle Völker dieser Erde be-stimmen, seinem blutigen Beispiel zu folgen. Darum will ich die Gefahren für die Menschheit aufzeigen, die das Vordringen des Hakenkreuzes bedeuten würde. Viel-leicht gelingt es mir durch meine Arbeit denjenigen Menschen in Deutschland die Augen zu öffnen, die noch  nicht jedes Schamgefühl verloren haben. Vielleicht wer-den die alten deutschen Heerführer erkennen, welchen ungeheuren Dienst sie gerade jetzt ihrem Vaterlande leisten können, wenn sie dem Hakenkreuz die Macht entwinden würden.

         Die Natur der Sache bringt es mit sich, daß ich mich in erster Linie mit der Rassenfrage im allgemeinen und mit der Judentrage im besonderen beschäftigen muß. Ich habe zunächst untersucht, ob der Rassenfrage die Bedeutung zukommen kann, die ihr das Hakenkreuz bei-mißt. Fällt der Rassenstandpunkt, so hat man dem Hakenkreuz seine wichtigste Waffe genommen. Ich habe dann die Frage erörtert, ob es wahr ist, daß speziell die jüdische Rasse die körperlichen und seeli-schen Defekte aufweist, die die Nationalsozialisten an-führen, um ihr blutiges Werk gegen die Juden zu recht-fertigen. Ich glaube, den Beweis erbracht zu haben, daß die Bestandteile der 'Erbmasse" der heutigen Juden, die ihre Urahnen auf sie übertragen haben, keineswegs als minderwertig angesehen werden können.

Wenn man eine Wertung der heutigen Juden unter der Lupe der Geschichte und der Wissenschaft vornimmt, so kommt {9} man zu völlig anderen Ergebnissen als das Haken-kreuz, das die Lüge als Hauptwaffe benützt. Durch Auf-zählung einiger Episoden aus der jüdischen Geschichte und durch Anführung wichtiger Lehrsätze aus dem Tal-mud, durch Hervorhebung der Leistungen der mo-dernen Juden auf allen Gebieten der Kultur konnte ich den Nachweis erbringen, daß die Behandlung der Juden in Deutschland nichts anderes ist als eine Kette von Verbrechen, als nackte Gewalt, als feige Ver-folgung einer wehrlosen Minderheit durch eine über-wältigende Mehrheit.

Auch von Hitlers Gegnern wird viel zu wenig über die Judenfrage geschrieben. Viel, viel mehr muß man über diese Schande des Hakenkreuzes schreiben, damit ihm die Mittel genommen werden, seine Scheußlichkeiten sittlich zu untermauern. Ich habe natür-lich auch die Lügenhaftigkeit der gegen unsere katho-lische Religion vorgebrachten Beschuldigungen aufge-zeigt, die sonstigen Verhältnisse in Deutschland geschil-dert und das Vorgehen des Hakenkreuzes gegen Öster-reich dargelegt. Ich habe zur Begründung meiner Stel-lungnahme die Meinungen zahlreicher kirchlicher und weltlicher Autoritäten angeführt.

 

         Ich wende mich nicht an Gelehrte. Ich will, daß das Volk mich verstehe. Darum werden vielleicht Sprache und Stil nicht alle Schöngeister befriedigen.

 

         Der Zweck dieser Arbeit ist, die breiten christlichen Massen von der Verlogenheit der nationalsozialisti-schen Lehren zu überzeugen und die Wege zu zeigen, wie die Welt sich der fürchterlichen Gefahr, die der deutsche Nationalsozialismus verkörpert, erwehren kann.

Den Opfern des Hakenkreuzes soll aber diese Arbeit Trost bieten und die Überzeugung beibringen, daß es Menschen in der Welt gibt, die sich mit dem Terror des Dritten Reiches nicht abfinden und kämpfen wollen, bis von der Menschheit die Gefahr, die die Verbreitung des Hakenkreuzes bedeutet, gebannt, und die Opfer von ihren Peinigern erlöst werden.

 

Wien, Juni 1935.

Irene Harand.

 


{11}

 

1. Kapitel.

 

Die Lüge, die Hauptwaffe des Hakenkreuzes.

 

         Die wirksamste, aber auch fürchterlichste Waffe des Hakenkreuzes ist die Art seiner Propaganda. In seinem Buche 'Mein Kampf" schreibt Hitler auf Seite 200:

                  'Die Aufgabe der Propaganda ist zum Beispiel nicht ein Abwägen der verschiedenen Rechte, sondern das ausschließliche Betonen des einen eben durch sie zu ver-tretenden. Sie hat nicht objektiv auch die Wahrheit, soweit sie den anderen günstig ist, zu erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Aufrichtigkeit vor-zusetzen, sondern ununterbrochen der eigenen zu die-nen. Es war grundfalsch, die Schuld am Kriege von dem Standpunkt zu erörtern, daß nicht nur Deutsch-land allein verantwortlich gemacht werden könne für den Ausbruch dieser Katastrophe, sondern es wäre rich-tig gewesen, diese Schuld restlos dem Gegner aufzubürden, selbst wenn dies wirklich nicht so dem wahren Hergang entsprochen hätte, wie es doch nun tatsächlich der Fall war."

        

         Diese Stelle in Hitlers Buch laßt das Hakenkreuz als einen Freibrief auf, um mit den Waffen der Lüge und Verleumdung den Gegner zu zerschmettern. Die Haupt-sache ist das Ziel. Der Weg kann, lehrt das Hakenkreuz, auch über Fälschungen und Verdrehungen führen.

         Auf diese Weise hat das Hakenkreuz in die Seelen der Jugend ein Gift gepflanzt, das sie zu Schädlingen der Menschheit machen muß. Gott hat den Menschen die Sprache geschenkt, damit sie sich verständigen. Wer seine Nächsten belügt, der hat diese Gabe mißbraucht.

{12}   Die Doktrin des Hakenkreuzes, daß man dem Volke die Wahrheit nicht vermitteln dürfe, weil man sonst Gefahr läuft, daß es dann an das eigene Recht nicht mehr glaubt, ist falsch. Durch Lügen wird die gegenteilige Wirkung erzielt. Hat jemand einmal das Volk belogen und hat das Volk später erfahren, daß es belogen worden ist, dann wird es den Lügner nie wieder ernst nehmen.

Die Lüge ist eine unsaubere Waffe, die Lüge ist ein Verbrechen gegen Gott, gegen die Natur und die Men-schen. Darum will ich das Hakenkreuz entlarven.

Die Welt soll erkennen, daß das Hakenkreuz durch Miß-achtung der Religion, der Sitte und der Moral, durch Schändung der Wahrheit und der Gerechtigkeit seinen Sieg errungen hat, und daß es die Pflicht aller Men-schen und Völker ist, das Hakenkreuz zu bekämpfen, damit sich diese Pest nicht über die Grenzen des Drit-ten Reiches hinaus verbreite und damit auch die Millio-nen, die in dem deutschen Käfig schmachten, erlöst werden.

 


{13}

 

2. Kapitel.

 

Der rasende Nationalismus.

 

         Das Hakenkreuz sucht die Massen dadurch zu gewin-nen, daß es ihnen die Überzeugung beibringt, das deut-sche Volk stehe höher als die anderen Nationen, und daß daher jeder Deutsche stolz sein müsse, diesem 'begnade-ten Volke" anzugehören. Das Hakenkreuz pflegt bewußt diese Gefühle des Hochmutes und der Überhebung. Hit-ler beneidet die Franzosen, 'die nicht zur Objektivität erzogen werden", sondern 'zur subjektivsten Ansicht, die man sich nur denken kann".

         Ich muß es offen sagen: Man kann dem eigenen Volke keinen schlechteren Dienst leisten, als es zu verleiten, sich über andere Nationen zu erheben. Ein Staat ist ein Glied innerhalb der Völkerfamilie, die diese Welt aus-macht. Ein Volk darf den Haß der es umgebenden Völker nicht auf sich laden, indem es bei jeder Gelegenheit im-mer und immer wieder hervorhebt, es sei besser, es sei edler als die anderen Völker. Der Nationalismus wirkt wie Gift, wenn er der Jugend eingepflanzt wird, um ihren Haß gegen andere Menschengruppen zu entfachen. Ohne einen solchen Nationalismus gäbe es keinen Krieg.

         Ich bin gewiß eine gute Österreicherin, ich habe Opfer für mein Vaterland gebracht. Es war in erster Linie die Liebe zu meinem Vaterlande, die mich bestimmt hat, da-gegen zu kämpfen, daß Österreich eine Satrapie des Ha-kenkreuzes werde. Ich habe noch vor der Machtergrei-fung Hitlers meinen Kampf öffentlich begonnen und in Versammlungen meine Meinung zu einer Zeit {14} unumwunden geäußert, als man noch gar nicht wissen konnte, wie  der Kampf enden wird. Ich habe fürwahr aus Liebe zu meinem Volke gehandelt, dem ich die Schande ersparen wollte, daß es die Macht dem Hakenkreuze ausliefert. Trotzdem will auch ich nicht, daß das österreichische Volk zum Hochmut erzogen werde. Es muß die Erkennt-nis in jedem Volke wachgerufen werden, daß es gewiß nicht schlechter, aber auch nicht besser ist als die ande-ren Völker.

Wenn man durch die Entfachung eines dum-men und egoistischen Nationalismus in einem Volke die Vorstellung wachruft, daß es ein 'gottbegnadetes Volk" sei, daß es aus lauter Engeln und Edelknaben bestehe, dann darf man sich nicht wundern, wenn ein anderes Volk ebenso von sich denkt. Die Völker sind in der heu-tigen Zeit darauf angewiesen, miteinander zu verkehren. Ein gutes Einvernehmen ist aber ein Ding der Unmög-lichkeit, wenn eine Nation sich höher dünkt als das Nachbarvolk.

         Der nationale Stolz besteht in Wirklichkeit nur in den Gehirnen gewisser Politiker und Streber. Weil sie sonst nichts leisten und auch nicht wissen, auf welche Art sie die breiten Massen ködern können, ohne ihnen wirk-liche Hilfe zu bringen, haben sie den rasenden Nationalis-mus erfunden, der sie nichts kostet, der aber geeignet ist, die egoistischen Instinkte im Menschen zu wecken und zu nähren. Wenn unsere Vorfahren Heldentaten verrich-tet oder sich auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet haben, so können wir nur ein Gefühl der Befriedigung darüber empfinden, daß auch wir Beweise von Mut an den Tag gelegt oder zum Fortschritt der Menschheit beigetragen haben. Zum Hochmut könnten aber diese ruhmreichen Erinnerungen, wenn man sich schon der Mentalität der Chauvinisten anpassen wollte, nur dann führen, wenn wir ernstlich behaupten könnten, daß andere Völker auf eine solche Vergangenheit nicht hinweisen können. Geradezu gewissenlos ist es aber, das Schicksal der Menschheit auf so schwankender Grund-lage aufzubauen, wie es der Chauvinismus ist  Man {15} wird die Beobachtung machen, daß dieser Nationalstolz nur dort anzutreffen ist, wo auch ein voller Magen nicht fehlt. Man befrage hundert Arbeiter verschiedener Nationalität, ob sie den geringsten Sinn für nationale Überheblichkeit haben, und man wird sofort sehen, wie dumm dieser Nationalismus ist.

         Menschen, die mit dem Nationalismus herumhausie-ren, um Geschäfte zu machen, werden natürlich ande-rer Meinung sein. Schließlich muß jeder Geschäftsmann seine Ware anpreisen, mag sie noch so schlecht sein. Es fällt mir nicht ein, auch nur im geringsten die Ver-dienste der deutschen Nation zu schmälern. Was ich aber bestreite, ist die Tatsache, daß irgendein Mensch seine Nation als das 'allein gottbegnadete Volk" bezeich-nen darf. Will das Hakenkreuz behaupten, daß die französischen Politiker kein Recht hätten, in den Zeitungen und in den Versammlungen auf die Größe ihres Va-terlandes, ihrer Nation, hinzuweisen, damit auch ihnen, wie sich Hitler ausdrückt, 'der berechtigte Stolz vermit-telt wird, Angehörige eines begnadeten Volkes sein zu dürfen?" Deutsche und Franzosen haben für die Mensch-heit Hervorragendes geleistet. Die Geschichte beider Nationen weist Helden und Wohltäter in reichlichem Maße auf. Und wenn wir die Geschichte Italiens oder Englands studieren, so werden wir finden, daß auch diese Völker auf allen Gebieten des kulturellen und künstlerischen Lebens Ungeheures geleistet haben.

         Es gibt fast kein Volk auf der Erde, das nicht Genies, Erfinder und Entdecker hervorgebracht und auf diese Weise zum Wohlergehen der Menschheit beigetragen hätte. Auch die von Hitler so fürchterlich gelästerten Juden haben Unermeßliches geleistet. All diese Menschen dürfen den berechtigten Stolz empfinden, 'Angehörige eines begnadeten Volkes" zu sein. Wohin kämen wir aber, wenn alle Nationen sich als besonders 'begna-det" ansehen und daraus die Schlußfolgerung ziehen wollten, daß sie andere Menschen vergewaltigen und als minderwertige Wesen betrachten dürfen?

{16}   In seinem Buche 'Mein Kampf" schildert uns Hitler das Leben einer Arbeiterfamilie in einer elenden Keller-wohnung, wo Kinder Zeugen der Zwistigkeiten zwischen Mutter und Vater sein müssen, der sich auch tätlich an der armen Frau vergreift. Hitler will damit beweisen, daß die sittliche Verwilderung der deutschen Jugend auf die entsetzlichen sozialen Verhältnisse zurückzuführen sei, in denen ein großer Teil des deutschen Vol-kes zu leben gezwungen ist. Man sollte nun meinen, daß Hitler durch diese Tatsache sich befleißigen müßte, danach zu streben, die Leiden seiner Volksgenossen zu beseitigen, damit ihnen die Qual erspart werde, die ein solches Leben mit sich bringt.

         Hitler kommt aber zu wunderlichen Ergebnissen. Er ist über diesen Jammer nur deshalb entrüstet, weil die Menschen in solchen Kellerwohnungen für die 'nationale Idee" nicht leicht gewonnen werden können. Seiner Meinung nach müßte ihre Lage nur zu dem Zwecke verbessert werden, damit sie leichter 'nationalisiert" wer-den können.

         Ich komme zu ganz anderen Ergebnissen. Ich bin der Meinung, daß man sich ausschließlich damit zu beschäf-tigen habe, diese Mitmenschen aus den dunklen Keller-wohnungen zu befreien und ihnen gesunde, lichte Heime zu verschaffen, nicht, um sie dann leichter zu fanatisieren, sondern um sie zu brauchbaren Gliedern der mensch-lichen Gesellschaft zu machen, um in ihnen leichter die Ge-fühle der Nächstenliebe und das Verständnis für die

Not-wendigkeit des Friedens wachzurufen.

Gerade die Tat-sache, daß es solche Kellerwohnungen gibt, und daß die schauerlichen wirtschaftlichen Verhältnisse bestehen, die Hitler schildert, beweist, daß der Nationalismus im all-gemeinen und der deutsche Nationalismus im besonderen keine Existenzberechtigung hat. Soll man einer Familie, die einen so fürchterlichen Daseinskampf führt, beibrin-gen, daß sie auf die Heldentaten ihrer deutschen Vor-fahren stolz sein müsse? Ich glaube, daß ein Irrsinniger, der es versuchen würde, in diesen unglücklichen {17} Menschen, die mit der bittersten materiellen und seelischen  Not zu kämpfen haben, den 'berechtigten Stolz" wachzurufen 'Angehörige des begnadeten deutschen Volkes sein zu dürfen", kaum mit dem Leben davonkäme.

Mit Recht fragen alle diese Stiefkinder des Lebens, worauf sie eigentlich stolz zu sein hätten. Haben ihre Vorfahren dafür gesorgt, daß ihnen Zeit und Muße übrigbleibe,  ein Geschichtsbuch in die Hand zu nehmen? Und glaubt Hitler wirklich, daß er das Schicksal dieser Arbeiter ver-bessern kann, wenn er den nationalen Chauvinismus bis zur Siedehitze entfacht? Weiß Hitler nicht, daß der Na-tionalismus, wenn er in allen Ländern so gesteigert wird, wie er es wünscht - unbedingt zum Krieg führen muß? Würde sich das Los der Einwohner dieser Kellerwoh-nung bessern, wenn der Familienvater einrücken und den Tod im Schützengraben fände oder als Krüppel heim-kehrte?

         Der Nationalismus ist nicht nur eine große Lüge, son-dern auch ein großes Unglück für die Menschheit. Wir wollen die Menschen aus ihrer Not befreien, damit sie sich des Lebens freuen, Achtung vor sich selbst, aber auch vor den Leistungen anderer Menschen und Natio-nen empfinden.

         Es ist wahr, daß der Mensch von Natur aus bestimmt ist, ein Gesellschaftsleben zu führen. Dieses Gesellschafts-leben kann aber nie Selbstzweck sein. Es kann nur als Mittel betrachtet werden, für den Einzelmenschen ein besseres materielles, geistiges und seelisches Leben zu sichern. Das engste Gesellschaftsleben führt man zweifel-los in der Familie. Geschwister, die jahrelang im Eltern-haus in enger Gemeinschaft lebten, empfinden ein ge-wisses Gefühl füreinander. Trotzdem kommt es nicht selten vor, daß Geschwister - zumal wenn sie das Elternhaus verlassen haben - in Streit geraten und sich sogar haßerfüllt verfolgen. Dies bezeugen die vielfältigen Prozesse unter Verwandten, über die die Tagespresse aller Nationen berichtet. Nicht die geringste Spur irgend-eines Gefühles ist hier wahrzunehmen, nicht das geringste {18} Gefühl des Mitleides oder der Liebe. Warum wundert man sich nicht darüber, daß ein wohlhabender Bruder selten den Opfermut aufbringt, auf ein Recht zugunsten seiner armen Schwester zu verzichten? Wo könnte sich denn das Gefühl der engen Verbundenheit besser entwickeln als in der Familie? Um wieviel weniger fest und natur-echt kann das betonte Nationalgefühl sein, das nicht etwa auf Zugehörigkeit zur engen Familie, sondern auf der viel loseren Menschengemeinschaft der Nation be-ruht?

Ich werde sicherlich von vielen Menschen als Ket-zerin angesehen werden, es ist aber doch wahr, was ich sage. Man hat noch selten gesehen, daß irgendein stren-ger Gläubiger, deutscher oder französischer Nationalität, einen in Not geratenen Schuldner nur deshalb geschont hätte, weil er ein Angehöriger des deutschen oder fran-zösischen Volkes ist. Und wenn ein Individuum mit men-schenfeindlichen Instinkten irgendein Opfer sucht, ist es ihm gleichgültig, wen es bestiehlt, bewuchert, beraubt oder mordet. Ein Wohltäter aber wird bei der Betäti-gung seiner Menschenliebe nie danach fragen, welcher Nation der arme Teufel angehört, dem er helfen soll.

         Es wird gewiß Fälle geben, in denen die Zugehörig-keit zu einer Gemeinschaft ein größeres gegenseitiges In-teresse für das Schicksal der Mitglieder mit sich bringt. Ich kann mir denken, daß Menschen, die gemeinsam in Gefangenschaft geraten sind, nach ihrer Befreiung leb-haften Anteil an dem Schicksal ihrer einstigen Leidens-gefährten nehmen. Ich kann mir denken, daß Leute, die gemeinsam im Schützengraben gelegen haben, im späteren Leben reges Interesse füreinander zeigen. Das gilt auch von Menschen, die gemeinsam eine Schule besucht oder irgendeine Reise gemacht haben. In allen diesen Fällen zeigt sich ein Mitgefühl für die Menschen, mit denen man einen größeren oder kleineren Teil seines Lebens ver-bracht hat. Selbstverständlich hätte dies in erster Linie Geltung bei Geschwistern. Das Gefühl ist stärker oder schwächer, je nach der Wichtigkeit der Schicksalsver-bundenheit.

Wenn der 'nationale Mensch" wirklich eine {19} 'leidenschaftliche Liebe" für sein, Volk empfände, dann müßte er ja dasselbe Gefühl auf alle einzelnen Mitglieder seines Volkes ausdehnen. Wie könnte er dann sein Ein-kommen, seinen Wohlstand und mitunter seinen Reich-tum in Ruhe genießen, wenn er weiß, daß Millionen seiner Stammesgenossen hungern, darben,

(Not leiden) in Fetzen her-umgehen oder in Kellerwohnungen hausen, wie sie Hit-ler selbst so düster beschrieben hat?

Wie könnte es möglich sein, daß z. B. ein 'echter" deutscher Mann, der jeden Tag beim Frühstück und beim Nachtmahl einige Juden und Franzosen verzehrt, auf der Straße ganz ruhig an einem deutschen Bettler vorbeigeht, aus dessen Augen der peinigende Hunger starrt. Wie wäre es dann möglich, daß solche 'nationale Menschen" auch gleichzeitig schwere Betrüger und Wucherer, ja mit-unter Mörder an den eigenen Volksgenossen werden können? Was ist am 30 Juni 1934 in Deutschland geschehen?

Hunderte von Menschen wurden hinge-schlachtet, hingerichtet, ohne Verhandlung und Urteil. Wer waren diese Menschen? Das waren doch Leute, an deren nationaler Gesinnung kein Mensch zweifeln konnte. Das waren nicht Angehörige der großen Masse, es han-delte sich hier um Führer, also um 'Edelmenschen", die jahrelang an der Seite Hitlers für die 'nationalen Be-lange" gekämpft haben. Waren sie wirklich solche Ha-lunken, daß man sie ohne Wimperzucken, wie tolle Hunde, abschlachten konnte? Bejaht man diese Frage, so muß man gleichzeitig verneinen, daß die Betätigung des Nationalismus ein Beweis für hohe Sittlichkeit und moralisch einwandfreies Leben, für soziales Empfinden ist.

Röhm und Ernst wurde nachgesagt, daß sie wider-natürliche Orgien in ihren luxuriösen Villen gefeiert haben. Welchen Respekt kann man vor einem Nationalis-mus haben, dessen edelste Vertreter solche krankhaft ver-anlagten Individuen sind? Waren die Männer, die in der vordersten Front des nationalen Kampfes standen, gleich-zeitig die minderwertigsten Menschen, die die Nation überhaupt aufwies? Und kann es möglich sein, daß diese {20}Menschen sozial empfanden, als sie Champagnergelage veranstalteten und ein wahres Drohnenleben führen konnten, während Millionen ihrer Volksgenossen auf die kärgliche Winterhilfe angewiesen waren? Oder sind diese Menschen vielleicht unschuldig ermordet worden? Dann verstünde ich überhaupt nicht, wie man es noch wagt, in Deutschland von Nationalismus zu sprechen.

Wir fin-den unter den Ermordeten Gregor Strasser, der schon vor längerer Zeit sich von Hitler abgewendet hatte, an dessen nationaler Gesinnung kein Mensch zweifelte. Wie kann es überhaupt möglich sein, daß zwischen Menschen, die durch ein gemeinsames nationales Band von dieser Stärke verbunden sind, eine so fürchterliche Feindschaft entsteht? Warum hat das Hakenkreuz die Schergen in das Haus des Generals Schleicher geschickt, um ihn und seine Frau zu ermorden? Schleicher war ein 'deutscher" Mann, der schon im Kriege seinem Vaterlande große Dienste geleistet hatte. Schleicher war auch ein Freund Hindenburgs. Er gehörte derselben Nation an, die Hitler so verherrlicht. General Schleicher und seine Frau waren Menschen, die 'den berechtigten Stolz empfinden durf-ten, dem begnadeten deutschen Volk angehören zu dürfen". Warum ging das Hakenkreuz diesem deutschen Mann gegenüber mit einer solchen Grausamkeit vor? Warum hat das Hakenkreuz den Zentrumsmann Klausener ermorden lassen, der wirklich nicht das geringste verbrochen hat? Auch dieser Mensch war ein Deutscher, dessen nationales Empfinden nicht im mindesten angezweifelt werden konnte.

Warum werden in Deutschland katholische Volksgenossen so fürchterlich verfolgt und drangsaliert? Warum geht man mit rücksichtsloser Strenge gegen den edlen Kirchenfürsten Faulhaber vor, der nicht nur tiefe sitt-liche Religiosität, sondern auch bewunderungswürdigen Mut in den schwersten Tagen seines Lebens bewiesen hat? Ist Kardinal Faulhaber kein Deutscher? Gehören die vielen politischen Opfer, die in die Konzentrations-lager geschleppt, in die Gefängnisse geworfen und in {21} Massen abgeschlachtet wurden, nicht auch zu dem deut-schen Volk? Warum begegnen wir hier nicht der ge-ringsten Spur von Mitleid in der Behandlung von poli-tischen Gegnern, die Deutsche sind, die durch dieselbe Geschichte und durch dieselbe ruhmreiche Vergangenheit der Ahnen mit Hitler verbunden sind?

         Diese Fragen kann man nur dann richtig beantworten, wenn man davon ausgeht, daß der Nationalismus des Hakenkreuzes ein plumper Schwindel, ein ganz gemeiner Betrug ist, eine Erfindung krankhafter oder verbreche-rischer Gehirne, die dieses Gespenst nur brauchen, um ihre dunklen Ziele zu erreichen oder ihren krankhaften Ehrgeiz zu befriedigen. Die Zugehörigkeit zu derselben Nation wird besungen und vergöttert, solange man aus dieser Tatsache heraus irgendein politisches Geschäft machen kann. Sobald es sich aber zeigen soll, daß diese nationale Zugehörigkeit irgend welchen Einfluß auf das Tun und Lassen der Politiker ausüben müßte, so erfährt man, daß man es mit einem Phantom, mit einem Phantasieprodukt zu tun hat. Das ist auch der Grund, warum die Taten der Nationalen sich so sehr von ihren Phrasen unterscheiden.

 

         Ich habe mit Deutschen, Tschechen, Polen, mit Juden und mit Angehörigen anderer Nationen gesellschaftlich verkehrt. Ich habe mit vielen Deutschen sehr schöne Stunden meines Lebens verbracht, ich habe mit ihnen Freud und Leid geteilt. Ich habe viele deutsche Mit-kämpfer, von denen ich überzeugt bin, daß sie bereit wären, gemeinsam mit mir, auch unter Einsatz ihres Le-bens, für unsere Ideale zu kämpfen. Aber alle diese Menschen liebe ich nicht deshalb, weil sie Deutsche, sondern weil sie eben anständige und edle Menschen sind, mit denen mich Bande der Freundschaft und des gemeinsamen Ringens um ein schönes Ziel verbinden. Unter meinen Freunden befinden sich auch mehrere Tschechen, bei denen man an der Sprache schon die Abstammung erkennt. Sie sind mir ebenso lieb, wie meine deutschen, polnischen oder jüdischen Anhänger, weil sie {22} mit mir gemeinsam kämpfen und weil ich oft Gelegenheit hatte zu sehen, wie schön ihr Charakter und wie edel ihre Gesinnung ist. Ich habe bösartige und gute Mitmenschen kennengelernt. Meine Sympathie galt nie der Nation, der der Mensch angehörte, sondern nur seiner Moral und seiner Gesinnung.

         Der chauvinistische Nationalist muß mit Lügen oder mindestens mit lächerlichen Übertreibungen arbeiten. Wer in Österreich gelebt hat, kennt genau die Ereignisse. Man erzählt der Welt von der 'großen Sehnsucht des österreichischen Volkes", sich an das deutsche Volk an-zuschließen.

Der 'Schrei" nach dem Anschlüsse an Deutschland ist ebenso unwahr wie die 'allgemeine Sehnsucht", von der das Hakenkreuz spricht. Betrachten wir die Ereignisse, wie sie sich wirklich abspielten, so können wir nur feststellen, daß nicht etwa die breiten Schichten des Volkes in die österreichische Verfassung vom Jahre 1918 den Satz eingefügt haben, daß Öster-reich 'ein Bestandteil der deutschen Republik" sei, son-dern nur einige politische Führer, die geglaubt haben, durch die Vereinigung der österreichischen und deut-schen Parteien ihre Macht zu stärken. Das ist der eigent-liche und wahre Grund der 'allgemeinen Sehnsucht". Die Arbeitermassen haben ganz andere Sorgen gehabt als die Rückkehr in das 'nie vergessene Vaterhaus".

Die bürgerlichen Schichten waren ausgesprochene Geg-ner des Anschlusses an Deutschland. Das konnte man bei jeder Gelegenheit wahrnehmen. Nur widerwillig und unter dem Druck einer Zwangsvorstellung, von der die Christlichsozialen nach dem Zusammenbruch er-griffen waren, haben sie dem Anschluß zugestimmt. Auf-richtig haben den Anschluß nur die deutschnationalen Studenten, die alten Herren der nationalen Verbindungen und ihr sehr geringer Anhang gewünscht. Nie hat man im österreichischen Volk einen Willen wahrnehmen kön-nen, die staatliche Unabhängigkeit aufzugeben. In den späteren Jahren hat sich ein 'deutschösterreichischer Volksbund" gegründet, der den Anschluß an {23} Deutschland vorbereiten sollte. Er hat nie Anklang bei den breiten Massen des Volkes gefunden. Nur dann, wenn manche politische Führer es für notwendig gefunden haben, für 'die Rückkehr in das Vaterhaus" zu demon-strieren, haben sie die Volksmassen aufgeboten, die ihnen blindlings gehorchten, und die also nur das taten, was ihnen die Führer anbefohlen hatten. Von einem elemen-taren Anschlußwillen konnte in Österreich nie die Rede sein. Die Phrasen des Hakenkreuzes sind direkt wider-sinnig und stellen die Wahrheit auf den Kopf. Als die Entente bei Friedensschluß die Streichung der Anschluß-bestimmung aus unserer Verfassung forderte, hat sich niemand in Österreich darüber aufgeregt. Nicht einmal die Spur einer Erbitterung oder Empörung konnte fest-gestellt werden.

         Ich bin der Ansicht, daß es viel besser ist, wenn man eine fremde Nation lobt als die eigene. Man stelle sich vor, wie herrlich die Beziehungen zwischen den Völkern wären, wenn jede Nation sich bemühen wollte, bei den anderen Menschengruppen das Schöne und Edle heraus-zufinden. Hitler wirft den Österreichern vor, daß sie vor dem Kriege einen wahren Franzosenkult trieben. Er ent-stellt und übertreibt die wirklichen Tatsachen. Ein ,,Franzosenkult" im deutschen Räume und ein 'Deutschen-kult" in Frankreich wäre aber für die Menschheit viel nützlicher gewesen als der gegenseitige vom nationalen Chauvinismus geschürte Haß, der es letzten Endes ver-schuldete, daß im Weltkriege Millionen von Menschen um ihr Leben oder um ihre Gesundheit, Millionen von Familien um ihren Ernährer gekommen sind.

         Die Bedeutung, die das Hakenkreuz dem nationalen Gefühl beimißt, ist geradezu phantastisch. Die Menschen wollen in Ruhe und Frieden leben, sie wollen ihre Fa-milien ernähren und ihre Kinder erziehen können. Sie wollen Wohlstand und Lebensglück für sich und ihre Lieben erlangen. Sie wollen darüber hinaus auch ihre kulturellen Bedürfnisse befriedigen können. Die Frage der Nationalität spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.

{24}   Man kann doch um Gottes willen das Schicksal der  Menschheit nicht von einem Phantom abhängig machen, von einem Gespenst, das in Wirklichkeit gar nicht existiert.

         Es wäre übertrieben, zu sagen, daß ein Deutscher gar kein Gefühl empfände für die Menschen, die mit ihm dieselbe Sprache sprechen, dieselbe Geschichte teilen und dasselbe Einheitsbewußtsein empfinden. Aber viel stärker ist das Gefühl der Liebe für seine Familie und das Ge-fühl für ihr Wohlergehen. Das materielle Wohlergehen hängt bestimmt nicht mit der Nation zusammen. Wer tüchtig und fleißig ist, der wird auch in einem Lande sein Fortkommen finden, wo die Menschen nicht alle die gleiche Haar- und Augenfarbe und die gleiche Schädel-größe besitzen. Ebensowenig hängt das geistige Wohl-ergehen mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Na-tion zusammen. Gerade der Mensch, der nicht fanatisch an seiner eigenen Nation hängt, hat die Möglichkeit, all das Glück zu genießen, das ihm die eigene und die fremde Kunst und Kultur bieten. Will man vielleicht behaupten, daß ein Deutscher von der Musik irgendeines fremden, gottbegnadeten Komponisten weniger ergriffen ist? Will man behaupten, daß wir einen geringeren Ge-nuß beim Lesen eines schönen Buches empfinden, wenn der Verfasser kein Deutscher ist? Und was das seelische Wohlergehen betrifft, so kann uns nur die uneinge-schränkte Betätigung der Nächstenliebe die Befriedigung verschaffen, die geeignet ist, unser Lebensglück zu ver-vollkommnen.

         Das wollen die Menschen! Freilich erlebt man schöne Stunden, wenn man einen Vortrag hört, der uns von den Heldentaten unserer Vorfahren und von den Leistungen unseres Volkes erzählt. Aber dieser Genuß ist nur eine Ergänzung des Lebensglückes, dessen Voraussetzungen ganz andere Dinge sind als die Erinnerung an die Taten und die Leistungen unserer Ahnen.

Bei der Beschreibung Wiens erwähnt Hitler wiederholt, daß es sehr stark, be-sonders mit tschechischen Elementen durchsetzt sei. In {25} der Tat finden wir in Wien, aber auch in den übrigen Ländern Österreichs sehr viele Familien, deren Name uns einen deutlichen Fingerzeig auf ihre Abstammung gibt. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, daß die Mehrheit der Bevölkerung Wiens keineswegs aus reinen Deutschen besteht. Der Vater oder der Großvater, die Mutter oder die Großmutter waren Tschechen oder Un-garn, oder sie gehörten einer anderen, nichtdeutschen Nation an. Wir haben auch viele Nachkommen franzö-sischer Emigranten in Österreich.

         Nun müssen wir aber feststellen, daß alle diese frem-den Elemente sich derart mit uns Deutschen assimiliert haben, daß man sie von uns fast nicht mehr unterschei-den kann. Ich kenne einen gewesenen Nationalrat, der äußerlich auch den strengsten Erfordernissen der 'nordi-schen Rasse" entspricht und auch der Sprache nach ab-solut als Deutscher angesehen werden müßte. Als ich ihm einmal einen Besuch abstattete, lernte ich seinen alten Vater kennen, dem man es an der Sprache sofort an-merken konnte, daß er Tscheche ist. Der alte Herr hat auch gar kein Hehl daraus gemacht.

         Solcher Familien gibt es hunderttausende in Wien. Wie will ihnen Hitler ernstlich zumuten, daß sie keine andere Sehnsucht kennen sollen, als den Anschluß an Deutsch-land? Diese Menschen können sich nicht für die 'ruhm-reichen Taten der alten Germanen" begeistern. Sie lo-ben diese Taten und die Leistungen der Deutschen auf den verschiedenen Kulturgebieten wie jeder andere Mensch, der jedem Genie und jeder Größe seine Huldi-gung darbringt.

         Etwas anderes ist das Gefühl der Heimatliebe, das Gefühl der Vaterlandsliebe. Ich liebe das Land, wo ich meine Kindheit verbrachte, wo ich Freud und Leid er-lebte. Jeder Fluß, jeder Berg, ja jede Straße bedeutet für mich eine Fülle von Erinnerungen, die mein ganzes Leben begleiten. Ich kann es gut verstehen, daß Menschen, die einem bestimmten Staate angehören, deren Schicksal da-her mit dem Gedeihen und dem Verderben des {26} Vaterlandes verbunden ist, mit leidenschaftlicher Liebe an die-sem Vaterlande hängen und daß sie auch imstande sind, ihr Leben für dessen Bestand, Freiheit und Unabhängig-keit einzusetzen.

Ich kann mir vorstellen, daß schon we-gen des gemeinsamen Schicksals, das sie verbindet, die Menschen, die Bürger eines bestimmten Staates sind, aneinanderhängen, sich achten und lieben. Ich liebe den Österreicher nicht deshalb, weil er Deutscher ist, son-dern weil er dasselbe Vaterland hat wie ich. Das Kri-terium ist nicht die Nation, sondern das gemeinsame Vaterland. Ob er der Nation nach Tscheche oder Ungar, Franzose oder Engländer, der Religion nach Christ oder Jude ist, ist mir ganz gleichgültig. Ich kenne nur die Vaterlandsliebe, aber ich kenne nicht den Fetisch, den man Nationalismus nennt.                     

         Hitler ist sich im übrigen selbst dessen bewußt, daß das nationale Gefühl keineswegs bei den Menschen so stark ist, daß es sie bestimmen kann, ihr ganzes Tun und Lassen nach ihm zu richten. Er rechnete zu Beginn seiner Bewegung mit diesem nationalen Gefühl überhaupt nicht. Als er seinen Kampf begann, mußte er mit dem Wider-stand der verschiedenen Schichten des Volkes rechnen. Was das Bürgertum betrifft, so fiel es ihm gar nicht ein, anzunehmen, daß er hier 'aktive Unterstützung" finden könnte. Er bezeichnete die nationale Gesinnung des Bürgertums als unzulänglich und meinte, daß er nur des-halb hier 'keinen Widerstand gegen eine kraftvolle na-tionale Politik" zu erwarten habe, weil das Bürgertum von anerkannt sprichwörtlicher Feigheit sei. Aber auch an den Nationalismus der Massen glaubte Hitler nicht.

Von ihnen sagt er wörtlich: 'Sie werden jede deutsche Erhebung genau so niederschlagen, wie sie einst dem deutschen Heere das Rückgrat zertraten." Dabei rechnet Hitler hier mit 15 Millionen Menschen, die sich aus 'Mar-xisten, Demokraten, Pazifisten und Zentrumsleuten" zu-sammensetzen. Von allen diesen Volksgenossen nimmt Hitler an, daß sie 'kraft ihrer Majorität der Zahl jede nationale Außenpolitik verhindern werden". Da aber {26} Hitler ganz genau weiß, daß man die Macht nicht er-langen kann, wenn man nicht die breite Masse des Volkes gewonnen hat, so meinte er, daß man Mittel und Wege finden müsse, die Massen zu 'nationalisieren".

Wenn wirklich das nationale  Gefühl der Menschen so stark wäre, so wäre es gar nicht notwendig gewesen, in die breiten Schichten des Volkes durch verschiedene Mittel und Mittelchen den Nationalsozialismus erst einzuführen.

         Um die Massen für die nationale Erhebung zu gewin-nen, schreibt Hitler, darf kein Opfer zu schwer sein. Darum glaubt er, daß die deutschen Gewerkschaften während des Krieges die Interessen der Arbeiterschaft auf das rücksichtsloseste hätten wahren müssen, ja, daß sie selbst während des Krieges den Unternehmern durch Streik die Bewilligung der Forderungen hätten abpressen müssen, um die Arbeiter dahin zu bringen, sich 'in den Belangen der nationalen Verteidigung" fanatisch zu ihrem Deutschtum zu bekennen.            

         Hitler meint ganz im Ernst, daß eine solche radikale Nationalisierung der Massen es unmöglich gemacht hätte, den Krieg zu verlieren! 'Wie lächerlich", schreibt er, 'würden alle und selbst die größten wirtschaftlichen Konzessionen gewesen sein gegenüber der ungeheuren Bedeutung des gewonnenen Krieges."

         Wie gering muß Hitler von der Stärke des nationalen Gefühles denken, wenn er glaubt, daß man es erst durch großzügige wirtschaftliche Zugeständnisse entfachen kann, und wie schlecht muß Hitler von den Arbeitern denken, wenn er glaubt, daß sie nur durch materielle Vorteile dahin zu bringen sind, alles für ihr Vaterland hinzugeben! Die Wahrheit ist, daß die deutschen Arbeiter als Soldaten tapfer gekämpft und in nichts den anderen Kriegsteilnehmern nachgestanden haben. Nicht deshalb hat Deutschland den Krieg verloren, weil die Arbeiter nicht genügend national gesinnt waren, sondern weil seine Gegner mächtiger waren und weil diesen das Kriegsglück hold war. Mit der nationalen Gesinnung der Ar-beiter hat der Ausgang des Krieges nicht das geringste {28} zu tun. Hingegen wäre es ein wirklicher 'Dolchstoß" gewesen, wenn die Arbeiter während des Krieges ihr Vaterland im Stich gelassen und durch Entfachung von Streiks seine Kampfkraft geschwächt hätten. Aber solche Streiks hätten bestimmt nicht zu einer Bewilligung der Forderungen geführt, sondern zu einem Blutvergießen, wie man es sich fürchterlicher nicht vorstellen kann.

         Hitler schreibt weiter:

                  'Die Nationalisierung der breiten Massen kann nie-mals erfolgen durch Halbheiten, durch schwaches Be-tonen eines sogenannten Objektivitätsstandpunktes, son-dern durch rücksichtslose und fanatisch einseitige Ein-stellung auf das nun einmal zu erstrebende Ziel. Die breite Masse eines Volkes besteht weder aus Professoren noch aus Diplomaten. Die Masse ist nur empfänglich  für eine Kraftäußerung und niemals für eine Halbheit. Ihre gefühlsmäßige Einstellung ist schwerer zu er-schüttern als das Wissen. Liebe unterliegt weniger dem Wechsel als die Achtung. Haß ist dauerhafter als Ab-neigung, und die Triebkraft zu den gewaltigsten Um-wälzungen auf dieser Erde lag zu allen Zeiten weniger in einer wissenschaftlichen Erkenntnis als in einem die Masse beseelenden Fanatismus und manchmal in einer sie vorwärts jagenden Hysterie."

    Und nun der Hauptgedanke Hitlers:

                  'Die Gewinnung der Seele des Volkes kann nur ge-lingen, wenn man neben der Führung des Kampfes für die eigenen Ziele den Gegner dieser Ziele vernichtet. Das Volk sieht zu allen Zeiten im rücksichtslosen An-griff auf einen Widersacher den Beweis des eigenen Rechtes und es empfindet den Verzicht auf die Ver-nichtung des anderen als Unsicherheit in bezug auf das eigene Recht, wenn nicht als Zeichen des eigenen Un-rechtes. Die breite Masse ist nur ein Stück der Natur und ihr Empfinden besteht nicht im gegenseitigen Hände-druck von Menschen, die behaupten, Gegensätzliches zu wollen. Was sie wünscht, ist der Sieg des Stärkeren und die Vernichtung des Schwachen oder seine bedingungs-lose Unterwerfung."

    Wie hätte das deutsche Volk ausgeschaut, wenn es {29} einen Franzosen gegeben haben würde, der diese Idee beim Friedensschluß nach dem Zusammenbruche Deutsch-lands in die Tat umgesetzt hätte! Nie und nimmer wird man zugeben dürfen, daß Millionen von Menschen fanatisiert, zum Hasse und zur Verachtung anderer Na-tionen und Völker aufgestachelt werden dürfen, damit man sein Ziel erreichen und die Gegner vernichten kann. Man sieht ja schon heute die Auswirkungen der na-tionalsozialistischen Tätigkeit in Deutschland!

Deutsch-land ist der bestgehaßte Staat der Welt! Es gibt Länder, die sich weigern, deutsche Waren zu kaufen! Dem Hakenkreuz ist es gelungen, das Deutschtum um Jahrhunderte zurückzuschleudern. Es konnte seine Macht nur dadurch befestigen, daß es die Mordbestie im Men-schen sich straflos austoben ließ. Hat das Hakenkreuz das deutsche Volk auf einen besseren Lebensstand gebracht? Wenn Arbeitslose in Fabriken eingestellt wurden, so nur zu dem Zweck, damit sie Waffen schmieden für einen nächsten Krieg, der noch viel schauerlicher sein würde als das schreckliche Stahlbad, das wir noch alle in unserer Erinnerung haben.

         Es wird nicht nur in Deutschland gerüstet. Weil die Welt weiß, daß das Hakenkreuz den letzten Pfennig dazu verwendet, um Kanonen zu gießen und um Kriegsflug-zeuge herzustellen, darum bemühen sich alle, dasselbe zu tun. Und wenn schon die Aufrüstung den Höhepunkt erreicht hat, was wird dann mit den Massen geschehen, die heute in die Fabriken geschickt werden, damit sie die Mordwaffen für ihre Mitmenschen vorbereiten? Wird dann das Hakenkreuz seine Volksgenossen in die Schützengräben schicken, werden dann wieder Millionen und Millionen von Menschen ihr Blut hergeben, damit die Hakenkreuzler die Befriedigung empfinden, ihren Nationalismus mit fanatischem Eifer betätigt zu haben? Was kann aus einem solchen Kriege herauskommen? Hält Hitler es für möglich, daß ein Krieg für Deutsch-land siegreich endet? Weiß Hitler nicht, daß Deutschland heute nicht nur Frankreich und Italien, sondern auch {30} England und Rußland gegen sich mobilisiert, wenner eswagen sollte, einen Krieg zu entfachen?

         Deutschland war schon auf dem Wege zur Verständi-gung mit den ehemaligen Feinden. Man erinnere sich nur an die Erfolge des deutschen Staatsmannes Stresemann, der es zuwege gebracht hatte, daß aufrichtige Freund-schaftsverträge zwischen den früher feindlich gesinnten Nationen abgeschlossen wurden. Vielleicht hätte man dem Deutschen Reich auch einen Teil seiner Kolonien zurückgegeben, wenn das Hakenkreuz nicht der Herr Deutschlands geworden wäre. Diese 'segensreiche Aus-wirkung" haben wir dem Erfolg Hitlers zu verdanken.

         Und noch etwas: Wie ich bereits gesagt habe, bestand in Österreich nie ein ernstlicher Wille zum Anschluß an Deutschland. Ich kann aber nicht leugnen, daß führende Politiker es verstanden haben, die Dinge so zu wenden, daß im Laufe der Zeit eine Vereinigung nicht außerhalb der Möglichkeit stand. Das Volk konnte sich für den Anschluß nicht begeistern, es war auch nicht gegen den Anschluß eingestellt. Es verhielt sich in dieser Sache in-different. Nicht so heute. Heute ist es ganz ausgeschlos-sen, daß ein Anschluß Österreichs an das deutsche Volk stattfinde. (Leider war dies eine falsche Einschätzung!, ldn-knigi) Man hat gesehen, mit welch leidenschaft-licher Begeisterung Österreich sich gegen die Gleich-schaltungsbestrebungen des Hakenkreuzes erhoben hatte.

Dr. Dollfuß, der ermordete Bundeskanzler Österreichs, hatte - abgesehen von den Sozialdemokraten - auch sonstige politische Gegner. Aber diese ganze Gegner-schaft ist über Nacht verschwunden, als Dr. Dollfuß den Appell an die Österreicher richtete, sich eng zusammen-zuschließen und die gemeinsame Gefahr, die Gleichschal-tung mit Deutschland, zu verhindern. Ein Sturm der Begeisterung wurde durch die Ansprachen des Kanzlers entfesselt, als er seinen Willen kundgab, für die Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs zu kämpfen.

Es entstand eine Front aller österreichisch gesinnten Menschen, die bereit sind, ihr Blut herzugeben, damit das Hakenkreuz nicht nach Österreich eindringe. Selbst die {31} Arbeitermassen, die unter dem Einfluß ihrer Dollfuß feindlich ge-sinnten Führer standen, zeigten großes Verständnis für den Freiheitskampf unseres Vaterlandes Ich hatte Ge-legenheit, mit vielen Arbeitern zu sprechen und ich konnte mit Befriedigung feststellen, daß sie in der Frage der Unabhängigkeit Österreichs eines Sinnes waren mit mir. Selbst die sozialdemokratischen Führer in Österreich, die bis zur Machtergreifung Hitlers hundertprozentig für den Anschluß eingestellt waren, erklärten kategorisch, daß sie es nun unter gar keinen Umständen zulassen werden, daß der Anschluß Österreichs an Deutschland erfolge.

         Österreich hat allen Grund, der Entente und vor allem Frankreich dafür dankbar zu sein, daß es sich von An-fang an gegen den Anschluß an Deutschland gewehrt hat.  Wie hätten wir heute ausgeschaut, welches Schicksal hätte unser österreichisches Volk ereilt, wenn in Österreich das Hakenkreuz herrschen würde! Die wahren Österreicher sind glücklich darüber, daß sie in einem freien, unabhängigen Österreich leben. Die Erhebung am 25. Juli 1934, welche den entsetzlichen Tod des Dr. Dollfuß herbeiführte, hat noch weiter dazu beigetragen, die Aussichten der immer noch unentwegten Anschlußfreunde auf ein Minimum herabzusetzen. Heute ist der Anschluß mehr denn je eine Utopie. Nicht nur, weil Frankreich es nicht wünscht, sondern weil die Öster-reicher selbst mit Leidenschaft sich dagegen auflehnen.

         Der Nationalsozialismus, wie ihn das Hakenkreuz predigt, bringt nur Unglück. Es ist dem Hakenkreuz gelungen, einen Teil der Massen zu nationalisieren. Ich bin der Ansicht, daß, selbst wenn man um eine Idee ringt, die an sich richtig ist, es ein Verbrechen an der Menschheit wäre, durch Lügen die Massen zu verhetzen, um diese Idee zu verwirklichen. Man muß sich immer fragen, wohin wir in dieser Welt kämen, wenn in jedem Lande eine solche fanatische Nationalisierung durch-geführt würde, wie sie Hitler wirklich gelang. {32} Hitler irrt, wenn er sagt:

                  Die Größe jeder gewaltigen Organisation als Verkörperung einer Idee auf dieser Welt liegt im r e l i -g i ö s e n  F a n a t i s m u s, in dem sie sich unduldsam gegen alles andere, fanatisch überzeugt vom eigenen Recht, durchsetzt. Wenn eine Idee an sich richtig ist und in solcher Weise gerüstet den Kampf auf dieser Erde aufnimmt, ist sie unbesiegbar und jede Verfolgung wird nur zu ihrer inneren Stärkung führen."

 

Hitler hat unrecht. Seine Idee, die Massen zu nationali-sieren, ist eine verfehlte. Wir müssen die Massen ver-menschlichen und nicht durch Entfachung wahnsinniger nationaler Instinkte entmenschen. Wenn es möglich war, daß in den Konzentrationslagern Deutschlands unschul-dige Menschen in der fürchterlichsten Weise gedemütigt, gequält und gemartert wurden, so haben wir diese Tat-sache nur der Überradikalisierung der Massen zu ver-danken.

Nicht durch Fanatismus und Unduldsamkeit ge-gen andere könnte das deutsche Volk den Platz wieder erobern, den es vor dem Kriege eingenommen hat, son-dern nur durch Achtung und Liebe für alle Mitmenschen, ohne Unterschied des Glaubens und der Nation und nur durch Völkerverständigung und durch ernste Mitarbeit an dem Weltfrieden.

 

{33}

 

3. Kapitel.

 

Der Rassenwahn.

 

         Wäre das Hakenkreuz nur bei der nationalen Lüge ge-blieben, so hätte es nicht den Erfolg erringen können, der ihm wirklich beschieden war. Schließlich weiß doch Hitler, daß es nicht nur Deutsche auf der Welt gibt und daß er daran denken muß, auch unter den anderen Na-tionen Helfershelfer zu finden, die er als Vorspann zur Erreichung seiner Ziele benützen könnte. Wäre es dabei geblieben, daß das deutsche Volk allein als das 'gott-begnadete" anzusehen ist, und hätte das Hakenkreuz nicht versucht, auch andere Nationen irgendwie auszu-zeichnen, so hätte es seinen Haß nicht in der ganzen Welt betätigen können. Auf diese Weise ist das Haken-kreuz dazu gekommen, den Unsinn mit der Rasse in den Mittelpunkt seines Kampfes zu stellen.

         Wie hirnrissig der Rassismus ist, beweist uns der Theologieprofessor Dr. Ladislaus Ajtay in Budapest, der unter dem Titel 'Judenspiegel" ein Buch schrieb, in welchem er den Nachweis erbringt, daß in der Welt führende Familien, Bischöfe, Grafen, Fürsten und Herrscher jüdischer Abstammung sind. Unter den ungarischen Familien findet man unter vielen die Namen der Barone Fehervary und Pronay, die Grafen Appony, Bethlen, Karolyi, Pallavicini, Szechenyi, Teleki und Zichy, ebenso die Fürsten Batthyany, Esterhazy, Festetiks, Hohenlohe, Palffy und Windischgrätz.

Dr. Ajtay nennt uns aber auch 70 christliche Fürstenfamilien des Auslandes, ferner die Herrscherfamilie von {34} Hessen, Monako und Liechtenstein, dann die italienischen, griechischen und preußischen Königsfamilien, in deren Adern jüdisches Blut rollt. Er beweist ferner, daß auch in den Familien der Habsburger, Bonaparte, Romanow und Hohenzollern jüdisches Blut kreist. Dr. Ajtay hat für das Buch 15 Jahre in Rom und 10 Jahre in Jerusalem Quellenstudium betrieben und darauf geachtet, seine Le-bensarbeit durch keine falsche Angabe zu kompromit-tieren.

         Im italienischen Blatte 'Pan" erschien kürzlich ein Aufsatz von Giorgio Pasquali über den Rassismus. Er schreibt dort unter anderem: 'Ich gebrauche lieber das Wort 'Nationen', wenn ich von Menschen spreche, und 'Rassen', wenn ich an Rennpferde, Pekineser, Hähne und Schweine aus Yorkshire denke."

         'Wer kann übrigens an die Reinheit der Rassen im heutigen Europa glauben, wenn uns die Anthropologen beweisen, daß es Rassenmischungen schon in der neolithischen Periode gab. Im zeitgenössischen Europa ist die Rasse ein Märchen. Nur die Begriffe Nation und Vater-land haben einen echten Wert."

         'Reine Rasse!" Was ist das? Primitivität und absolute Brutalität. Begriffe 'Nation" und 'Vaterland" dagegen bezeichnen die Gemeinsamkeit der von der Geschichte geschaffenen, gemeinsamen Kultur. Und diese geschicht-lichen Kulturwerte sind heilig..."

 

         Das Hakenkreuz unterscheidet die Menschen in 'Arier" und 'Nichtarier". Es ist heute wissenschaftlich fast mit Sicherheit erwiesen, daß es ethnologisch keine Arier gibt. Vor 50.000 Jahren sind die ersten Spuren von Menschen nachweisbar. Aus den wenigen Exemplaren hat sich dann die ganze Menschheit im Laufe der Zeit entwickelt.

Daß die Menschen nicht alle gleich waren, ist doch selbstverständlich. Menschen, die an der Küste des Mee-res gewohnt haben, mußten ganz anders ausschauen als ihre Artgenossen, die in den Tälern oder auf den Bergen wohnten. Menschen, die in kalten Gegenden hausen mußten, haben sich körperlich ganz anders entwickelt {35} als ihre Artgenossen, die in heißen Gegenden wohnten. Menschen, die sich mit dem Ackerbau beschäftigten, hat-ten äußerlich ganz andere Eigenschaften als Menschen, die ihren Lebensunterhalt als Jäger oder Nomaden ver-dienten. Heute bemerken wir dasselbe. Die Menschen sind nicht gleich. Man wird auf der Welt keine zwei Menschen finden, die sich vollständig gleichen. Dasselbe gilt von den Völkern. Trotzdem entbehrt der Rassenwahn des Hakenkreuzes jeder wahren Grundlage. Es gibt nur eine weiße und eine schwarze, eine gelbe und eine rote Rasse.

Die weißen Menschen unterscheiden sich von den schwarzen durch solche äußeren Merkmale, daß der Un-terschied in die Augen springt. Auch ein Kind wird einen Neger von einem Weißen unterscheiden können, des-gleichen von einem Mongolen, das heißt, einem Ange-hörigen der gelben Rasse. Diese körperlichen Unter-schiede bringen natürlich auch seelische Unterschiede mit sich. Was ich aber entschieden bestreite, ist die Annahme, daß vom Standpunkt der Seele die Weißen das Recht haben, sich höher zu dünken als die Angehörigen der farbigen Rassen.

         Bei Menschen kann man nicht denselben Maßstab an-legen wie bei Tieren. Ich kann den Menschen nicht da-nach beurteilen, ob er einem bestimmten Partner gefällt, der seine Sinne zu berauschen vermag. Ich kann einen Mann nicht danach beurteilen, ob ein bestimmtes Weib-chen ihn entzückend oder bezaubernd findet. Vom Stand-punkt der Menschheit kann ich einen Mann oder eine Frau nur dann als höher entwickelt ansehen, wenn ihre geistigen und seelischen Eigenschaften diese Bezeichnung rechtfertigen. Die Menschheit ist nicht, wie Hitler sagt, durch die brutale Gewalt, sondern durch Ideen vorwärts gekommen.

         Ich weiß nicht, wie Moses körperlich ausgeschaut hat. Jedenfalls ist von ihm nicht die geringste körperliche Spur zurückgeblieben. Wie aber sein Geist und seine Seele ausgeschaut haben, das weiß ich. Ich weiß, daß er die zehn Gebote zu einer Zeit verkündet hat, als die {36}  Welt noch in tiefster Barbarei und Wildheit steckte. Dieser Mensch, der ungefähr tausend Jahre vor  Christi Geburt gelebt hat, kann als einer der hervor-ragendsten Kulturträger der Welt angesehen werden. Wäre es nicht ein Unsinn, uns darum zu kümmern, ob Moses blondes oder schwarzes Haar, blaue oder dunkle Augen hatte, lang- oder breitschädelig war? Tatsache ist daß Moses geistig als höher entwickelter Mensch anzusehen ist. Nur von diesem Standpunkte aus kann ihn die Nachwelt beurteilen. Wenn Moses durch seine Autorität und seinen eisernen Willen durchgesetzt hat, daß seine Zeitgenossen den Mord, den Diebstahl, das falsche Zeugnis und den Ehebruch verpönten, so hat er der Menschheit ungeheure Dienste geleistet.

         Anderseits wissen wir, daß Nero ein echter Italiker und 'reinrassiger Arier' war. Ware uns nicht viel lieber gewesen, wenn Nero eine lange Nase und schwarz-gekräuseltes Haar, aber eine menschliche Seele gehabt haben würde, die ihn gehindert hätte, die Mordtaten und Grausamkeiten zu begehen, die über Tausende von Menschen unsägliches Leid gebracht haben? Hat doch dieser grausame Imperator seine Mitmenschen wehrlos den wilden Bestien oder dem Feuer ausge-liefert, damit sie als lebendige Fackel seinen Weg be-leuchten! Hat doch Nero die Stadt Rom in Brand ge-setzt, nur damit er sich an dem Anblick der lichterloh brennenden Flammen weiden kann! Was ist heute von Nero geblieben?

Sein Leib ist längst vermodert, aber sein finsterer Geist wird aus unserem Gedächtnis nicht so leicht ausgemerzt werden. Wenn man unter Rasse die fleischliche Beschaffenheit des Menschen versteht, so sieht man an diesen beiden Beispielen, wie irrsinnig es wäre, die Höhe der Kultur eines Volkes nach seinen körper-lichen Eigenschaften beurteilen zu wollen.

         Und wissen wir denn ganz bestimmt, wie unser Hei-land Jesus Christus ausgesehen hat? Sofern er sich uns als Mensch zeigte, war er bestimmt kein 'Arier". Er war Semit, ebenso wie Moses. Nur durch seinen Geist {37} und seine Seele hat er sich von allen anderen Erdenbewohnern ausgezeichnet. Wir Katholiken und die an-deren christlichen Religionen erblicken in Christus ein göttliches Wesen. Aber auch die nichtchristlichen Kon-fessionen, die in Jesus nur den gottbegnadeten Menschen sehen, schätzen seine geistigen und seelischen Eigen-schaften. Christus hat sich der Mühsamen und Beladenen angenommen, er hat uns gelehrt, daß wir sogar den Feind lieben sollen, und er hat nicht aufgehört, für die sittliche Hebung seines Volkes zu wirken. Wenn heute die Menschheit noch immer die Achtung vor dem Leben seines Nächsten, die Gerechtigkeit und die Wahrheit als die schönsten Ideale ansieht, so hat man diese Welt-anschauung nur den Glaubenssätzen zu verdanken, die Jesus Christus gepredigt hat.

Können wir den Segen den unser Heiland über die Welt gebracht hat, von der Farbe seiner Augen oder Haare abhängig machen? Es ist nicht wahr, daß der Stärkere siegen muß, wie Hitler behauptet. Dies gilt nur von den Tieren, nicht aber von den Menschen, bei denen das Geistige und Seelische, nie aber das Körperliche und Tierische entscheidet.

         Ich kann es auch nicht richtig finden, wenn man das Um und Auf des menschlichen Lebens auf die Züchtung reinrassiger Menschen abstellt. Ich kann es begreifen daß man sich bemüht, reinrassige Hunde oder Pferde zu züchten, weil bei ihnen die körperliche Beschaffenheit ihre ganze Bedeutung im Leben ausmacht. Nie aber werde ich dem Versuche Verständnis entgegenbringen Menschen nur deshalb miteinander zu paaren, weil sie bestimmte körperliche Eigenschaften aufweisen. Ich kann mir ganz gut einen baumlangen Kerl mit wunderschönem blondem Haar, mit strahlenden, blauen Augen und einer schönen, griechischen Nase vorstellen, dessen Seele schwarz wie die Nacht ist.

Wenn ich diesen Menschen mit einer Jüdin verheirate, so habe ich nach Hitler eine Sünde wider die Natur begangen, mag diese Jüdin noch so schön, noch so kräftig sein und noch so einen herrlichen Charakter haben. Hitler wird diese Ehe {38} mißbilligen, weil ihr Kinder entstammen können, die 'min-derwertig" sein müßten. Aber nicht der Vater wäre - nach Hitler - schuld an den minderwertigen Nach-kommen, sondern die jüdische Mutter. Ist diese An-schauung nicht unsinnig?  Und wenn ein kleines jüdisches Männchen eine wunderschöne Brunhilde hei-ratet, so kann ich mir trotzdem ganz gut denken, daß aus dieser Ehe prachtvolle Kinder entstammen, wenn beide Ehegatten in bezug auf Moral und Sitte, Geist und Seele der Menschheit entsprechen.

         Nur kranke Menschen könnte man von der Ehe aus-schließen. Eine solche Auffassung kann ich schon ver-stehen. Alkoholiker soll man zuerst heilen, bevor man ihnen gestattet, Ehen einzugehen, und wenn jemand an einer ansteckenden und übertragbaren Krankheit leidet, so ist es eine Gewissenlosigkeit, ihm eine Heirat zu er-möglichen, weil er nicht nur die Frau unglücklich macht, sondern auch kranke Kinder zeugt, die dann ihr ganzes Leben lang durch die Sünden ihres Vaters oder ihrer Mutter den schrecklichsten Qualen ausgesetzt sind.

Ich bin auch für die Züchtung gesunder, kraftvoller, schöner Menschen. Diese Grundsätze gelten aber nicht nur für bestimmte, sondern ausnahmslos für alle menschlichen Rassen.

         Ich weiß nicht, ob aus der Verbindung von farbigen Menschen und Angehörigen der weißen Rasse voll-wertige Kinder entstammen können. Ich habe mich mit dieser Frage wenig befaßt. Wenn man zu einem Ergeb-nis kommt, das die Vermischung dieser Hauptrassen der Menschheit nicht als wünschenswert erscheinen läßt,soist dieses Resultat sicher nicht auf die Minderwertigkeit der farbigen Rassen zurückzuführen.

         Der bekannte französische Senator Henri Béranger hat einen Aufsatz über das 'Rassenproblem" veröffentlicht. Er schreibt:

                  'Ich las Hitlers 'Mein Kampf' und auch das Buch 'Nazi-Sozi' des jetzigen Propagandaministers Goebbels. In letzterem fand ich folgenden Satz:

                  'Die Juden muß {39}man ausrotten.' Als der Herr Goebbels in Genf war, wendete ich mich an ihn mit der Bitte, mir das näher zu erklären. Ich fragte ihn, was er den deutschen Juden vorzuwerfen habe. Seine Antwort lautete: 'Sie sind keine A r i e r.' Außerdem, behauptete der Minister, nehmen sie viel zuviel Platz im öffentlichen Leben ein. Das sind Vorwürfe gegen das Blut und gegen die Zahl. Er konnte mir aber keinen einzigen Vorwurf nennen, der irgendwelche wesentliche Momente aufwiese, er konnte nicht einmal behaupten, daß die Juden schlechte Sitten hätten oder daß ihre Betätigung staatsfeindlich sei, mit einem Worte nichts, was im geringsten Maße die Judenverfolgungen rechtfertigen würde. Der Herr Goebbels hat mir folgende statistische Daten angegeben: 'Vierzig bis siebzig Pro-zent der freien Berufe sind von Juden besetzt.' Vorerst habe ich die Richtigkeit dieser Statistik fraglich gefunden, dann fragte ich, ob dieselben Unterschiede auch in bezug auf die Sachsen, die Württemberger und die Schlesier gemacht werden. Da antwortete mir Herr Goebbels: 'Die Württemberger sind Arier und die Juden nicht. Die Juden sind Nichtarier, daher haben wir ihnen gegenüber Ausnahmegesetze erlassen.' Ich habe diesen Satz in einer großen Versammlung in Paris einmal wiederholt. Die Antwort des Publikums war - ein schallendes Gelächter.

                  Schön, Juden sind also keine Arier! Was ist das aber: ein Arier? Ist das ein blonder, schlanker Mensch mit blauen Augen und hellem Teint? Ist ein Arier klein, schwarzhaarig, dunkeläugig und bräunlich? Ist Herr Goebbels ein Arier? Die Deutschen sagen mir darauf:

                  'Leset euren Landsmann, den Grafen Gobineau!' Einem Franzosen fällt es schwer, Gobineau zu lesen, denn seine französische Sprache ist uns manchmal schwerer verständlich als irgendeine fremde. Aber ich habe doch den Gobineau gelesen, den 'Propheten' in einem fremden Lande, denn im eigenen ist er es nicht. Und von Go-bineau habe ich erfahren, daß die Menschenrassen nicht gleichwertig sind. Die erste Stelle, sagt er, gebührt den Ariern. Und die reinsten unter den Ariern sind die Germanen.

                  Bald aber erfuhr ich vom selben Gobineau, daß die {40} Deutschen keine Germanen sind, denn die germanischen Ureinwohner des heutigen Deutschlands wurden von den Hunnen, Teutonen und Kelten ver-trieben. Reine Germanen, lehrt Gobineau, kann man nur noch in Schottland und in Skandinavien finden. Und was die Deutschen anbelangt, sind sie ein typisches Mestizenvolk. Meine Lektüre des Werkes von Gobineau wurde besonders interessant, als ich erfuhr, daß das arische Blut in reinster Art bei den - Semiten erhalten blieb, denn die Semiten sind eine Rasse, die sich am wenigsten mit den anderen mischte.

                  In Frankreich" - schließt Senator Henri Béranger - 'hat man das Rassenproblem nie in den Vordergrund geschoben. Als die Nationalversammlung im Jahre 1791 die Emanzipation der Juden proklamierte, vertrat sie den Standpunkt, daß der Wert eines Menschen von seinen moralischen und intellektuellen Verdiensten abhängt. Ernest Renan schrieb: 'Das größte Werk des neun-zehnten Jahrhunderts ist die Zerstörung des Ghetto.'"

 

        Innerhalb der weißen Rasse Unterschiede zu machen, ist eine Vermessenheit. Die weiße Rasse weist bestimmt noch verschiedene Arten von Menschengruppen auf. Das kann niemand bestreiten. Welche von diesen Menschen-gruppen aber höher steht, ist bis jetzt noch keineswegs erwiesen. Die semitische Menschengruppe hat zur Zeit ihres Wirkens, zur Zeit, als sie in der Blüte stand, Un-geheures geleistet. Wenn die semitische 'Rasse" uns nur einen Moses und einen Jesus geschenkt hätte, so hätte sie schon ihrer Kulturmission vollauf entsprochen und wir hätten nicht das geringste Recht, auf ihre Nachkommen hinunterzuschauen.

         Auf allen Gebieten des menschlichen Lebens haben sich die Semiten ausgezeichnet. Sogar große Heerführer haben sie hervorgebracht. Hannibal war ein Semit. Ich erinnere an die Leistungen der Chaldäer, der Assyrier, der Babylonier und der Phönizier. Man kann die semiti-schen Völker als die ersten Kulturträger der Mensch-heit bezeichnen. Es besteht nicht der mindeste Grund, anzunehmen, daß wir geistig oder seelisch höher stehen {41} als die Semiten. Dazu kommt noch, daß die Semiten sich mit den sogenannten arischen Völkern im Laufe der Jahrhunderte derart verschmolzen haben, daß man heute schwer von rein arischen Völkern sprechen kann Man darf auch nicht vergessen, daß die 'arischen" Völker ihre Blüte erst erreicht haben, nachdem die semitischen Völker ihre Rolle in der Weltgeschichte bereits ausge-spielt hatten. Die Griechen, die Römer und die Ger-manen haben sehr viele Kulturguter von den Semiten übernommen. Sie haben sie ausgebaut und vertieft, sie ha-ben im Laufe der Zeit mit Hilfe der Erfindungen und Entdeckungen die Menschheit auf eine unerreichte Höhe gebracht. Es ist aber nicht zu bezweifeln, daß auch die Semiten - zu ihrer Zeit - der Menschheit viel ge-leistet haben.

         Ist es nicht gerade heute absurd, wenn das Haken-kreuz die 'Arier" deshalb als besondere Kulturträger bezeichnet, weil zu ihnen die Deutschen gehören? Was verstellt man unter 'Kulturträgern"?

Sind das die Leute, die durch Lügen und Verleumdungen, durch Fanatismus und Unduldsamkeit die bösesten Instinkte in den Men-schen zu dem Zwecke wecken, damit sie sich wie die wilden Tiere auf ihre Nächsten losstürzen, um sie mit einer Bestialität, die man nur in den Dschungeln Afrikas antreffen kann, zu vernichten und auszurotten?

Kann man die Menschen als Kulturträger bezeichnen, bei denen die Nächstenliebe ein Fremdwort ist, die nicht vergessen und nicht verzeihen können, die auf die Vertilgung aller Menschen losgehen, die nicht derselben Nation an-gehören oder die nicht derselben Gesinnung sind?

         Kann man vielleicht die SA.-Leute in den Konzentra-tionslagern Deutschlands als Kulturträger bezeichnen, die die armen Gefangenen den größten Torturen und Demütigungen aussetzen? Ist es nicht eine Versündigung gegen die Wahrheit und Gerechtigkeit, wenn man Men-schen als Kulturträger bezeichnet, die keine Rücksicht und kein Erbarmen kennen, bei denen das Gefühl für Treue und Dankbarkeit etwas ganz Unbekanntes ist?

{42}   Hat das Hakenkreuz vielleicht einen Beweis seiner besonders hohen Kultur der Mitwelt dadurch geliefert, daß es in einer einzigen Nacht, nach seinein eigenen Geständnis, ohne Verhandlung und ohne Urteil, ohne Untersuchung und ohne die Möglichkeit der Verteidi-gung Hunderte von Menschen umbringen ließ, von denen es angenommen hat, daß sie seinen Plänen im Wege stellen, die aber bis zu dem Schreckenstage seine treuen Anhänger und seine Helfer in den Zeiten der Bedrängnis waren?

         Und warum die Reinheit der Rasse? ,,Solange der Arier", schreibt Hitler, ,,den Herrenstandpunkt rück-sichtslos aufrechterhielt, blieb er nicht nur wirklich der Herr, sondern auch der Erhalter und Vermehrer der Kultur. Denn diese beruhte ausschließlich auf seinen Fähigkeiten und damit auf seiner Erhaltung an sich. So wie die Unterworfenen sich selbst zu heben be-gannen und wahrscheinlich auch sprachlich dem Erobe-rer näherten, fiel die scharfe Scheidewand zwischen Herr und Knecht. Der Arier gab die Reinheit seines Blutes auf und verlor dafür den Aufenthalt im Paradies, das er sich selbst geschaffen hatte. Er sank unter in der Rassenvermischung, verlor allmählich immer mehr seine kulturelle Tätigkeit. - Eine Zeitlang konnte er noch von den vorhandenen Kulturgütern zehren, dann aber trat Erstarrung ein und verfiel endlich der Vergessen-heit. So brechen", schreibt Hitler, 'Kulturen und Reiche zusammen, um neuen Gebilden den Platz freizugeben. Die Blutvermischung ist die alleinige Ursache des Ab-sterbens alter Kulturen, denn die Menschen gehen nicht an verlorenen Kriegen zugrunde, sondern am Verlust jener Widerstandskraft, die nur dem reinen Blute zu eigen ist."

         Ich will zur Widerlegung Hitlers bestimmte Tat-sachen und Vorgänge anführen. In erster Linie ist es nicht wahr, daß die Arier die ersten Kulturträger waren. Kultur gab es schon Tausende von Jahren bevor die 'Arier" überhaupt in der Geschichte auftauchten. Der {43} englische Gelehrte H. G. Wells hat in seiner im Jahre 1928 erschienen 'Weltgeschichte" Tatsachen gebracht, wie sie von den Forschern durch Ausgrabungen einwand-frei festgestellt wurden. Hier gibt es kein Bestreiten und kein Ableugnen. Wenn wir die 'Weltgeschichte" von Wells studieren, so werden wir finden, daß in der Ur-zeit, aber auch später, die Menschen nicht nach dem Blute, sondern nach der Sprache unterschieden wurden. Wenn wir Völkern in der Geschichte begegnen, deren Sprachen dieselbe Wurzel aufweisen, so folgt daraus noch keineswegs, daß sie auch dem Blute nach einen gemein-samen Ursprung haben. Sagt doch Hitler selbst, daß 'die Besiegten die Sprache der Sieger angenommen ha-ben." Wenn also aus dem Norden Völker kamen, die zur indogermanischen Sprachengruppe gehörten, so folgt daraus noch keineswegs, daß sie auch körperlich mit-einander verwandt waren. Dasselbe gilt von den Völ-kern, die der semitischen oder mongolischen Sprachengruppe angehören.                               

         Die Geschichtsschreiber sind sich darüber einig, daß die ersten Kämpfe zwischen Nomaden und Seßhaften sich in dem Lande zwischen Euphrat und Tigris abge-spielt haben. Das erste Volk, das in diesem Weltteil oder überhaupt auf der Erde wirkliche Städte erbaute, waren wahrscheinlich die Sumerer, ein Volk unbekannten Ur-sprungs. Sie waren bestimmt keine Arier. Sie benützten eine Art Schritt, die sie in Ton einkratzten und so konnte ihre Sprache entziffert werden. Die Sumerer hatten geschorene Köpfe und trugen tunikaartige, ein-fache Wollgewänder. Ihre Hauptstadt hieß Eridu und wurde 6500 v. Chr. an der Küste gebaut. Sie machten ihre Felder dadurch fruchtbar, daß sie sie mit künst-lichen Wassergräben durchzogen und bildeten sich all-mählich zu geschickten Wasserbaumeistern aus. Sie hatten Rinder, Esel, Schafe und Ziegen.

Aus ihren Lehmhütten wurden Städte, und ihre Religion ließ sie turmartige Tempelgebäude errichten. Sie besaßen keine Steine und nur der an der Sonne getrocknete Ton spielte bei {44} Ihnen eine große Rolle. Sie bauten mit Ziegeln, erzeugten  Töpferwaren und irdene Bildnisse, sie zeichneten und schrieben auf dünnen, ziegelartigen Tonplatten. Papier oder  Pergament scheinen sie nicht gekannt zu haben. Ihre Bücher und Aufzeichnungen, sogar ihre Briefe, waren Tonscherben. Nicht weniger als 4000 Jahre wurde Sumerien von keinem fremden Volke unterjocht. Während dieser Zeit konnte es seine Zivilisation, seine Schritt und seine Schiffahrt in Ruhe entwickeln (Wells).

         Wir sehen also, daß die erste Zivilisation keineswegs von Ariern begründet wurde. Diesen Sumerern haben die nachfolgenden Völker vieles zu verdanken, denn sie übernahmen von ihnen die Errungenschaften der Kultur, die die Sumerer gegründet hatten. Schon während des Bestandes des sumerischen Reiches erschienen am west-lichen Rande dieses Landes semitisch sprechende No-madenstämme, die Jahrhunderte hindurch mit den Su-merern Handel trieben, sie überfielen und bekämpften. Semitische Nomadenstämme fielen in Sumerien ein und plünderten. Sie konnten jedoch im Lande nicht verwei-len, weil sie von den zahlreicheren Sumerern vertrieben wurden. Endlich erhob sich ein großer Führer unter diesen Semiten: Sargon, der 2750 vor Christi Geburt lebte. Sargon vereinigte die semitischen Nomadenstämme und besiegte die Sumerer. Er errichtete ein großes Reich, welches im Osten über den Persischen Golf hinaus und im Westen bis zum Mittelländischen Meer hin sich aus-breitete. Sein Volk waren Akkader und sein neues, großes Reich wird das sumerisch-akkadische genannt. Es dauerte über 200 Jahre. Obwohl die Semiten siegten und den sumerischen Städten einen König gaben, ge-wann doch die sumerische Kultur die Oberhand über die einfachere semitische. Die Eindringlinge erlernten die sumerische Schrift (die Keilschrift) und die sumerische Sprache Diese wurde für die Eroberer die Sprache des Wissens und der Macht, ähnlich wie für die barbarischen Völker des Mittelalters in Europa das Lateinische. Wir {45} seilen also, daß die besiegten Völker keineswegsdieniedrigeren an Kultur waren, sondern daß im Gegenteil die Sieger ihre Kultur annahmen.

         Aber auch dieses sumerisch-akkadische Reich mußte dasselbe Schicksal erleiden wie alle seßhaften Völker. Aus dem Osten fielen die Elamiter, aus dem Westen die semitischen Amoriter ein. Die Elamiter waren von un-bekannter Rasse und Sprache. Ihre bedeutendste Stadt war Susa. Auch sie waren keine Arier.

Die Amoriter dagegen waren Semiten, und zwar von demselben Stamm, wie Abraham und die späteren Hebräer. Also bevor noch die Arier überhaupt auf der Bildfläche der Weltgeschichte erschienen waren, hatten schon die Vor-fahren der Juden ein großes Reich erobert. Diese Vor-fahren der Juden, die Amoriter, ließen sich in Babylon nieder und nach 100 Jahren Kriegführung wurden sie unter Hamurabi einem großen König, der das erste babylonische Reich gründete, Herren von ganz Meso-potamien. Wieder gab es Frieden und Sicherheit, die Kampflust nahm ab und nach abermals 100 Jahren ka-men neue Nomaden aus dem Osten und überfluteten Babylonien. Sie brachten das Pferd mit sich und den Kriegswagen und setzen in Babylon ihren eigenen König ein. Diese waren die Kassiter (Wells).

         Aber die Amoriter waren nicht die einzigen Semiten, die auf Eroberung ausgingen. Auch die Assyrer tauchten auf und ließen sich am Tigris nieder. Sie siedelten sich um eine Anzahl von Städten, darunter Assur und Ninive an. Sie trugen große Barte und geringeltes, langes Haar, hohe Mützen und lange Gewänder.

Die Assyrer waren ein semitischer Stamm und brachten ihre Kriegskunst auf eine hohe Stufe. Sie wurden mächtige Raubkrieger und zwangen die Besiegten zur Tributleistung. Schließ-lich, als sie das Pferd und den Kriegswagen annahmen, konnten sie sogar im Jahre 1100 v. Chr. unter Tiglath Pileser I Babylon erobern. Die zwei semitischen Stämme Assyrier und Babylonier bekriegten sich gegenseitig. Während vieler Jahrhunderte schwankte die Macht {46} zwischen Ninive und Babylon. Manchesmal war es ein Assyrer, manchmal wieder ein Babylonier, der sich für den 'König der Welt" erklärte.

         Im Jahre 606 tauchten neue nomadische Semiten, die Chaldäer, auf, welche, von zwei arischen Völkern, den Medern und Persern unterstützt, Ninive nahmen. Letztere kammen aus den Wäldern und Ebenen des Nordens und Nordwestens. Eine Gruppe zog nach Indien und die andere wandte sich gemeinsam mit den Chaldäern ge-gen die Assyrer. Bisher waren die nomadischen Besieger der Ackerbauländer Elamiter und Semiten gewesen. Nun fiel die Rolle der Eroberer für etwa sechs Jahrhunderte den 'Ariern" zu. Im Jahre 539 eroberte Kyros, der Gründer der persischen Macht, das chaldäische Reich, mit der Hauptstadt Babylon. 330 vor Christo erschien ein griechischer Eroberer, Alexander der Große, der Persien besiegte (Wells).

         Was zeigt uns die bisherige Darstellung? Daß schon 2000 Jahre v. Chr. semitische Völker große Reiche er-richtet haben. Die Assyrier und Babylonier gehörten zu der semitischen Völkergruppe. Diese semitischen Völker haben der Nachwelt herrliche Literaturdenkmäler hinter-lassen. Auch in der Poesie waren sie auf der Höhe. Be-kannt ist die Nimrodsage, die semitischen Ursprungs ist. Diese Semiten waren fähig, mit Disziplin und Subordi-nation große, militärisch starke und Jahrhunderte standhaltende Reiche zu gründen. Sie waren der Wissen-schaft ergeben und bei ihnen blühte die Kunst. Die griechische Kunst wurde durch die assyrische stark be-einflußt. Das beweisen die letzten Ausgrabungen.

         Babylonien hat die meisten Steine zu jenem gewalti-gen Bau beigetragen, den wir Zivilisation nennen. Von Babylonien ging, wie der bekannte Geschichtsprofessor Fritz Hommel in seiner Geschichte Babyloniens sagt, der Strom der Kultur teils zur See durch Vermittlung der Phönizier, teils auf dem Landweg über Kleinasien zu Griechen und Römern und damit später auch ins romanisch-germanische Europa. Die Chaldäer, sagt der {47} Gelehrte Eduard Meyer, sind in Astronomie und Mathematik die Lehrmeister des gesamten Abendlandes ge-wesen.

Die in der Bibliothek des Königs Sardanapal aufgefundenen Kontrakttäfelchen sind ein Beweis für die damals herrschende Rechtsordnung. - Ein anderes großartiges semitisches Volk sind die Phönizier. Sie gel-ten als die Erfinder der Schiffahrt. Die ersten Boote wurden schon in einem sehr frühen Zeitpunkte von Völ-kern, die an Flüssen und Seen wohnten, verfertigt.

Es waren das freilich nichts mehr als schwimmende Bäume und Hölzer; später begann man Baumstämme auszu-höhlen und schließlich baute man wirkliche Boote. In Ägypten und Mesopotamien entwickelten die Menschen ein Flechtwerk, das mit Erdpech dicht gemacht war. Solcherart war das Körbchen aus Schilfrohr, in dem Moses von seiner Mutter verborgen wurde. Eine ver-wandte Schiffahrt entstand durch Ausspannen von Fel-len, Häuten über ein Gestell aus starkem Weidholz. Wirkliche Schiffe aber bauten zuerst die semitischen Phönizier. Karthago war eine phönizische Kolonie. hönizier haben Afrika umschifft, sie gründeten zahlreiche Kolonien auf Zypern, Rhodus, Malta, Sizilien, Sardinien, an der Nordküste von Afrika und in Südspanien.

Die Purpurfärberei, Weberei, Glasbereitung, den Bergbau, die Verarbeitung der Metalle, die Baukunst, haben die Phönizier teils erfunden, teils zu hoher Vollendung aus-gebildet. Dem semitischen Volke der Phönizier ver-dankten die Griechen die Kenntnis der Schrift, des Alpha-bets. Die Phönizier haben den kaufmännischen Sinn bei den Griechen geweckt. Von den Phöniziern haben die Griechen gelernt, bei nächtlicher Seefahrt Norden nach dem Polarstern und damit den Kurs zu bestimmen. Wo bleibt nun die Behauptung Hitlers, daß den Semiten der Sinn für Kunst, technische Erfindungsgabe, Schiffahrt und Kolonisierung fehlte? Waren diese Phönizier eine niedrige Rasse?

         Coudenhove-Kalergi schreibt in seinem Buch 'Das Wesen des {48} Antisemitismus":

                  'Die Semiten waren hochzivilisiert, zu einer Zeit, als die Arier noch ganz einfach Wilde waren. Babylon ist nicht nur das Mutterland der semitischen oder der grie-chischen und römischen Kultur, es ist das Mutterland der ganzen abendländischen, also unserer Kultur über-haupt. Es gibt nur noch zwei Zivilisationen, die den Namen Kultur verdienen außer der babylonischen, und das sind die indische und die chinesische. Diese babyloni-sche Kultur geht sehr weit, sehr tief."

 

         Es ist wirklich schwer, sich einen größeren Unsinn auch nur vorzustellen, als eine verschiedene Behandlung von Leuten gleichen Bildungsgrades wegen angeblicher Rassenverschiedenheit. Das Wahnwitzige der Sache liegt in der Tatsache, daß die Semiten sich von den Ariern eigentlich nur durch ihre Sprache unterscheiden und daß in geradezu hirnverbrannter Weise die Folgerung aus der Sprachverschiedenheit gezogen wird, daß die sprach-lichen Grenzen der beiden Gruppen auch körperlich zu-sammenfallen müssen, eine Behauptung, die heute als Unsinn nachgewiesen ist. Das Wort 'Arier" ist nur ein sprachlicher Ausdruck. Die größte und berühmteste Autorität für das Ariertum, Professor Max Müller, be-ginnt seinen Artikel 'Aryan" mit den Worten: 'Aryan" ist ein technischer Ausdruck, welcher eine der großen Sprachfamilien, die sich von Indien nach Europa er-streckt, bezeichnet. Wie der Begriff 'semitisch" ein rein sprachlicher ist, so ist es auch der Begriff 'arisch". Vor einem Jahrhundert wußte die Welt noch nichts von einem rassischen Unterschied zwischen Ariern und Se-miten.

         Ich habe an der Hand einwandfreier Daten aus der Geschichte der Menschheit nachgewiesen, daß die erste Kultur nicht von Ariern, sondern von allem Anfang an von den Sumerern, einer nichtarischen Volksgruppe, und dann später von den Semiten gegründet wurde. Ich habe nachgewiesen, daß die menschliche Kultur schon 6000 Jahre alt war, bevor die Arier überhaupt die Bühne der Geschichte betreten haben.

{49}   Wie sonderbar muten uns daher folgende Äußerungen Hitlers an:

                  'Was wir heute an menschlicher Kultur, an Ergeb-nissen von Kunst, Wissenschaft und Technik vor uns sehen, ist nahezu ausschließlich schöpfe-risches Produkt des Ariers. Gerade diese Tatsache aber läßt den nicht unbegründeten Rückschluß zu, daß er allein der Begründer höheren Menschentums überhaupt war, mithin den Urtyp dessen darstellt, was wir unter dem Wort Mensch verstehen. Er ist der Prometheus der Menschheit, aus dem das Licht der Sterne, der göttliche Funke des Genies zu allen Zeiten hervor-sprang, immer von neuem jenes Feuer entzündend, das als Erkenntnis die Nacht der schweigenden Geheimnisse aufhellte und den Menschen so den Weg zum Beherr-scher der anderen Wesen dieser Erde emporsteigen ließ.

Man schalte ihn aus - und tiefe Dunkelheil wird viel-leicht schon nach wenigen Jahrtausenden sich abermals auf die Erde senken, die menschliche Kultur würde ver-gehen und die Welt veröden."                  

         Hitler wird sich doch entschließen müssen, Welt-geschichte zu studieren. Wenn die Sumerer, die Assyrier, die Babylonier, die Chaldäer, die Phönizier aus ihren Gräbern emporstiegen, wären sie wohl über die heutige Welt erstaunt, allein sie würden mit Recht Hitler daran erinnern, daß ohne ihre Religionen, ohne ihre Leistungen auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft die heuti-gen Völker dieser Erde unmöglich auf die Errungen-schaften hinweisen könnten, auf die sie heute so stolz sind.

Die Sumerer werden auf den entwickelten Acker-bau bei ihnen die Assyrier, die Babylonier, die Chaldäer auf ihre wunderbar organisierten Heere, auf ihre Archi-tektonik, auf ihre Poesie, die Phönizier auf ihre Schiffahrt und alle ihre Fortschritte in der Grammatik, Arithmetik und Astronomie hinweisen, die erst die Er-werbung der Kenntnisse ermöglichten, auf denen abend-ländische Kultur beruht.

Die verhaßten Juden werden Hitler daran erinnern, daß Christus, der, wie Hitler so schön beschreibt, die Wechsler aus dem Tempel jagte {50} und die Religion der Nächstenliebe verkündete, ebenso ein Jude war wie Moses, der mehr als 1000 Jahre vorher den Mord, den Raub, den Diebstahl, den Ehebruch und das falsche Zeugnis in seinen zehn Geboten ver-worfen hat. Es ist also unrichtig, wenn Hitler schreibt, daß die Arier allein die Begründer höheren Menschen-tums waren und daß sie den Urtyp dessen darstellen, was wir unter dem Worte 'Mensch" verstehen.

 

(Zum Thema 'Rassentheorie': z.B.- Fritz Kahn 'Die Juden, als Rasse und Kulturvolk' Dritte Auflage, Welt - Verlag - Berlin, 1922; Dr. Friedrich Herz 'Rasse und Kultur'  'Eine kritische Untersuchung der Rassentheorien'  Leipzig, 1915; Prof. Dr. Hugo Iltis  'Der Mythus von Blut und Rasse', Wien-Harand 1936, ldn-knigi)

 

{51}

 

 

4. K a p i t e l.

 

Die 'rassischen" Eigenschaften der Juden.

 

         Die Rassentheorie des Hakenkreuzes ist, meiner Über-zeugung nach, ein ganz großer Schwindel.  Jede 'Rasse" weist minderwertige und hochwertige Indivi-duen auf. Es gibt überhaupt heute innerhalb der weißen Rasse kein reinrassiges Erbgut. Es gehören weder alle Juden einer und derselben ,,Rasse" an, noch gibt es Rassenmerkmale, die sich bei allen Juden finden. Rassenreine Völker gibt es heute nicht mehr. Heute sind nur noch Rassenmischungen vorhanden.  Verhältnismäßig rassenrein sind nur noch Buschmänner, Hottentotten, einige Zwergnegerstämme im tropischen Afrika und einige primitive Volksstämme an den äußersten Grenzen der bewohnten Erde. Wenn wir, abgesehen von den Gruppen, die sich durch ihre Hautfarbe unterscheiden (Weiße, Neger, Mongolen, Indianer), von 'Rasse" über-haupt sprechen dürfen, so sind die Juden, wie wir Deutschen, ein Rassengemisch.

         Der völkische Rassenforscher Wilser ('Die Germanen") schreibt:

                  ,,Nur ein geringer Hundertsatz unserer heutigen Volks-genossen hat annähernd noch einen Schädel- und Kno-chenbau wie die Gerippe ans den Heldengräbern deut-scher Wanderzeit. Wollen wir noch echte Germanen finden, so müssen wir zu unseren nordischen Bruder-völkern gehen, Schweden, Niederländern, Engländern"...

{52}   Der berühmte Erblichkeitsforscher, Dr. Fritz Lenz ('Menschliche Erblichkeitslehre",  3. Auflage,   1927, Seite 365), schreibt von den Juden und Germanen, 'man dürfe nicht übersehen, daß beide in wesentlichen Anlagen sich recht ähnlich sind, und zwar gilt das besonders wenn man als Germanen nur Menschen von über-haupt nordischer Rasse gelten läßt. Selbstverständlich  gibt es Verschiedenheiten zwischen den 'Rassen" und  ihren Gemischen. Doch sind sie nicht unüberbrückbar.  Entschieden muß ich bestreiten, daß eine Rasse der anderen gegenüber minderwertig ist."

         Professor Dr. Lenz sagt von den Rassenunterschieden:

a)                          'Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassenanlagen sind im allgemeinen weniger hochgradig als die zwischen normalen und krankhaften Anlagen."   

b)                          'Vermutlich haben alle Menschen den größten Teil ihrer Erbmasse gemeinsam... (Jetzt ist es auch erwiesen!) Schon daraus folgt, daß es nicht möglich ist, die Anteile der verschiedenen Ras-sen an der Erbmasse eines Menschen anzugeben" (Bauer-Fischer-Lenz: 'Grundrisse der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene", 3. Auflage, 1927, Seite 521 und 573).

         Professor Dr. Felix v. Luschan, Direktor des Anthro-pologischen Museums in Berlin, kommt zu folgenden Schlußfolgerungen :

                  a)  Die gesamte Menschheit besteht nur aus einer ein-zigen Art;

                  b) es gibt keine an sich minderwertige Rasse;

                  c) der Unterschied zwischen den verschiedenen Rassen ist, besonders was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz angeht, nicht entfernt so groß, wie der zwischen einzelnen Individuen einer und derselben Rasse;

                  d) Mischlinge sind (genau so wie uneheliche Kinder) niemals von vornherein minderwertig. Sie werden es nur, wenn ihre Eltern individuell minderwertig sind.

         Die 'Rassenpsychologie", die Aufstellung 'seelischer Rassenmerkmale"  entbehrt  jeder  wissenschaftlichen Grundlage. Dieselbe Rasse wird auch von den {53} verschiedenen Rassenforschern ganz widersprechend beurteilt.

         Nach Ernst Kretschmer, Professor der Psychiatrie und Neurologie in Marburg, sind solche Angaben 'fast stets so einseitig und tendenziös ausgewählt und beleuchtet, daß der entstehende Gesamteindruck ein völliges Zerr-bild ergibt. Die Rassenbücher sind fast stets so ge-schrieben, daß der Autor die Verherrlichung seiner eige-nen Rasse oder mindestens seiner eigenen politischen Tendenzen oder idealistischen Schwärmereien mit schein-bar wissenschaftlichen Mitteln anstrebt".

         Ernst Kretschmer schreibt in seinem Buch 'Geniale Menschen", Seite 73 und 74: 'Man sucht sich von der eigenen Rasse die besten und von der anderen die ge-ringwertigsten Vertreter und stellt sie einander in star-ken Farben gegenüber, schildert von der eigenen Rasse nur die positiven und von der anderen die negativen Eigenschaften unter flüchtiger Umgehung der Gegen-probe."

         Gegen die Behauptungen der antisemitischen Rassenlehre haben sich die größten Gelehrten ausgesprochen, z. B. Alexander v. Humboldt, Bär, Virchow, Kollmann, Ranke, Luschan, Balz, Buckle, die Begründer der indo-germanischen Sprachforschung Bott, Müller, Graber, der Rechtslehrer Ihering, der Volkswirtschaftler Werner Sombart - bevor Hitler die Macht ergriffen hatte - die Ethnologen Fr. Müller und Ratzl, die Philosophen Nietzsche, Wilhelm Wundt, Theobald Ziegler, E. v. Aster, die Ethiker Pensig. Jodl, die Soziologen Weber, Müller-Lyer u. a. m. Jodl sagt unter anderem: 'Kein verhängnisvollerer Wahn ist denkbar und keinen haben wir entschiedener zu bekämpfen als den, welcher die sittliche Tüchtigkeit oder die moralische Schlechtigkeit zum angeblichen Erbteil einer bestimmten Rasse oder Nation macht."

         Dr. med. et phil. V. Suk, Professor der Anthropologie und Völkerkunde, naturwissenschaftliche Fakultät der Masaryk-Universität, schreibt unter dem Titel 'Rasse und moderne Forschung":

{54}   Seit Jahren haben wir nun Versuche mit dem Blute von Juden (helläugigen und dunkeläugigen Juden), ferner mit dem Blute der sogenannten ,Nordiker', ,Alpinen', 'Baltiker', also den Angehörigen der sogenannten ,europäischen Rassen', dann mit dem Blute der Eskimos, Kalmüken und Zigeuner angestellt - im ganzen 3000 Präzipitationen - und wir haben gefunden, daß die Juden, die ,Nordiker' usw. keine deutlichen Unterschiede aufweisen. Dagegen waren die Unterschiede zwi-schen Eskimo- und Europäerblut ganz ausgesprochen. Deutliche Verwandtschaftsreaktionen ergaben die Ver-gleiche mit Kalmüken- und Eskimoblut, was ja auch den allgemein anerkannten körperlichen Merkmalen, Mon-golenmerkmalen, entspricht.

         Genau so wie wir in den vorhergellenden Absätzen viele Einwände gegen die gebräuchliche Anwendung des Begriffes ,Rasse' gebracht haben, die uns deutlich zei-gen, daß dieses Wort sehr oft geradezu absichtlich un-richtig gebraucht wird, weil man eben die letzten Kon-sequenzen dieses Gebrauches nicht ausdenkt oder nicht ausdenken will, genau so können wir noch ganz kurz Einwände gegen den Gebrauch der Worte 'arisch' und 'jüdisch' vorbringen.

Das Wort 'arisch' bedeutet, nach streng wissenschaftlichem Gebrauch, nichts anderes als die Zugehörigkeit zu gewissen Gruppen von Stämmen und Völkern, die sich dadurch auszeichnen, daß ihre Sprachen und auch gewisse Kulturbestandteile auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeführt werden können, ohne Rücksicht auf ihre körperlichen Eigenschaften.

Aus diesem Grunde ist gar nicht zu leugnen, daß zu den Ariern genau so die Zigeuner wie die ,Nordiker' ge-hören. Im Sinne der mancherorts herrschenden und so-gar durch Staatsgewalt erzwungenen Richtungslinien wäre daher auch eine Vermischung zwischen ,Nordikern' und Zigeunern erwünscht und rassenvorteilhaft.

Man sicht, wie die unrichtige Anwendung ansonsten sehr gut brauchbarer Begriffe zu den ärgsten Trugschlüssen führen kann. Sehr ähnlich verhält es sich mit dem {55} Begriff 'jüdisch'. Wenn wir diesen Begriff naturwissen-schaftlich betrachten, so seilen wir, daß er gerade sol-chen Wert wie der Begriff 'arisch' hat. Er bezeichnet gar keine Rasse, und es ist auch ganz unmöglich, wissenschaftlich zu beweisen, die Juden seien eine ganz besondere, für sich abgeschlossene Rasse.

Auf Grund verschiedener Beobachtungen, darunter auch histori-scher, archäologischer und ethnologischer Studien, vermischt mit Studien über die körperlichen Merkmale der Juden (also nichtnaturwissenschaftlicher Beobachtungen vermischt mit naturwissenschaftlichen), sagt man, bei den Juden seien 'vorderasiatisch-dinarisch-orientalisch-mediterran-nordische' Elemente vorhanden! Und schon dadurch gibt man zu, daß unter den Juden diesel-ben Elemente vorzufinden sind wie unter den anderen 'Europäern', welche Elemente als ,nordische', 'dinarische', 'alpine', mediterrane' usw. bezeichnet werden.

Es ist daher leicht verständlich, daß das Blutserum verschie-dener jüdischer Individuen, wenn es mit dem Blutserum von Europäern verglichen wurde (Immunisierungsver-suche und Präzipitinreaktionen), gar keine wesent-lichen Unterschiede aufwies, dagegen zusammen mit den Europäerseren deutliche Unterschiede gegenüber dem Blutserum der Eskimos zeigte. Man sieht wiederum, man darf naturwissenschaftliche Begriffe, wie ,Rasse', nur naturwissenschaftlich behandeln. Und wenn man auch ganz äußerlich urteilen wollte (was ja fast alle Rassen-anthropologen machen, die sich mit der Augen- und Haarfarbe, Gesichtsbildung und Messung von Nasen und Kopflängen und Kopfbreiten befassen), dann würde man gleich sehen, daß es unter den Juden so viele Merk-male gibt, die allen anderen Gruppen eigen sind, daß wir genau so gut wie die ,Rassenforscher' vielleicht zehn oder zwanzig Rassen unter den Europäern unterschei-den, auch ebenso viele Rassen unter den Juden herausfinden könnten - also ebenfalls ein logisch erlaubter Schluß.

Man nehme sich nur die Mühe und stelle neben-einander eine Photographie eines nordafrikanischen, {56} schwarzhaarigen, schwarzäugigen jüdischen Spenglers, daneben die Photographie eines rothaarigen, blauäugi-gen jüdischen Schmiedes aus Karpathorußland, dann ein paar Photographien von italienischen und französischen Juden (Ärzten, Politikern usw.), und, um die großen Unterschiede noch besser hervorzuheben, einige Photographien von jüdischen Engländern (Ministern, Bürgermeistern usw. ), und man wird mir dann recht lieben, daß 'jüdisch' ein Begriff ist, der nichts mit dem  naturwissenschaftlichen Begriff der Rasse gemein hat.  Man könnte dann geradeso und mit demselben Recht umgekehrt sagen, daß die ,Nordiker' jüdischen Einschlag haben, denn Rothaarigkeit kommt auch bei ihnen vor. Und wenn wir von dieser naturwissenschaftlichen Be-trachtung des Begriffes 'jüdisch' zu dem ethnologischen (völkerkundlichen, also psychologischen und kulturellen) Begriff 'jüdisch' gelangen, so können wir gerade solche Verwirrung feststellen. Man spricht von Rasseninstink-ten, Rassenpsyche usw., ohne im mindesten sich die Mühe gegeben zu haben festzustellen, wie sich das Erb-gut des 'jüdischen Menschen' zu diesen Qualitäten ver-hält. - Um es kraß darzulegen: Hat jemand beweisen können, daß etwa ein besonderer 'Rasseninstinkt' erblich an die Form der Nase gebunden ist? Gewiß nicht! Doch diese Frage ist erlaubt, wenn man bei den Juden von einer 'jüdischen Rasse' und auch einem besonderen 'Rasseninstinkt' spricht, wobei beides, die Rasse als biologische Qualität und die Rasse als psychologische Qualität, an das Erbgut gebunden sein soll "

         In seinem Buche 'Rassenkunde des jüdischen Volkes" (Verlag Lehmann, München 1929) bedient sich Hans F. K. Günther der Methode der einseitigen Darstellung auf Grund ganz unzulänglichen Materials. Die Darstellung der sogenannten 'seelischen Merkmale" ist ganz unwissenschaftlich. Die Juden unterscheiden sich, nach Günther, von den anderen Völkern nicht wie eine Rasse von der anderen, sondern wie ein Rassengemisch von anders zusammengesetzten Rassengemischen. Nicht {57} irgendeine 'Minderwertigkeit" des jüdischen Rassen-gemisches (eine solche besteht nach Günther nicht) macht den Kern der Judenfrage aus, sondern dessen rassisch bedingte Andersartigkeit, vor allem dessen rassenseelische Fremdheit innerhalb der rassisch anders zusammengesetzten abendländischen Völker.

         In seelischer Beziehung erhalten die Juden bei Gün-ther eine recht schlechte Note, da ,der Kern der jüdi-schen Seele von Wesenszügen der vorderasiatischen Rasse gebildet wurde". Günther spricht den Juden die Fähigkeit ab, richtiges Deutsch zu sprechen. Dabei war Gundolf, einer der anerkanntesten Meister der deutschen Sprache, Jude!

         Am interessantesten ist, daß die Juden auch nach Günther an der für das deutsche Volk so wertvollen nordischen Rasse, und zwar unmittelbar von den alten Amonitern und Philistern her, teilhaben. Ja, es ent-spricht nur der allgemeinen Theorie Günthers, wenn er an verschiedenen Stellen seines Buches auch hinsichtlich der begabteren und bedeutenderen Vertreter des mo-dernen Judentums die Bemerkung macht, daß sie zum mindesten eine nordische Beimischung aufwiesen, auf die allein ihre Genialität zurückzuführen sei. Ist das so, dann sind vor allem die im Sinne der 'Völkischen" ge-fährlichsten, weil begabtesten Juden auch diejenigen, die am wenigsten als 'europafremd' zurückgewiesen wer-den können, weil 'sie sich durch eine mehr oder minder starke Beimischung nordischen Blutes auszeichnen".

         Ober die Sinnlosigkeit einer rassenmäßigen Bewertung seelischer Eigenschaften sagt Professor Müller-Freien-fels in seinem Werke 'Psychologie des deutschen Men-schen und seiner Kultur" (Seite 230 ff.): '... auch wo keine rassenmäßige, wo nur eine kulturelle Eindeut-schung (der Juden) stattfand, wäre es ungerecht, zu be-streiten daß viele Juden ausgezeichnete Vertreter deut-schen Geistes gewesen seien. Das Volk selbst hat sein Urteil darüber gesprochen, indem es viele Lieder {58} Mendelsohns und viele Gedichte Heines als Volkslieder anerkannt hat."

         Der Germane ist blond, blauäugig und langköpfig, so behauptet die ,,Rassenlehre" der Antisemiten. Nach Houston Stewart Chamberlain (Grundlagen des 19. Jahrhunderts, Verlag Bruckmann, München 1919, Seite 496) sind die Rassenmerkmale des echten Germanen 'große strahlende Himmelsaugen, goldenes Haar, die Riesen-gestalt, Ebenmaße der Muskulatur, der längliche Schädel, das hohe Antlitz usw."

        

In Wirklichkeit ergab eine deutsche Schulkinderuntersuchung 31,8 % rein blond (blaue und graue Augen),  die Zahl geht mit zunehmendem Lebensalter bedeutend zurück, brünett (dunkle Haare und Augen)

14,1 %, Mischformen 54,1%.

         Nach des bekannten Rasseforschers Hans F. K. Günther Schätzung, die bestimmt nicht zu niedrig ist, gibt  es in Deutschland höchstens 10 % rein nordische (richtiger wohl: vorwiegend nordische) Menschen.  

         Untersuchungen von Maurice Fishberg ('Die Rassenmerkmale der Juden", Verlag Reinhardt, München 1913)  an 4120 Juden ergaben, daß 37 % Juden und 59 % Jüdinnen gerade (sogenannte griechische) Nasen hatten. 'Judennasen" hatten nur 13 bis 14%.

         Die Slawen sind ebenfalls vielfach blond, blauäugig, langköpfig! Der reinste Stamm der Deutschen, die Frie-sen, zählt 4 % Langköpfe, 33 % Mittelköpfe, 62 % Breit-köpfe!

         Luther, Bismarck, Beethoven, Haydn, Schubert hatten ausgesprochenen Breitschädel. Hindenburg hatte auch durchaus nicht den 'nordischen Typ".

         Der Münchner Rassenhygieniker Geheimrat Professor Dr. V. Gruber, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der selbst Mitglied des 'Alldeutschen Verbandes" und somit ein unverdächtiger Zeuge ist, schreibt in der ,,Essener Volkswacht" vom 9. November 1929 über Hitler:

{59}

                  'Zum ersten Male sah ich Hitler in der Nähe. Gesicht und Kopf -schlechte Rasse, Mischling. Niedrige, fliehende Stirne, unschöne Nase, breite Backenknochen, kleine Augen, dunkles Haar. Eine kurze Bürste von Schnurrbart, nur so breit wie die Nase, gibt dem Gesicht etwas Herausforderndes. Gesichtsausdruck ist nicht der eines in voller Selbstbeherrschung Gebietenden, sondern der eines wahnwitzig Erregten. Wiederholtes Zucken der Gesichtsmuskeln. Am Schluß Ausdruck eines beglückten Selbstgefühles."

 

         Nach der völkischen Theorie braucht ein arischer Mensch nicht erst zur Ablehnung der Erzeugnisse 'jüdi-schen Geistes" erzogen zu werden; ihm liegt sie im Blut. Wer darin noch irrt, ist den Weg seiner inneren Vollendung noch nicht zu Ende gegangen. Zu welch unsinnigen Ergebnissen man kommt, wenn man die Rasse und nicht die Leistung als ausschlaggebend an-sieht, zeigen folgende Beispiele:

         a) In Nr. 270 des Organs 'Der Freiheitskampf" von Jahre 1931 wendet sich ein Architekt Ph. Jantschner un-ter der Oberschrift 'Geschmack der Wüste" gegen den neuen Baustil und schreibt: '... Was bedeutet für uns Deutsche der Horizontalismus? Verneinung des Lebens, Sinnbild der Nacht, der Ruhe, des Abstieges und der Vernichtung alles Aufwärtsstrebenden. Als der Alt-meister Alfred Messel im Jahre 1905 seinen Wertheimbau in Berlin vollendete, war für die deutsche Architek-tur eine neue Epoche angebrochen. Viele Baukünstler nahmen bewußt oder unbewußt diese Erinnerungandie Gotik, den deutschen Stil, auf."

         Alfred Messel ist Jude. Auch die Völkischen können nicht umhin, seinen Stil als deutsch zu bezeichnen. Irren sie über seine Abstammung oder über das, was in ihrem Sinne deutsch ist?

         b) Nicht anders ging es übrigens dem alldeutschen Justizrat Heinrich Class (Pseudonym Einhart), der in seiner 'Deutschen Geschichte" (Verlag Dietrich, Leipzig 1914) den Wertheimbau als Symbol der modernen deutschen Baukunst verherrlicht. Als es sich {60} herausstellte daß Messel jüdischer Abstammung ist, ließ man Stelle in der späteren Auflage des Buches weg. Hatte der Wertheimbau zwischen beiden Auflagen an Schönheit verloren?

        

c)  Über Friedrich Gundolfs Werk 'Shakespeare und  deutsche Geist" (l. Auflage, 1911) urteilt die stark rechtsgerichtete 'Deutsche Tageszeitung" vom l. Juli 1911 noch in Unkenntnis der Tatsache, daß Gundolf (eigentlich Gundelfinger) Jude ist, folgendermaßen:

         Ein rein geschichtlicher Geist weht durch das Ganze, eine tiefe, demütige Ehrfurcht vor allem Großen und Schönen, ein seltener Adel der Gesinnung, Aristokratie der Seele und des Verstandes. Wir haben wieder ein Meisterwerk deutschen Geistes erhalten."

         d) Auf der Olympiade in Amsterdam (1928) siegte als Meisterin der ganzen Welt im Florettfechten die Pri-manerin Helene Mayer aus Offenbach. Die deutsche Presse aller Richtungen war voll von Lobeshymnen. Der rechtsgerichtete ,.Fridericus", Hamburg (ein gewiß unverdächtiger Zeuge) feierte die Weltmeisterin Helene Mayer im höchsten Brustton arischer Seligkeit und schrieb unter anderem: '... Hochachtung vor diesem blonden, deutschen Mädel, das inmitten der schwarz-haarigen, internationalen Mischpoche, die in Amsterdam den Ton anzugeben sich bemühte, sich treu zu ihrer Gesinnung und zum verratenen und verfemten Schwarz-Weiß-Rot bekannte."

(Im ersten Siegestaumel hatte Helene Mayer die Far-ben ihres Fechtklubs, die schwarz-weiß-rot sind, ge-schwungen.)

         Abstammung und Religion haben gewiß recht wenig mit sportlicher Tüchtigkeit oder Untüchtigkeit zu tun. Helene Mayer kämpfte in der Amsterdamer Olympiade (1928) lediglich für den Sieg der deutschen Farben. Dieses drastische Beispiel der verstiegenen 'arischen Rassenlehre" mußte hier angeführt werden, denn die blauäugige und blondhaarige Helene Mayer war die Tochter des verstorbenen jüdischen Arztes Dr. Mayer {61} und somit jüdische Deutsche. Nach der Machtergreifung Hitlers hat allerdings Helene Mayer Deutschland ver-lassen, weil sie von jedem Sportwettbewerb ausgeschlos-sen wurde. (bei Olympia 01-16.08.1936 - nur 2 Halbjuden waren (als Alibi für die Nazis) zugelassen, Helene Mayer hat für Deutschland Silber geholt, die ist extra aus Los Angeles für dem Wettkampf gekommen; ldn-knigi)

Nach der Wiedereinführung der olympischen Spielen in Jahre 1896, haben jüdischen Sportler bei den ersten O. Spielen von gesamt 41 Goldmedaillen 9 für  ihre Heimatländer geholt. Das war ein Erfolg einer Minorität denn sie niemals wieder während der folgenden 100 Jahre wiederholen konnte.)

         e) Der Erfinder der Radioverstärkerröhren, Robert v. Lieben (1878-1913), wurde von rechtsradikalen, deut-schen Zeitschritten gerne als der Typus des 'echten deutschen" Erfinders gefeiert, der die 'Verkörperung des überlegenen Germanentums" darstellte. In Nr. 3 des Jahrganges 1930 schreibt die bekannte nationalistische Wochenzeitung 'Fridericus" (Hamburg):

         'Wenn es sich darum handeln soll, den wirklichen Er-finder und Verbesserer der Elektronenröhre kennenzu-lernen, so ist es der deutsche Baron v. Lieben. Und wenn es der Judenschaft beliebt, so sind wir gerne bereit, ein-mal der Öffentlichkeit zu zeigen, in welcher Weise die jüdische Telefunkengesellschaft gegen diesen deutschen Erfinder, dessen Werk bahnbrechend war ..., vorgegan-gen ist, wie sie es verstanden hat, die wertvollen Patente des Baron v. Lieben, die für die gesamte Radiotechnik heute grundlegend sind ..., an sich zu bringen." Der Fridericus mußte sich dahin belehren lassen, daß Baron v. Lieben ein aus Wien stammender Jude war.

         Wells bezeichnet die Juden als ein Volk gemischten Ursprungs. 'Die Juden", schreibt er, 'die nach mehr als zwei Menschenaltern zur Zeit des Kyros von Babylon nach Jerusalem zurückkehrten, waren nun ein ganz an-ders geartetes Volk als die kriegerischen Zurückgeblie-benen, die Bal-Anbeter im Königreich Israel und die Jehova-Anbeter im Königreiche Judäa. Babylonier und andere wurden dazu bewogen, Abraham als ihren Vater anzuerkennen und gesellten sich zu den zurückkehren-den Juden. Auch Amoriter und Mohabiter wurden An-hänger des Judentums. Das Buch Nehemia ist voll von Verzweiflung über dieses Eindringen Fremder in das auserwählte Volk. Für die Phönizier muß nach dem Fall von Tyrus und Karthago der Übertritt zum Judentum besonders leicht und anziehend gewesen sein. {62} Ihre Sprache war mit dem Hebräischen nahe verwandt. Es ist möglich, daß der größte Teil der afrikanischen und  spanischen Juden phönizischen Ursprungs ist. Es gab  auch in Arabien viele Anhänger des Judentums. In Süd-rußland gab es sogar mongolische Juden. (Chasaren -siehe z.B., Juda Halevis 'Chasari', gedichtete Dialoge zwischen j. Gelehrten und einem C.-König - 12. Jhd.)

         Anfänglich haben sich die Juden von den anderen Völkern abgeschlossen, nur um die Reinheit ihrer Lehre zu erhalten und zu festigen. Für wahre Bekenner seiner Religion hatte das Judentum lange Zeit offene Arme. Die Juden waren schon in vielen Ländern und Städten verstreut, als sie sich in jeder Beziehung von ihrer Mit-welt abschlössen."

 

         Prof. Dr. Jan Czekanowski, Gelehrter von Weltruf und Rektor der Lemberger Universität, hat kürzlich einem Journalisten ein Interview erteilt, in welchem er sich über Rassen und Rassenprobleme eingehend äußerte. Die Ausführungen des polnischen Gelehrten verdienen eine desto größere Beachtung, da sie die schon von an-derer Seite aufgestellte These bekräftigen, derzufolge osteuropäische, insbesondere aber polnische Juden einen großen Prozentsatz des sogenannten 'nordischen Blutes" haben. Es ist klar, daß diese Feststellung die national-sozialistische Theorie von der Minderwertigkeit der Ju-den nicht nur in eine Sackgasse treibt, sondern auch in höchstem Grade lächerlich macht. Die Rassentheoretiker des Dritten Reiches werden sozusagen mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

         Graf Reventlow hat sich in seinem inzwischen ver-botenen und wieder zugelassenen 'Reichswart" darüber empört, daß eifrige Rassentheoretiker seine Zugehörig-keit zur nordischen Rasse wegen seines nicht nordischen Hinterkopfes angezweifelt haben. Im Zusammenhang damit erinnert das 'Jödisk Familienblad" in Kopenhagen an eine Begebenheit aus dem Beginn der national-sozialistischen Ära im Reich. Ein Lehrer in einem deut-schen Gymnasium, der soeben das offizielle Maß für den 'nordischen Kopf" erhalten hatte, wollte dasselbe sofort in der Praxis anwenden und begann, die Köpfe {63} sämt-licher Schüler in seiner Klasse abzumessen. Das Maß paßte aber nur zu einem Kopf - und der gehörte einem Juden. Der Lehrer fragte darauf in seiner Verlegenheit den Schüler, ob er nicht vielleicht gemischten Blutes sei, worauf der Schüler antwortete: 'Nein, Herr Studienrat, ich bin reiner Nichtarier."

         Wenn man die einzelnen Arten von Juden in den ver-schiedenen Staaten der Welt vergleicht, so kommt man zu dem Schlüsse, daß sie sich erheblich voneinander unterscheiden. Der französische oder englische Jude ist kaum als solcher erkennbar. Oder wird man behaupten, daß der abessinische Jude viel Gemeinsames hat mit den übrigen Juden der Welt? Dasselbe gilt von den arabi-schen, den türkischen und den persischen Juden. Alle diese Juden sind kaum von den Völkern zu unterschei-den, in deren Mitte sie leben.

         Die Rassenzüge der heutigen Juden hat Fishberg auf Grund eines sehr großen Materials untersucht. Auch er verneint entschieden die Existenz eines einzigen, ein-heitlichen Typus. Es gibt eine große Anzahl jüdischer Typen, die überall dem Typus der Völker, unter denen die Juden wohnen, stark angenähert sind. Die Juden Deutschlands z. B. sind den übrigen Deutschen viel ähn-licher als den Juden in Rußland oder in Palästina.

Aber auch in Jerusalem sind von jüdischen Kindern bei den Aschkenasim 40 % blond und 30 % blauäugig, bei den Sephardim etwa 10 % blond, wie Schiff durch Unter-suchungen an jüdischen Kindern in Jerusalem vor dem Kriege festgestellt hat. Virchows Schulkinderuntersuchungen ergaben, daß von 75.000 jüdischen Kindern in Deutschland 32 % helles Haar und 46 % helle Augen hatten, in Österreich waren es 28 %, respektive 54%. Was die Nase anbelangt, so hat Fishberg durch Unter-suchungen an mehreren tausend Juden festgestellt, daß nur eine kleine Minorität mit sogenannten Judennasen versehen ist. Eine gerade, sogenannte griechische Nase hatten 57 % der Juden und 59 % der Jüdinnen, eine krumme Nase konnte nur bei 13 % festgestellt werden.

{64}   Daraus ist zu ersehen, wie unverläßlich populäre Vorstellungen von Rassentypen sind.  

         Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß die polnischen  Juden den von den Antisemiten erdichteten jüdischen Typus aufweisen. Es ist nur ihre Tracht und die Schlä-fenlocken (nur bei Chassidim) sowie der Bart, der ihnen dieses Aussehen verleiht. Wenn die Mehrzahl der polnischen Juden ihre Barte und die Schläfenlöckchen ablegen und die euro-päische Kleidung annehmen wollten, man würde dar-über staunen, wie 'nordisch" diese 'Semiten" aus-schauen.

         Die Landwirtschaft, die Industrie und das Gewerbe waren den Juden während des Mittelalters verschlossen. Nicht einmal der normale Handel war ihnen zugänglich. Sie konnten während des größten Teiles der Ghettozeit nur vom Verkaufe alter Kleider oder von Geldgeschäften leben. Wer sich von diesen häßlichen Beschäftigungen befreien wollte, der mußte schon ein ganzer Mann sein. Es gelang manchem Juden, sich wissenschaftlichen Be-rufen zu widmen, und es zeigt von großer Genialität, wenn es ihnen mitunter gelungen ist, die Mauern des Ghettos zu durchbrechen und hohe Stellen bei den ver-schiedenen Monarchen und Päpsten zu erreichen. Aber der allergrößte Teil der Juden war zu einem Leben im finsteren Ghetto verurteilt, wo er seinen Geist nur im Studium der hebräischen Literatur schärfen konnte.

         Das Hakenkreuz bemängelt die besondere Spitzfindig-keit und den kritischen Geist der Juden. Vergessen wir nicht, daß unser Verhalten das jüdische Gehirn bis zur Vollendung entwickelt hat. Überall gilt das Training als der Hauptfaktor bei Spitzenleistungen. Die großen Boxer, die Tennischampions, die berühmten Fußball-spieler verdanken ihre Fertigkeiten der ungeheuren Übung, der sie ihre Körper ausgesetzt haben. Ohne diese Übung kann man kein Meister werden. Natürlich muß auch angeborenes Talent vorhanden sein, damit das Training seine Wirkung ausübe. Aber ohne anstrengende, fortwährende und ununterbrochene körperliche {65} Übungen können alle diese Sportler unmöglich den Grad der Vollendung erreichen, der sie in den Stand versetzt, verblüffende Leistungen zu vollbringen.

Dasselbe gilt auch auf dem Gebiete des Geistes. Ihr Beruf nahm die Juden wenig in Anspruch. Es galt überdies wahrend der Zeit des Ghettos der Brauch, daß der Familienvater durch seine Arbeit alle Angehörigen versorgte, ja auch jahre-lang den Unterhalt der großjährigen und selbsterhaltungsfähigen Kinder bestritt. Kein Wunder, daß manche Ju-den den größten Teil der Zeit dazu benutzten, um die schwierigsten und kompliziertesten religiösen Probleme zu lösen und in Zwiegesprächen und Debatten ihren Geist zu schärfen.

Jahrhunderte grübelten sie über so manche unwichtige Probleme nach, und es mutet uns sonderbar an, wenn wir die dicken Folianten anschauen, die Zeugnis von den geistigen Kämpfen abgeben, die das jüdische Gehirn während des Ghettos zur Ent-scheidung von religiösen Streitigkeiten in Anspruch

nah-men, die uns als vollständig bedeutungslos erscheinen. Aber es wurde trainiert. Es wurde gestritten und de-battiert und vor allem, es wurde über alles nachgedacht und das Gehirn entwickelt. Und diese geistigen Eigen-schaften starben mit ihren Trägem nicht ab. Sie ver-erbten sich auf ihre Kinder.

         Als die Tore des Ghettos geöffnet wurden, haben die Menschen, die noch im kräftigen Mannesalter standen oder gar als Jünglinge die Freiheit erlangten, ihre Fer-tigkeit nicht mehr in der Lösung untergeordneter Fra-gen der Religion verpulvert, sie haben sich in viel höhe-rem Maße den freien Berufen gewidmet und ihre Geistes-schärfe zur Lösung von Problemen verwendet, die ganz andere Gebiete des menschlichen Lebens berührten.

Aber hier stießen sie schon auf den Widerstand der nichtjüdischen Konkurrenten. Es war nicht einmal ihnen der Brotneid, der die neue Judenfeindschaft auslöste, es gab Christen, die sich nicht mit dem Gedanken abfinden konnten, daß die 'minderwertigen Individuen", die ge-stern noch den Judenfleck trugen und sich nicht frei {66} bewegen durften, als gleichberechtigte Staatsbürger mit ihnen auf der Hochschule auf derselben Bank saßen, als Ärzte in demselben Spital ihre Praxis ausübten, als Anwälte in den Gerichtssälen erschienen und überhaupt im öffentlichen Leben dieselben Rechte wie die übrigen Menschen in Anspruch nahmen.

Wäre ein Wunder geschehen, das es den Juden ermöglicht hätte, ihre äußere Erscheinung und ihr inneres Gehaben, ihre Gesten, ihre Sprache, ihre Bewegungen, ihre Umgangsformen sofort vollständig ihrer Umgebung anzupassen, die Gegensätze  hätten sich nie so schroff gezeigt. Generationen aber mußten verstreichen, bevor dieser Angleichungsprozeß  vollendet werden konnte. Und in der Zwischenzeit gab es böse Subjekte, die die Phasen der Entwicklung dazu  benützten, um auf ihre jüdischen Mitbürger loszuhauen.  Schließlich konnten die Juden nicht sofort die notwen-dige Umschichtung durchführen, so daß ein Teil von ihnen ihren Unterhalt noch immer durch Schacher und Geldgeschäfte verdienen mußte.

         - Mit raffinierter Ge-schicklichkeit verstanden es die Judenfeinde, krasse Einzelfälle des Wuchers und des Betruges, die ja schließ-lich auch bei den christlichen Mitmenschen vorkamen, dazu auszunützen, um die Massen gegen das ganze Ju-dentum aufzustacheln. Die Juden waren damals so naiv zu glauben, daß ihre Befreiung aus dem Ghetto einem wahren Mitgefühle ihrer christlichen Umgebung zu verdanken war.

In Wirklichkeit hat es sich aber nur um eine logische Folge der verschiedenen Revolutionen ge-handelt, die den Juden die Menschenrechte sicherte. Aber weder das religiöse Vorurteil noch die vererbte Antipathie konnte durch die Judenemanzipation aus den Herzen ihrer Mitmenschen herausgerissen werden. So waren und blieben die Juden mit dem Makel ihres Ghettolebens behaftet. Freilich gab es auch eine erkleck-liche Anzahl von erlesenen Geistern, die die Zusammen-hänge durchschauten und mit aufrichtiger Begeisterung die Juden als gleichberechtigte Menschen anerkannten. Die Mehrheit der christlichen Intelligenz wollte aber {67} nicht die Tatsache anerkennen, die durch die rechtliche Befreiung der Juden geschaffen wurde.

 

Und so feierte der Judenhaß seine fröhliche Auferstehung auch außer-halb des Ghettos. Nicht einen einzigen Tag konnten sich die Juden ihrer Freiheit wirklich erfreuen. Immer waren sie dem Neid nichtjüdischer Konkurrenten und dem Hasse fanatischer und unwissender Massen ausgesetzt, deren Instinkte von den Antisemiten geschickt gegen die Juden aufgestachelt wurden.

        

Es fehlte den Juden der entschlossene und voraus-sehende Führer, der die erlangte Freiheit dazu benützt hätte, um die jüdischen Massen für die Gleichberechti-gung körperlich, geistig und seelisch reif zu machen, es fehlte aber auch den christlichen Massen der Wille die Berechtigung der Judenemanzipation auch gefühlsmäßig anzuerkennen. Ein großer Teil der Juden hat die Ghettomerkmale längst abgestreift. Schauen wir uns die jüdischen Kaufleute des Westens und einen großen Teil der Geschäftswelt des Ostens an. Schauen wir die jüdischen Angehörigen der freien Berufe die jüdischen Ärzte und Rechtsanwälte, die jüdischen Gelehrten und Künstler, schauen wir die jüdische Jugend in der ganzen Welt an, die ihre Zeit nicht in den ungelüfteten Räumen der Synagoge und Lehrhäuser verbringt, und wir werden erkennen, wie die Gesamtheit des jüdischen Volkes aus-sehen könnte, wenn man die richtige Erziehungsarbeit zielbewußt und mit dem Eifer durchführte, den die Sache verdient. Denn es handelt sich hier nicht um bloße Formen. Wenn man will, daß die breiten christlichen Massen die Vorurteile ablegen, so müssen wir auch den äußeren Menschen im Juden gefälliger machen.

         Es heißt, daß es nach der jüdischen Religion sogar gestattet ist, den Sabbath zu übertreten, wenn sonst Lebensgefahr für Menschen entsteht. Hier handelt es sich aber um eine permanente Lebensgefahr. Solange es Juden geben wird, die das ungesunde und unkultivierte Leben nicht aufgeben wollen, das keineswegs etwa mit der jüdischen Religion oder mit dem jüdischen {68} Nationalismus zu tun hat, sondern ein Produkt des Fanatis-mus ist, solange werden sie es den Judenfeinden ermöglichen, die jüdischen Massen als Sündenbock für die  Verbrechen anderer Menschen zu benützen. Wie schwer  hätten es die Antisemiten, wenn man die Millionen Juden die an überlebten Äußerlichkeiten festhalten, in kultivierte, äußerlich ästhetisch wirkende, selbstbewußte und mutige Menschen umwandeln könnte! Das Ghetto war eine schwere Krankheit für das jüdische Volk. Die Folgen dieser Krankheit sind noch nicht bei allen ver-wischt. Ist es nicht ein Unsinn, sie künstlich zu züchten, anstatt sich alle erdenkliche Mühe zu geben, diese Krank-heitsfolgen zu beseitigen? Kann man sich vorstellen, daß die Juden in Palästina dasselbe Leben führen wür-den wie viele Juden in Polen oder in gewissen Teilen der Ukraine oder Ungarns und der Slowakei, an deren krummen Rücken und demütiger Erscheinung man leicht erkennen kann, daß sie ein ähnliches Leben füh-ren, wie es ihren Vorfahren im Ghetto aufgezwungen wurde? In Palästina ist jede Spur der Ghettomentalität verwischt worden. Die Juden wurden dort der Land-wirtschaft zugeführt, wodurch aus den gedemütigten und scheuen Geschöpfen des Ostens wackere und brave jüdische Bauern wurden. Der Erdgeruch hat dieses Wun-der vollbracht. Ihre Kinder bieten dieselbe Erscheinung wie die Bauernsöhne und Töchter in den anderen Staa-ten der Welt. Ein gesunder jüdischer Handwerkerstand erblühte. In den Fabriken sehen wir jüdische Arbeiter, die freudig und selbstbewußt an der Warenproduktion mitwirken. Eine jüdische Jugend entstand auf dem Land und in den Städten, die das Rückgrat des Volkes in körperlicher und geistiger Beziehung bildet.

         Palästina ist auf dem besten Weg, in ein Paradies verwandelt zu werden, ausschließlich durch Juden, durch dieselben Juden, die man stets als Parasiten, als arbeitsscheu, als genußsüchtig, raffgierig, materialistisch, als bar jedes Idealismus verschrien hat.

 

Diese Juden ha-ben nun den unter den Türken und Arabern völlig {69} verkarsteten, versumpften, malariadurchseuchten palästinen-sischen Boden unter Einsatz von Leben und Gesundheit zu einem großen Teil wieder urbar gemacht.

Wo früher elende, von Menschen gemiedene Landschaft war, brei-ten sich jetzt blühende Ackerfelder aus, wo früher Scha-kale hausten, hört man jetzt den Rhythmus der Arbeitsmaschinen oder das fröhliche Singen und Plaudern jüdi-scher Arbeiterjugend. So jung die Siedlungen sind, unter-halten sie dennoch schon einen regen Handelsverkehr mit dem Ausland. Gleichwie in den alten Zeiten, wo selbst die Führer, also die Propheten, irgendein Hand-werk betrieben, ist die physische Arbeit in Palästina wieder in hohem Ansehen. Unzählige deutsche Juden, noch vor zwei Jahren Anwälte oder Studenten in Deutschland, wurden Feldarbeiter oder Maurer, jüdische Mädchen, die gewohnt waren, an ,,jours" teilzunehmen, warten jetzt Kühe oder bauen Gemüse. Andere wurden Fabrikarbeiter und -arbeiterinnen; der Feierabend ver-einigt sie aber im gemeinsamen Lesesaal. -      

 

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         Kardinal Faulhaber sagt in einer Kanzelpredigt:

         ,,Als ich vor einigen Monaten gegen den unmensch-lichen Rassenhaß auftrat, den ein Teil unserer deutschen Brüder betätigt, wollte man mich steinigen. Mein Leben war in größter Gefahr, aber ich fürchtete nicht für mich, denn was ich tue, geschieht aus reinster Überzeugung. In aller Welt werden die Juden verfolgt, aber die Verfolgungs-methoden in unserem Heimatland sind eine Schmach und eine Schande für uns. Die Geschichte lehrt uns, daß Gott die Peiniger des jüdischen Volkes immer bestraft hat. Kein Katholik war einverstanden mit den Judenverfolgungen in Deutschland. Als Gott den 30. Juni als Strafgericht für einen Teil der Judenpeiniger sandte, war die Strafe eine wohlverdiente. Katholiken! Brüder! Seht ihr denn nicht ein, daß dies eine Strafe Gottes war? Nicht mit Haß und Verfolgungen wird man die Juden ausrotten.

{70}   Das  alte und älteste Volk der Welt hat schon viel gelitten es leidet und wird immer leiden, weil es seinem großen Glauben treu geblieben ist. Wir wollen uns ein Beispiel an den Juden nehmen. Wir wollen sie ehren und schätzen, denn sie haben der Welt das herrlichste und kostbarste Geschenk, die Bibel, gegeben. Klärt eure Brüder auf, daß der Rassenhaß ein wildes und giftiges Gewächs in unserem Leben ist. Rottet das schreckliche und unmenschliche Vorurteil gegen das ewig leidende Volk aus."

 

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         Der Kopenhagener 'Verein von 1930" hat eine Kund-gebung unter dem Motto 'Antisemitismus und Kultur" veranstaltet, in welcher Abgeordnete der vier dänischen politischen Parteien sprachen: der Führer der konser-vativen Partei, Christmas Möller, der Liberale Bro, der  Radikale Rager und der Sozialdemokrat Rasmussen.

         Sämtliche vier Redner haben ihrer Verblüffung Aus-druck gegeben, daß sie als Redner zu dieser Versamm-lung eingeladen wurden, da ja Antisemitismus in Däne-mark überhaupt nicht existiere und man sich nicht den-ken könne, daß dieses Übel in Dänemark jemals Wurzel fassen könnte.

         Der Konservative Christmas Möller bemerkte, daß kein anderer als der Jude Georg Brandes der beste Vertei-diger der dänischen Nation und der glänzendste Stilist der dänischen Sprache war.

 

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         Von amtlicher französischer Seite ging kürzlich einer Presseagentur folgende Mitteilung zu:

         'Im Ausland kursieren Meldungen, denen zufolge ge-wisse in Frankreich durch Gesetzgebung oder admini-strative Verordnung getroffene Maßnahmen gegen die hier lebenden jüdischen Einwanderer gerichtet oder auf {71} antisemitische Gedankengänge zurückzuführen sein sol-len. Für eine solche Auffassung bestellt keinerlei Grund.

         Es gibt keine einzige, von den französischen Beholden getroffene Maßnahme, die gegen die Juden, seien es ein-gewanderte, fremde oder einheimische, gerichtet wäre. Antijüdische Diskriminierung gibt es in Frankreich auf keinem Gebiet." -

         Der frühere Premier und jetzige Minister Edouard Herriot übergab einem New Yorker Blatt die folgende Erklärung:

         'Die Juden haben sich ganz in das französische Volk eingefügt, sie arbeiten loyal auf allen Gebieten mit, ihre Söhne haben mit unseren Söhnen auf den Schlachtfeldern geblutet; dies nicht nur im letzten Weltkrieg, sondern auch in allen Kriegen seit der Emanzipation der Juden durch die französische Nationalversammlung von 1789. Die französische Kultur wurde durch jüdische Beiträge bereichert, wir sind den Juden für diese Beiträge dank-bar. Die Menschen und Organisationen, die durch Aufwerfen der Rassenfrage das französische Volk spalten wollen, spielen mit dem Feuer. Weil die Demokratie tolerant ist, scheint es, als ob sie Fortschritte machten. Aber wir werden einer Sabotage der demokratischen Hauptprinzipien scharf entgegentreten und es nie und nimmer zulassen, daß unsere jüdischen Mitbürger ge-peinigt werden wie in anderen Ländern.

         Wird die Reaktion von Worten zu Taten übergehen, so wird sie auf den festen Widerstand der großen radi-kalen Mehrheit des französischen Volkes stoßen, welches nicht allein mit Worten, sondern auch mit Einsetzung seines Blutes die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verteidigen wird. Die Juden bilden einen organischen Teil unserer Gesellschaft; wer sie anrührt, greift die Souveränität des französischen Volkes an. Das darf nicht sein!"

 

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Der Irländer Dr. Milner in Belfast (Nord-Irland) sagte folgendes:

         'Keine einzige Rasse der Welt ist vollkommen und ich möchte behaupten, daß auf jeden verbrecherischen Juden wenigstens zwei verbrecherische Nichtjuden im Verhältnis zur Bevölkerungszahl kommen.

         Juden sind heute unverdienterweise die Opfer wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Verbannung; die Schuld der Zivilisation den Juden gegenüber ist sehr groß und es ist übrigens eine bemerkenswerte Tatsache, daß judenlose Nationen gewöhnlich zu unter-geordneter Stellung sinken. Spanien erfuhr diese Wahr-heit und ich behaupte, daß, wenn Europa die Juden verbannte, es dies auch bedauern würde. Trotz ihrer Eigenart und der Besonderheit ihrer Sitten sind Juden stets nützliche Elemente in ihren Wahlvaterländern gewesen. Sie sind führend im Handel und durch Handel allein können die Länder bestehen.

         Kriminalstische Statistiken beweisen, daß die Juden  sich allgemein mehr dem Gesetz unterordnen als ihre christlichen Nachbarn und auf diese Weise ein gutes  Beispiel geben. Für Anhänger der Abstinenz ist die  Tatsache, daß alkoholische Zügellosigkeit selten als jüdische Gewohnheit auftritt, ein vielsagendes Merkmal.  Der höchste Typ der Juden ist kultiviert, intelligent und besitzt große Achtung vor menschlichen Werten."

 

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         T. G. Masaryk sagte in einer Rede im tschechoslowa-kischen Parlament:

         'Ich bin überzeugt, wer Jesum zu seinem Führer in der Religion hat, kann kein Antisemit sein. Das ist mir so klar, nicht, weil Jesus selbst ein Jude war, weil die Apostel Juden waren und weil das alte Christentum, speziell der Katholizismus, sehr viel Jüdisches an sich hat, nein; aber wenn ich Jesum annehme, kann ich nicht {73} Antisemit sein. Eines oder das andere, Christ oder Anti-semit!"

        

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         Als im Jahre 1789 die französische Nationalversamm-lung daran ging, über das Toleranzedikt für Judenzu beraten, da erhob sich Graf Mirabeau und rief mit don-nernder Stimme in den Saal:

         ,,Toleranz? Daß ich dieses häßliche Wort nie mehr höre! - Nicht Toleranz, sondern Brüderlichkeit, volle Brüderlichkeit ist es, die ich fordere!"

 

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In Belgrad starb kürzlich der bedeutende jüdische Maler Leon Cohen. An seinem Grabe hielt der serbische Dichter und Philosoph, der Christ Dusun Nikolajevic, eine Rede, in welcher er u. a. sagte:               

         ' ... wenn heute ein Volk von so hohem Wert wieder in so schwere und sinnlose Bedrängnis geraten ist, ist es unerläßlich, zu sagen, daß Leon Cohen den glänzendsten Beweis erbracht hat, daß dieses Volk sämtliche Quali-fikationen besitzt, um würdevoll in die menschliche Ge-sellschaft eingereiht zu werden. Ein Volk, das solche Menschen aufweist, wie Leon Cohen, darf nicht unge-rechterweise verfolgt werden. Und ich bin meinem Schicksal dankbar, daß es mir die Gelegenheit gegeben hat, gerade am Grabe eines Juden, meines unvergeßlichen Freundes, die Brutalität, welche die Welt in mittel-alterliche Finsternis zurückwerfen will, zu brandmarken.

         Dieser Schmähung muß ich mich schon darum mit meinem flammendsten Aufschrei entgegenstellen, weil Leon Cohen ein gebürtiger Belgrader war und unsere gemeinsame Scholle in ihrem heiligsten Prinzip, der Glaubensfreiheit, aufs tiefste verletzt wird.

         Und, ohne das Heiligtum und die Grabesruhe stören zu wollen, möge unser leidenschaftlicher Protest, möge {74} Revolte gegen die empörende Verfolgung des jüdischen Volkes in dem Nachruf gipfeln: ,Ewig sei dein Ruhm! Dank dem Juden und serbischen Maler Leon Cohen!'

 

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         Die Theoretiker des Nationalsozialismus versuchen oft die Geistesgrößen des früheren Deutschland als Wegbereiter Hitlers darzustellen. Daß ihnen das nicht gelingen kann, ist offenbar: Das Volk der Dichter und Denker hatte bevor Hitler mit seiner Lehre das deutsche Volk  'erlöste", ganz andere Ansichten als jene, die den heuti-gen Machthabern des Dritten Reiches eigen sind. Daß zwischen dem universalistischen, menschheitshebenden Genie eines Goethe oder Lessing und der heutigen

deut-lichen Geistesunkultur ein Abgrund klafft, ist offensichtlich. Diese Titanen des deutschen Geistes versuchen die Nationalsozialsten selten für sich zu reklamieren, denn  sie wissen von vornherein, daß es völlig zwecklos wäre.

Aber auf einen haben sie es abgesehen, in dem sie un-bedingt einen Vorkämpfer des Nationalsozialismus se-hen wollen: Friedrich Nietzsche. War er es wirklich? Als seinerzeit der Herausgeber der antisemitischen Zeit-schrift 'Der Hammer", Theodor Fritsch, Nietzsche un-bedingt von der Richtigkeit der Rassentheorie und der Berechtigung des Antisemitismus überzeugen wollte und ihn ununterbrochen brieflich in dieser Richtung zu be-einflussen suchte, wurde es eines Tages Nietzsche zu bunt und er antwortete dem Rassenmissionär folgendes (ich zitiere aus den zwei Briefen von Nietzsche, die im 'Neuen Tagbuch" publiziert wurden):

 

'Nizza, 23. III. 1887.

         'Die Juden sind mir, objektiv geredet, interessanter als die Deutschen; ihre Geschichte gibt grundsätzlich Pro-bleme auf. Ich gestehe übrigens, daß ich mich dem jetzigen 'deutschen Geist' zu fremd fühle, um seinen ein-zelnen Idiosynkrasien ohne viel Ungeduld zusehen zu {75} können. Zu diesen rechne ich die Sonderheit des Anti-semitismus. Oh, wenn Sie wüßten, was ich im vorigen Frühling über die Bücher jenes ebenso gespreizten, wie sentimentalen Querkopfes, der Paul Lagarde heißt, ge-lacht habe."

(LAGARDE, Paul Anton de (bis 1854 Paul Bötticher), Orientalist, 2.11. 1827-22.12. 1891., Daß er, wie seine 'Deutschen Schriften' belegen, im Judentum ein Hindernis für die Einigung der deutschen Nation sah, machte sich der Nationalsozialismus ideologisch zunutze. ldn-knigi)

 

'Nizza, 29. IV. 1887.

         ... Doch ich bitte darum, mich fürderhin nicht mehr mit diesen Einsendungen zu bedenken: ich fürchte zu-letzt für meine Geduld. Glauben Sie mir: dieses abscheuliche Mitredenwollen naiver Dilettanten über den Wert von Menschen und Rassen, diese Unterwerfung unter 'Autoritäten', welche von jedem besonnenen Geist mit kalter Verachtung abgelehnt werden, diese beständigen, absurden Fälschungen und Zurechtmachungen der Be-griffe ,germanisch', 'semitisch', 'arisch' - das alles könnte mich auf die Dauer ernsthaft erzürnen und aus dem ironischen Wohlwollen herausbringen, mit dem ich bis-her den tugendhaften Pharisäismen der jetzigen Deut-schen zugesehen habe ... Und zuletzt, was glauben Sie, daß ich empfinde, wenn der Name Zarathustra von Anti-semiten in den Mund genommen wird?"

 

         In seinem Werk 'Zur Genealogie der Moral" sagt Nietzsche u. a.:

         'Wieviel Verlogenheit und Sumpf gehört dazu, um im heutigen Mischmasch Europa die Rassenfrage aufzuwer-fen (gesetzt nämlich, daß man nicht seine Herkunft in Borneo und Horneo hat).

Maxime: Mit keinem Menschen umgehen, der an dem verwegenen Rassenschwindel Anteil hat."

         In der 'Fröhlichen Wissenschaft" sagt Nietzsche:

         'Europa ist gerade in Hinsicht auf  Logisierung, auf reinliche Kopfgewohnheiten den Juden nicht wenig Dank schuldig... Die Juden haben im modernen Europa an die supremste Form der Geistigkeit gestreift."

 

         Nein, Friedrich Nietzsche würde sich nie mit Adolf Hitlers 'Mein Kampf" einverstanden erklären. Das Nietzscheanische Reich der Übermenschen ist ein Reich der Geisteskultur, die immer höher schreitet und Menschen {76} faßt bei denen sich bedrängte Geister Rat holen können.

         Ein Mensch, der einen anderen 'Untermensch" schimpft und  selbst ein Produkt der Barbarei ist, ist bestimmt kein Obermensch im Sinne des Dichters des 'Zarathustra". Nietzsches Ideal war übrigens der 'gute Europäer" und in jeder rassischen oder nationalen Über-heblichkeit sah er den verpönten 'Hornviehnationalismus". Gegen Gewalt und Tyrannei hegte er einen starken, instinktiven Haß.

 

         Die heutigen Machthaber Deutschlands müssen schon, ob sie wollen oder nicht, auf die Heroen des deutschen  Geistes verzichten. Und es wird bestimmt eine Zeit kommen, in der Deutschland lieber auf den blutbefleckten  Stiefel des verhetzten und es jetzt knechtenden SA.-Mannes als auf seine wirklichen Heroen verzichten wird.

 

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         Die Nachrichtenagentur 'Central News" verbreitete im August 1933 eine römische Meldung, der zufolge der Papst unter dem Eindruck der Nachrichten über die fort-gesetzten Judenverfolgungen in Deutschland sich abfällig über die antisemitische Bewegung geäußert hätte.

         Papst Pius XI. erklärte, die Judenverfolgungen seien ein Armutszeugnis für die Zivilisation eines großen Vol-kes. Er erinnert daran, daß Jesus Christus, die Mutter Gottes und ihre Familie, die Apostel und viele Heilige jüdischer Abstammung waren und daß die Bibel eine Schöpfung der Juden sei. Die arischen Völker hätten, sagte der Papst, keinen Anspruch auf Überlegenheit über die Semiten.

        

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         Die große dänische Dichterin und Menschenfreundin, Vorkämpferin für Frauenrecht und Humanität, Karin Michaelis - die gerade in Deutschland in stärkstem Maße anerkannt und verehrt wird - nimmt in folgenden {77} Ausführungen, die einem Brief entnommen sind, zu der Lage der deutschen Juden Stellung.

         '... Ja, diese Judenfrage hat mich viele schlaflose Nächte gekostet und noch immer sehe ich keinen Aus-weg. Es kommt mir so unwahrscheinlich und so un-menschlich vor, daß so etwas in unseren Zeiten möglich ist. Für mich besonders, weil ich seit meiner Kindheit und frühen Jugend meine liebsten Freunde unter den Juden - wie auch heute noch - hatte. Wir hier in Dänemark kennen Gott sei Dank keine Judentrage. Wir haben eine zu hohe Kultur, welche so etwas nie und nimmer erlauben würde. Zu mir kommen verschiedene jüdische Familien, die Stellung, Geld und alles in Deutschland verloren haben. Sie bringen ihre kleinen, entzückenden Kinder mit. Immer muß ich dann denken:

         Sollten nicht allein diese Kinder genügen, um jeder Ver-folgung Halt zu machen! Die Eltern sind blaß, ihre Hände zittern und die Augen sind wie Brunnen mit Trauer gefüllt. Und man kann nichts machen, außer einigen wenigen Dach zu geben. Sie kommen mir vor wie früher die Aussätzigen. Unschuldig sind sie und in die Verbannung werden sie getrieben! Was hilft es, daß man ihnen erlaubt, ins Ausland zu gehen, wenn das Ausland ihnen jede Arbeit verweigert? Sind wir Men-schen denn nicht alle Bruder? Oder glaubt man  wirklich in Deutschland, wo man ja fromm und gottgläubig ist, daß gerade der große, allmächtige Gott so ungerecht gewesen ist, Menschen zur Welt kommen zu lassen, ohne ihnen einen Platz auf dem Erdboden zu gönnen und das Recht, unter anderen Menschen zu leben? Warum öffnet sich nicht der Himmel, damit Deutschlands Männer und Frauen endlich einmal die göttliche Stimme hören und begreifen, wie sie sich irren!

         Wie kann man kleinen, nationalsozialistischen Kindern beibringen, daß sie gute und anständige Lebewesen sein sollen, daß sie weder Blumen noch Tieren etwas zu Leide tun dürfen, wenn man zur gleichen Zeit eine Menschengruppe aus der Volksgemeinschaft ausstößt?

{78} Oh, diese kleinen jüdischen Kinder! Sie staunen ihre Eltern an: Was habt ihr denn getan? Was ist denn mit uns los? - Die Behandlung der Juden erscheint mir den arischen Kindern gegenüber genau so furchtbar wie den Judenkindern. Denn die deutschen Arierkinder nehmen Schaden an ihrer Seele und dieser Schaden ist nie wieder gutzumachen!

         Sonderbar rührend und ergreifend ist es, daß ich bis heute bei keinem geflüchteten Juden jenen heiligen Zorn beobachtet habe, der so selbstverständlich wäre. Ein Achselzucken, das ist alles. Und noch heute lieben diese Ausgestoßenen ihren deutschen Heimatboden, dort, wo ihre Väter und Vatersväter gelebt haben, wo sie begra-ben hegen.

         Aber eben diese Schicksalsergebenheit macht es für uns Zuschauer noch furchtbarer, noch unverständlicher. Habe ich nicht erlebt, wie die jüdischen Ärzte ihre letzte Kraft hergegeben und sich in den Tod hineingearbeitet haben, um den Verwundeten zu helfen? Habe ich nicht gesehen, wie jüdische Frauen, welche Mann und Kind für das Vaterland hergegeben haben und alles verloren, doch ruhig und würdig als Krankenpflegerinnen ihren Platz eingenommen haben! Ohne Klage, ohne Getue. Ich, eben ich trauere so bitter, weil ich die jüdische Rasse so kenne, so liebe und so verehre.

         Was soll ich noch mehr sagen? Bei allen Völkern wurde immer die Gastfreundschaft hochgehalten. Dazu brauchte man keine Kultur, kein Wissen, keinen Glau-ben. Wo findet man heute die Gastfreundschaft, die sagt:

         Mein Heim ist dein Heim!? Nur wenn es so wäre, könnte man sich ruhig hinlegen und schlafen."

 

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         Im Jahre 1928 ist im Leopold-Klotz-Verlag (Gotha) das große wissenschaftliche Monumentalwerk des Stuttgarter Stadtpfarrers Eduard Lamparter unter dem Titel 'Das {79} Judentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Erscheinung" erschienen.

         Dieses großartige Werk, dessen Verfasser 'von dem Drang, etwas zur Sühne des an dem Judentum seit sieben Jahrhunderten auf deutschen Boden begangenen Un-rechts beizutragen, geleitet gewesen ist", tritt mit bloßen Tatsachen, mit den einfachen, klaren Feststellungen der Wissenschaft bewaffnet, den phantastischen Lügen und der wilden Gehässigkeit der Rassentheorie entgegen. Der Verfasser, ein Diener Gottes, ist auch ein treuer Diener der Wahrheit zugleich. Der Welt des Hasses, der Welt der bösesten Leidenschaften und Instinkte ruft er zu: 'Die Wahrheit ist der größte Feind des Antisemitismus!"

         Ich übergebe der Öffentlichkeit eine Auswahl von den Ergebnissen seines Buches. Er schreibt:

         'Die deutschen Juden sind seit mehr als tausend Jah-ren auf deutschem Boden beheimatet. Eine enge Schick-salsgemeinschaft verknüpft uns mit ihnen, sie haben im laufe von Jahrhunderten Freude und Leid, Glück und Unglück mit dem deutschen Volk geteilt. Haben wir da ein Recht, sie als fremde, verderbte Rasse zu meiden und zu befehden und uns als germanische Edelrasse, die ihr Blut rein und unvermischt bewahrt habe, gegen sie ab-zusperren? (S. 21.)

         Jeder Versuch, die Juden auf Grund ihrer Rassen-zugehörigkeit oder ihres Ursprungs mit einem Makel zu behaften, schlägt fehl. Sie sind Stammverwandte von Völkern, die teils vor ihnen, teils nach ihnen die Schöpfer altsemitischer Kulturen geworden sind, während das nördliche Europa noch im Chaos der Unkultur befangen war (S. 23).

         Wir können nicht zugeben, daß die Religionsverschiedenheit irgendwelchen nachteiligen oder störenden Ein-fluß auf unser Verhalten gegenüber unseren jüdischen Volksgenossen ausüben dürfte. Wahre Religion hat nie etwas Trennendes, sondern immer etwas Verbindendes. Niemals dürfen Härte, Lieblosigkeit, Verachtung gegen {80} dn Mitmenschen in den Deckmantel der Religion sich hüllen (S. 48).

         Heutzutage erscheint es uns als ein finsterer Wahn, daß im Mittelalter die Juden beschuldigt wurden, auf frevlerische Weise durch Vergiftung der Brunnen die Pest verbreitet zu haben.

So wird einmal auch die Zeit  kommen, da man in Deutschland mit tiefer Beschämung  sich daran erinnern wird, daß einmal die Behauptung,  die Juden haben das Unglück des Weltkrieges über Deutschland gebracht, auf gläubige Ohren gestoßen sei. Solange der Krieg für Deutschland einen günstigen oder glänzenden Ausgang zu nehmen schien, jubelten die na-tionalistischen Alldeutschen über ihn als ihren Krieg; nun Deutschlands Macht und Herrlichkeit in ihm zer-schlagen wurde, suchen sie jede Schuld von sich abzu-wälzen, und weil sie wissen, wie leicht die Massen auf antisemitische Schlagworte und Hetze hereinfallen, muß der Jude wieder einmal als Sündenbock dienen, der in die Wüste geschickt wird (S. 209).

         Sollten nicht alle, die Christen, das heißt Jünger dessen sein wollen, welcher der Menschheit das königliche Ge-bot der Liebe hinterlassen hat, zugestehen, daß jede Feindschaft, jeder Haß gegen das Judentum, das heißt gegen Menschen, deren Namen der Stifter ihrer Religion getragen hat, eine Sünde gegen dessen Geist und Gebot ist? Die Juden sind weder Feinde unseres Staates und Volkes, noch unserer Religion und Kirche. Sie haben mitgearbeitet, mitgekämpft und mitgeblutet für Deutsch-lands Größe, Rettung und Zukunft, sie haben einen an-deren Glauben als wir, aber unser Glauben ist aus den ihrigen hervorgegangen, wie die Blüte und Frucht aus den Samen. In einer Zeit, da die Vorfahren der heutigen blonden Edelinge oder frommen deutschen Christen kaum die untersten Stufen menschlicher Gesittung über-schritten hatten, haben die Israelstämme eine Religions-urkunde und ein Kulturdenkmal geschaffen, welche die Grundlagen jedes geistigen Gottesglaubens und jeder höheren Sittlichkeit bilden (S. 214).

{81}   Die christliche Nächstenliebe muß jedes eingefleischte, auch das religiös verbrämte Vorurteil überwinden. Ge-steht es nur, ihr Christen, daß euer Vorurteil gegen die Juden stärker ist als eure Wahrheits- und Nächstenliebe und daß ihr euch in eurem Verhalten ihnen gegenüber mehr von jenem als von dieser leiten lasset! Also mehr Mitgefühl, mehr Bekennen der Wahrheit, mehr Selbst-erkenntnis und Gerechtigkeitssinn, mehr Ernstnehmen mit dem vornehmsten Gebot des Christentums verlangen wir von der christlichen Gesellschaft, damit endlich altes, schweres Unrecht gesühnt, der alte, finstere Bann gebrochen und das deutsche Volk von der Sünde und Schande des Judenhasses befreit werde (S. 216).

        

Unsere jüdischen Mitbürger haben den redlichen Wil-len, in edlem Wettstreit mit ihren christlichen Volks-genossen zum Wohl des Ganzen ihre Tüchtigkeit und ihre Gaben zu betätigen. Erschweren wir ihnen dies nicht durch Geringschätzung, Gehässigkeit und falsche Beschuldigungen:

Wer aus der Geschichte das Wesen des Judentums zu deuten vermag, vor dessen Geist steht es als eine kultur- und religionsgeschichtliche Erschei-nung, die mit Ehrfurcht erfüllt" (S. 340).

        

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         In dem Abschnitt 'Die Sendung Moses" (Prosaische Schriften, 2. Periode) schreibt der große nationale deut-sche Dichter Friedrich Schiller über das Judentum:

         'Die Gründung des jüdischen Staates durch Moses ist eine der denkwürdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte aufbewahrt hat: Wichtig durch die Stärke des Verstandes, wodurch sie ins Werk gerichtet worden, wichtiger noch durch ihre Folgen auf die Welt, die noch bis auf diesen Augenblick fortdauern. Zwei Religionen, welche den größten Teil der bewohnten Erde beherr-schen, das Christentum und der Islamismus, stützen sich beide auf die Religion der Hebräer und ohne diese würde {82} es  niemals ein Christentum noch einen Koran gegeben haben.

         Ja in einem gewissen Sinn ist es unwiderleglich wahr, daß wir der mosaischen Religion einen großen Teil der Aufklärung danken, deren wir uns heutigen Tages -freuen denn durch sie wurde eine kostbare Wahrheit, reiche die sich selbst überlassene Vernunft eist nach einer langsamen Entwicklung gefunden haben würde, die Lehre von dem einzigen Gott, vorläufig nur unter dem Volk verbreitet und als ein Gegenstand des blinden Glaubens so lange unter demselben erhalten, bis sie endlich unter den helleren Köpfen zu einem Vernunftbegriff reifen konnte.

         Dadurch wurde einem großen Teil des Menschengeschlechtes die traurigen Irrwege erspart, worauf der Glaube an Vielgötterei zuletzt führen muß, und die hebräische Verfassung erfüllt den ausschließlichen Vorzug,  daß die Religion der Weisen mit der Volksreligion nicht  in direktem Widerspruch stand, wie es doch bei den aufgeklärten Heiden der Fall war. Aus diesem Standpunkt  betrachtet, muß uns die Religion der Hebräer als ein wichtiges, universalhistorisches Volk erscheinen und alles Böse, welches man diesem Volke nachzusagen ge-wohnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu ver-kleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen das-selbe zu sein!"

 

         Der berühmte Wilnaer Universitätsprofessor Marjan Zdziechowski äußerte sich vor dem Forum der dortigen katholischen Studentenorganisation folgendermaßen über die Judenfrage:

         'Ich habe immer jene Entartung der Vaterlandsliebe, die man Nationalismus nennt, verurteilt. Ich habe die Jugend aufgerufen, die einzige Politik zu treiben, die in den Mauern der Universität herrschen darf: die Politik der gegenseitigen Güte und der Toleranz. Die polnische {83} Hochschuljugend muß so handeln, daß der Namen Polens nicht befleckt werde und daß er nicht abstoßend, sondern anziehend wirke.

 

Anziehen kann man aber immer nur mit Größe und nie mit Kleinheit der Seele. Ich denke an die antisemitischen Exzesse, die auch unsere Hoch-schulen geschändet haben. Und wenn ich dagegen auf-trete, so spreche ich im Namen des einfachen gesell-schaftlichen Taktes und der sittlichen Anständigkeit, die doch für jeden Menschen verpflichtend sind.

Ich spreche vom Standpunkt jenes edelsten Humanitätsgedankens, der für die großen deutschen Männer Herder und Lessing, Goethe und Schiller der Inbegriff der reinen Menschlichkeit war. Ich kann darüber nicht weiter spre-chen, denn ich müßte rot vor Scham werden."

 

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         Auch Deutschlands Dichterfürst Goethe mußte darin glauben. Die Hakenkreuzler wissen: Die Aussprüche die-ses überragenden Menschen gelten vielen Deutschen als Heiligtümer, darum muß auch Goethe wenigstens ein einziges Mal herhalten. Aber wie? Man zitiert in anti-semitischen Hetzreden ganz einfach eine Stelle aus dem Goetheschen Schwank 'Das Jahrmarktfest zu Plundersweilern", in welchem folgendes vorkommt:

        

                  'Der Jude hebt das Geld und fürchtet die Gefahr,

                  Er weiß mit leichter Müh' und ohne viel zu wagen,

                  Durch Handel und durch Zins Geld aus dem Landzutragen ..."

 

         Wie freut sich der Antisemit, der diese Stelle gefunden hat; er verschweigt seinen Lesern oder Zuhörern ganz einfach, daß Goethe diese Worte in seinem Schwank dem Judenfeind Haman in den Mund legt und darauf den König folgendermaßen antworten läßt:

                 

                  'Ich weiß das nur zu gut, mein Freund, ich bin nicht blind;

                  Doch das tun andere mehr, die unbeschnitten sind!"

 

{84}   Ja diese Worte, die Goethes wahre Meinung enthüllen, von denen wollen die Judenfresser natürlich nichts wissen und die verschweigen sie mit Absicht, um dem erhabenen Geist Goethes die Schmach anzutun, daß sie Ihn zu den kleinlichen Verblendeten zählen, die dem Gift des Antisemitismus verfallen sind.

         In Wirklichkeit ist es selbstverständlich, daß ein so Vorurteilsfreier Mensch wie Goethe nur zu gut erkannte, daß unter den Juden Vorzüge und Fehler verteilt sind, wie in jeder anderen menschlichen Gemeinschaft und daß er volles Verständnis für die guten Eigenschaften der Juden zeigte.

         Dem Bankier Lemmel aus Prag gegenüber äußerte er sich, daß er die Juden nicht nur nicht hasse, sondern daß er Achtung und Bewunderung für das bibelschöpferische Volk der Juden empfinde, die so viele geistbegabte, feinfühlige Männer hervorgebracht habe. In 'Wilhelm Meisters Wanderjahren" rühmt Goethe die Selbständigkeit  und Tapferkeit, Festigkeit und Zähigkeit der Juden.

         Goethe hat sehr viel mit Juden verkehrt. Er unterhielt mit dem Philosophen Herz, dem Musiker Meyerbeer, dem Berliner Sammler Friedländer, dem Prager Bankier Lemmel die freundschaftlichsten Beziehungen, er hat mit Marianne Meyer, verehelichte von Eybenberg und ihrer Schwester Sarah Freundschaft gepflegt und die tiefe Leidenschaft, mit der Rahel Levin, verehelichte Varnhagen, an ihm und seinem Werke hing, aufs dankbarste empfunden und anerkannt. Eduard Simson, Munk, Edu-ard Gans sind bei ihm gewesen; den Maler Oppenheim, den Dichter Michael Beer hat er gefördert, ohne daß ihr Judentum jemals auch nur mit dem Schatten eines Bedenkens sein Bewußtsein gestreift hätte.

         Erst neuerdings hat ein Forscher, Raimund Eberhard, nachdrücklich auf Goethes Beziehungen zum Alten Te-stament hingewiesen; er hat Zeit seines Lebens von frühester Jugend bis zum spätesten Alter dem Alten Te-stament sein Interesse zugewandt.

         Goethe, der ein wenig Hebräisch kannte, trieb - vom {85} Standpunkt der damaligen Wissenschaft aus - alttesta-mentarische Studien, die er in seiner Jugendschrift 'Was stand auf den Tafeln des Bundes?" und in seiner späteren Abhandlung 'Israel in der Wüste" niedergelegt hat. Dem Eingang des Buches 'Hiob" ist der Prolog des Goetheschen 'Faust" nachgedichtet, wie denn dieses Lebenswerk Goethes auch sonst noch eine Fülle von Anspielungen auf Hiob enthält.

         In der Johannesburger Zeitung 'The Star" erschien folgender Bericht:

         'Der Bischof von Johannesburg (Südafrika) Rev. A. B. L. Karney hielt am 26. September 1934 im dortigen Rotaryklub eine Rede, in der er unter anderem aus-führte:

         'Die Deutschen machen denselben großen Fehler, den seinerzeit die Spanier gemacht haben. Die besten Wissen-schaftler, die besten Industriellen, die hervorragendsten Köpfe überhaupt verlassen jetzt das Land. Die Berichte aus Deutschland sind nicht übertrieben, sondern eher beschönigt. Seit jeher sind die Juden verfolgt worden, aber es gibt keine Nation, die die Juden verfolgt hätte, ohne selbst darunter zu leiden. Spanien hat sich bis heute noch nicht erholt, und die Deutschen machen jetzt den-selben Fehler.

         Ich würde sehr betrübt sein, wenn der Antisemitismus sich in unserem Lande ausbreiten würde. Es sollte den Juden Gelegenheit gegeben werden, ihre bewunderungs-würdigen Gaben als Mitbürger unseres Landes zu ent-falten. In England haben die Juden großen Anteil ge-nommen an der Entwicklung des Staates. Südafrika ist noch ein junges Land, und die Juden hatten noch keine Gelegenheit, ihre Tugenden und Pflichten als Bürger zu entfalten.

         Die Juden sind die fähigste Nation der Welt und wir wünschen ihre Fähigkeit zum Wohle des Staates zu {86} nützen aber nicht durch Gewalt, nicht durch Antisemitis-mus und die Rotarier würden dem Staat einen großen Dienst erweisen, wenn sie den Juden beistehen würden und die Juden in den Grundsätzen der Rotarier unterweisen würden.'

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         Der britische Außenminister, Sir John Simon, ersuchte brieflich eine Telegraphenagentur, die irrige Annahme, daß er Jude sei, richtigzustellen: 'Ich bin kein Jude und habe nicht einen Tropfen jüdischen Blutes in meinen Adern" - schreibt er.

         'Ich zögere um so weniger, die Presse um diese Rich-tigstellung zu ersuchen", schließt Sir John Simon, 'als meine Frau und ich unser ganzes Leben lang die schärfsten Gegner des Antisemitismus waren und einer alten und ehrwürdigen Rasse, der keiner von uns angehört, nur Gutes wünschen."

         Kürzlich hatte Sir John Simon auch in einem anderen Schreiben den gleichen Gedankengang zum Ausdruck gebracht. Es hieß dort u. a.:

         'Der einzige Grund, warum ich bisher nie versuchte, öffentlich das Gerücht von meiner jüdischen Abstam-mung abzulehnen, ist, daß ich glaube, die gleiche Torheit oder Böswilligkeit, die meine jüdische Abstammung be-hauptet, könnte versuchen, ein Dementi als Sympathie mit dem Antisemitismus auszulegen, einer Geisteshaltung, die ich aufs schärfste verurteile. Unter meinen Freunden sind einige englische Juden, deren britische Einstellung und patriotische Verdienste ihre Kritiker beschämen soll-ten und ich möchte nicht um die Welt ihre Gefühle ver-letzen."

 

        

 

In dem 'Jugend-Kirchenblatt" von Boston ist folgendes zu lesen:

         'Wie hochgeachtet heute die katholische Kirche in Amerika dasteht, ergibt sich aus der Festfeier am 9. Juni {87} zu Ehren des Kardinals O'Connel von Boston. An der Dankmesse im Fenway-Park nahm auch der Sohn des Präsidenten, James Roosevelt, teil. Nachher dankte der Kardinal ihm, den behördlichen Vertretern und der Riesenmenge. Er sagte, die gewaltige Menge sei nicht bloß versammelt, um ihn zu ehren, sondern im Dienste einer großen Idee, nämlich der Einheit der Herzen in der Liebe zu Gott und zu Amerika. Der Kardinal schloß:

         'Es sind hier unter meinen zahlreichen Freunden auch Juden und ich bin froh, daß sie hier sind. Wir dürfen ja nie die wunderbare Geschichte dieser Rasse vergessen: während im Umkreise die Völker Götzen und Statuen anbeten, blieben sie hoch im Glauben an den wahren Gott. Und sie wurden mit der einzigartigen Aufgabe betraut, der Welt den großen Erlöser zu geben, den Herrn Jesus Christ."

 

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