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Zum Thema  'jüdische  Soldaten'

Auszug aus dem Buch auf unserer Webseite:

 

 

'SEIN KAMPF"

 

ANTWORT AN HITLER

 

VON

 

IRENE HARAND

 

WIEN 1935

 

5. bis 10. Tausend.

 

 

Im Selbstverlag der Verfasserin Irene Harand.

Wien, l., Elisabethstrasse 20

Herausgeberin der 'Gerechtigkeit".

Druck: 'Elbemühl", Wien. IX.

 

 

 

 

'...Ich werde das Verhalten der Juden während des Weltkrieges besprechen, wie es aus dem gründlichen Werke des Regierungsrates Dr. J. Kreppel, 'Juden und Ju-dentum von heute" (Amalthea-Verlag, Wien), hervorgeht. Über das Verhalten der Juden während des Weltkrieges haben wir uns bis jetzt nur durch die Judenfeinde und die antisemitischen Zeitungen und Bücher informieren lassen. Die Wahrheit sieht allerdings ganz anders aus. Gewiß gab es auch jüdische Drückeberger, aber verhält-nismäßig nicht mehr als bei den anderen Menschen-gruppen. Glücklicherweise besitzt man verläßliche Daten über das Verhalten der Juden an allen Fronten, wie die nachstehenden Ausführungen zeigen werden.

Die englischen Juden haben während des Weltkrieges die höchsten Beweise ihres Patriotismus geliefert. Als Soldaten an der Front, als Bürger unter der Kriegswirtschaft, {166} als Zeichner der Kriegsanleihe und auf jedem Ge-biete leisteten sie das Höchstmögliche und erwarben sich höchste Verdienste um das englische Vaterland. Die Daten und Tatsachen über die Arbeit der englischen Juden im Kriege sprechen Bände. Die Zahl der englischen Juden im aktiven Dienst bei Kriegsausbruch war verhältnismäßig gering (50 in der Marine, 400 Offiziere und Soldaten in der Armee und 600 in der Reserve). Von allen Teilen der Welt aber kamen die Juden aller Stände, um freiwillig für die Sache Englands zu kämpfen.

Noch bevor es notwendig wurde, die allgemeine Wehrpflicht in England einzuführen, gab es dort schon 10.000 Juden im Kriegsdienste. Der Prozentsatz der freiwillig sich meldenden Juden war ein sehr hoher. So meldeten sich zum Beispiel in Australien von der jüdischen Gesamtbevölkerung von 19.000 tausendachthundert freiwillige, von denen 250 gefallen sind. Von den in England geborenen Juden dienten ungefähr 90% der tauglichen jungen Männer freiwillig.

Ein schlagendes Beispiel für die unter den Juden herrschende Begeisterung war die Jüdische Brigade, welche Jünglinge mosaischen Glaubens militärisch ausbildete. Diese Brigade  stellte 80 Offiziere für den Felddienst. Nicht unerwähnt darf auch die von Juden ausgeübte Tätigkeit für die Verwundeten und Kranken bleiben. Neben der großen Anzahl von Ärzten und Pflegerinnen wurde ein Spital organisiert, dessen Personal ausschließlich aus jüdischen Damen und Herren bestanden.

 

Lady Samuel, die Frau des jüdischen englischen Innenministers, stellte ihren Landsitz als Spital zur Verfügung und Mister Howard widmete ein Rekonvaleszentenheim bei Brighton. Mit einem der ersten zugrunde gegangenen Schiffe ertrank William Stern, und Leutnant Henry Quez war der erste jüdische Offizier, der in der Schlacht an der Aisne im September 1914 sein Leben dahingab und an der Spitze langen Verlustliste steht, die Zeugnis gibt von der ruhmvollen Art, in der die Juden Englands und des britischen Reiches ihre Pflicht erfüllten. {167} Die Gesamtzahl der aktiv am Krieg teilnehmenden britischen Juden ließ sich schwer feststellen. In Belgien und Frankreich fielen 1800 Juden. Es gab kaum ein Re-giment, das nicht Juden enthalten hätte, desgleichen fanden sich in der Marine und in den Luftstreitkräften Juden.

 

Die Gesamtzahl der bekannten jüdischen Opfer be-trägt rund 8700, davon entfallen auf an der Front ge-fallene Offiziere 316 und Unteroffiziere sowie Mann-schaften 2000, der Rest betrifft Verwundete und Ver-mißte.

Die Juden wurden auch vielfach ausgezeichnet. Als Beispiel für die jüdischen Heldentaten diene die glän-zende Leistung des mit dem 'Viktoria-Kreuz" ausge-zeichneten Kapitäns Robert Gu. Er erhielt seine Aus-zeichnung für hervorragende Tapferkeit, Initiative und Entschlossenheit.

 

Nach einem übermächtigen feindlichen Angriff am 30. November 1917, wobei der Feind das Hauptquartier und das Munitionsdepot einer Brigade erobert hatte, tötete Kapitän Gu, der gefangen worden war, einen Feind mit der Eisenspitze seines Stockes, und es gelang ihm, zu entkommen. Er organisierte sodann eine aus dem Brigadestab gebildete Truppe, an deren Spitze er den Feind heftig angriff, und konnte durch seine große persönliche Tapferkeit und sein rasches Handeln den Ort von Feinden säubern. Er organisierte sodann eine Verteidigungsfront am Rande des Dorfes, und als ein feindliches Maschinengewehr noch in Tätig-keit war, stürmte er, in jeder Hand einen Revolver, ge-folgt von einem Soldaten den feindlichen Posten und er-oberte das Maschinengewehr. Er wurde dabei verwun-det, weigerte sich aber, seine Wunde verbinden zu las-sen, ehe er sich nicht überzeugt hatte, daß die Abwehr-organisation eingerichtet war.

Die Liste der Tapferen ist ziemlich lang, und die briti-schen Juden hatten ihren vollen Anteil an allen Opera-tionen zu Land und zur See in allen Teilen der Erd-kugel. Juden haben auf jeder Art von Schiffen auf und {168} unter See gedient, verschiedene jüdische Offiziere nahmen an den berühmten Kämpfen von Zeebrügge und Ostende teil, und jüdische Matrosen befanden sich an Bord des Kreuzers 'Sydney", der die 'Emden" vernichtete. Beim Angriff auf Deutsch-Südwestafrika hatte General Botha eine stattliche Anzahl von Juden aus Kapstadt (Natal Transval) unter seinem Befehl, welche auch später mit der südafrikanischen Brigade nach Europa kamen.

Sir John Monasch kommandierte die australischen Truppen an der Westfront und führte sie von Sieg zu Sieg. Ein zweiter jüdischer Offizier, der es bis zum General brachte, war H. J. Seligmann, der aktiver Artillerie-Offizier war und den ganzen Krieg vom Anfang bis  Ende mitmachte. Alle drei Söhne Leopold Rothschilds waren im Felde. Major Evelin Rothschild fiel in Palästina und Kapitän Antoni Rothschild wurde bei Galipoli verwundet. Auch die Luftkämpfe haben viele unternehmende und tapfere jüdische Männer angezogen, und viele haben als Flieger Auszeichnungen errungen.

 

* * *

 

Der Patriotismus der Juden in Frankreich war außerordentlich. Eine genaue Angabe der französischen Juden, die am Krieg teilgenommen haben, ist unmög-lich, doch kann man mit ruhigem Gewissen behaupten, daß alle Gesellschaftsklassen der französischen Juden für Frankreich gekämpft haben. Gelehrte verließen ihre wissenschaftlichen Arbeiten, um an die Front zu gehen und dort ihre Wissenschaft nutzbringend zu verwerten. So erfand der Astronom Charles Nordmann, der als Rekrut bei der Artillerie eintrat und später zum Offizier befördert wurde, eine wichtige Verbesserung für das Zielen; er leistete auch wichtige Arbeit, indem er die Entfernung der feindlichen Geschütze durch den Schall ebnete. General Nivel hat die Tätigkeit des Gelehrten besonders gewürdigt. Unterleutnant Henry Abram, Professor {169} an der Sorbonne, wurde Offizier der Ehrenlegion für seine Verbesserung des drahtlosen Telegraphen und seine Verdienste im Kampfe der Unterseeboote. Von den im Jahre 1914 an der Polytechnik ausgemusterten 450 Zöglingen waren 16 Juden, 4 von diesen sind ge-fallen, 3 verwundet worden.

 

Unter den Verwundeten befand sich auch der Sohn des Pariser Großrabbiners Levy, der zweimal verwundet wurde. Ein zwanzigjähri-ger Leutnant, Pierre Hadamart (Sohn des berühmten Mathematikers), suchte in der Umgebung von Verdun nach einem passenden Punkt für seine Artilleriebatterie.

Als er seine Aufgabe vollendet hatte, sah er beim Pas-sieren eines Schützengrabens die Infanteristen im Begriff, einen feindlichen Angriff mit Bajonett und Gewehr ab-zuwehren. Der junge Offizier packte ein Gewehr und schoß mit, dabei fand er den Heldentod.

 

Beamte, Advokaten und sonstige Angehörige freier Berufe wurden Männer des Schwertes und taten Ihre Pflicht auf dem Schlachtfelde. Die jüdischen Ärzte zeig-ten denselben Geist der Hingabe und der Selbstaufopfe-rung wie die Soldaten. Auch die Künstler und die Schrift-steller eilten an die Front. Kapitän Halphen, Komponist und Redner, starb an einer Krankheit, die er sich an der Front zugezogen hatte. Der Dramatiker Henry Bern-stein zeichnete sich als Flieger aus. Pierre Mortie, Re-dakteur des 'Gil-Bias", wurde mehrmals lobend er-wähnt, zuerst kämpfte er an der Front, später war er für die Organisation des Fliegerkorps im Orient tätig. Aus Handel, Industrie und Finanz sei erwähnt, daß die Familie Grumbach in Belfort sieben Söhne, zwei Schwie-gersöhne und zwei Enkel unter den Fahnen hatte.

 

Die Familie Dreifuß in Paris hatte acht Söhne, Aron Weil neun Söhne unter den Waffen. Der Verlust mehrerer Kinder war eine häufige Begebenheit. Oberst Mayer ver-lor drei Söhne, eine Witwe, Madame Picard, beklagte den Tod dreier Söhne. In der Liste der französischen Flieger finden wir den Namen James Henry Rothschild. Baron Günster fiel an der Yser.

 

Besonders im Flugdienst {170} zeichneten sich die französischen Juden aus, und sie waren dort auch in besonders großer Zahl vertreten. Viele französische Juden taten sich in der Führung der Tanks hervor.

Die jüdische Bevölkerung in Algier zählt 65.000 Seelen. n kann annehmen, daß in der Armee im Felde mehrals 10.000 Juden dienten. Die jüdischen Familien Algiers sind sehr kinderreich. Madame Lelouche hatte acht Söhne im Felde. Eine Familie Palikao stellte 25 Familienmitglieder. Tausend algerische Juden wurden ausgezeichnet.

Es ist unbekannt, wie viele französische Juden genau vor dem Feinde gefallen sind. Von 2120 gefallen Juden weiß man. Ein gewisser Bensait verlor drei Söhne, ebenso ein Mann namens Nahon. Rabbi Boris von Lüneville fiel zu Beginn des Krieges, Rabbi Wechsler, Lehrer der Theologie, starb an einer Krankheit, die er sich im Schützengraben zugezogen hatte. Vier von den Rabbinern, die Seelsorger waren, starben gleichfalls, einer an einer Krankheit, die drei anderen fielen bei Ausübung ihrer Pflicht als Seelsorger an der Front.

 

Der Rabbiner Abraham Bloch wurde von einer Granate getroffen, als er einem verwundeten Christen ein Kruzifix brachte, der sterbend darum gebeten hatte. Rabbi Ruff wurde bei Verdun von einer Bombe aus einem Flugzeug tödlich getroffen. Ebenso starb Rabbi Wilson in einem Dorfe bei Champagne. Der Tod des Rabbi Bloch wurde von einem katholischen Priester in rührenden Worten geschildert. An  Stelle, an der er gefallen ist, wurde ihm auch ein Denkmal errichtet. Zwei Rabbiner erhielten das Kreuz der Ehrenlegion, 19 wurden lobend erwähnt.

Der Krieg wurde aber nicht bloß in den Schützengräber geführt. Es gab auch tapfere jüdische Pflegerinnen, so Fräulein Blanche Levy, die für ihren Heroismus das Kriegskreuz erhielt, da sie 35 Monate in der Feuerlinie und während der heftigsten Bombardements die Verwundeten pflegte. Fräulein Sophie Fridmann, erste Pflegerin in einem Spital, das immer den Fliegerangriffen {171} ausgesetzt war, erhielt die Medaille der französischen Tapferkeit. Ich muß auch noch den alten Kahn in Lüneville erwähnen, der den Deutschen mit einer französi-schen Fahne entgegenlief, und als er von ihren Kugeln hingestreckt wurde, starb er mit dem Rufe: 'Es lebe Frankreich!"

 

Die Juden Italiens haben im Weltkrieg ihre Pflicht er-füllt. Ihre Opfer waren nicht gering. Bereits wenige Monate nach Kriegsausbruch fand im großen Tempel zu Rom eine Gedenkfeier für die zahlreichen im Kriege  gefallenen jüdischen Offiziere und Soldaten statt. An der Hauptpforte der Synagoge stand in großen Lettern fol-gender Ausspruch: 'Den Gefallenen, die ihr Blut für das Vaterland geopfert, sei Ehre und Ruhm!" Das Innere war vollständig mit schwarzen Tüchern bekleidet und über dem Altar wehte die italienische Fahne. Beim Eintritt des rabbinischen Kollegiums erwähnte OberrabbinerAngelo Sacerdoti unter großer Bewegung aller An-wesenden die Namen der Gefallenen.

Besonders gedachte er der Hauptleute Angelo Astrologe, Decio Pontecorvo, Gualtiero Vechio und der Leutnants Ippoliti Segre, Giorgio Levi, Alessandro di Veroli, des Korporals Adolf Gai und der Soldaten Angelo Spiszichim und Cesare Veneziani, welche sich durch ihren großen Mut in den Schlachten auszeichneten und für ihr Vaterland und für die Ehre der israelitischen Gemeinde Roms gefallen waren.

Oberrabbiner Angelo Sacerdoti hatte ein Gebet ver-faßt, das den italienischen jüdischen Soldaten mitgegeben wurde. Sein Inhalt war folgender:

'Schöpfer der Wel-ten, Herr aller Wesen, der die Herzen prüft und die menschlichen Gedanken kennt! Es ist Dir wohlbekannt, daß ich nicht aus Haß gegen die Mitmenschen und nicht mit einem bösen Herzen in den Krieg gezogen bin, son-dern nur um meine Pflicht gegen das teure Vaterland zu {172}

erfüllen. Darum, o Gott, rechne es mir nicht als Sünde an, wenn ich gezwungen bin, die Waffe zu erheben gegen deine Geschöpfe, denn ich tue es nicht nach meinem eigenen Willen. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Gott, vernimm die Worte Deines Knechtes und erhöre mein Gebet. Du bist mein Fels und meine Burg, auf welche ich vertraue. Verlasse mich nicht und entferne Dich nicht von mir in dieser Zeit der Not, gewähre mir Deinen Schutz und stütze mich, rette mich vor allem Bösen. Solltest Du bestimmt haben, daß ich im Kriege sterben soll, so nehme ich das mit Demut und Unterwerfung unter Deinen heiligen Willen an, dann möge es wohlgefällig sein von Dir, allgnädiger und barmherziger Gott, daß mein Tod eine Sühne sei für meine Sünden. Verzeih mir, wie ich auch meinen Feinden verzeihe, auch denen, die mich töten werden. Erlöse meine Seele von der jenseitigen Strafe und bringe sie zum ewigen Leben. Oh, ich möge doch unter den Menschen Wahrheit, Recht und Milde herrschen! Lasse bald Dein Reich kommen, Amen'

 

* * *

Die prozentuale Beteiligung der deutschen Juden an dem I Weltkrieg bleibt hinter der gesamten deutschen Bevölkerung nicht zurück.

Bei der letzten reichsdeutschen Bevölkerungszählung vor dem Kriege (1910) wurden unter etwa 68 Millionen ca. 555.000 deutsche Juden (die ausländischen, nicht militärpflichtigen nicht mitgerechnet) gezählt.

Über 96.000 deutsche Juden waren eingezogen, das heißt 17,3% der reichsdeutschen jüdischen Bevölkerung oder jeder sechste deutsche Jude.

Von 100 jüdischen Kriegsteilnehmern waren 78, das heißt nahezu vier Fünftel (im ganzen also etwa 80.000) an der Front.

Wenn man einer Gesamtbevölkerung von 68 Millionen die Gesamtkriegsteilnehmerzahl von 12,5 Millionen zugründe {173} legt, so ergibt sich als Prozentsatz der Kriegs-teilnehmer 18,38.

Die jüdische Bevölkerung in Deutschland hat also (bis auf einen kleinen Spielraum) verhältnismäßig eben-so viele Feldzugsteilnehmer gestellt wie die Gesamtbe-völkerung.

 

Es darf dabei zweierlei nicht außer acht ge-lassen werden:

1. Der Altersaufbau der Juden in Deutschland unter-scheidet sich wesentlich von der Altersgliederung der Gesamtbevölkerung. Es ist einleuchtend, daß die Masse der Eingezogenen immer in einem bestimmten Verhält-nis zur Masse der dem wehrfähigen Alter angehörenden Personen steht; dieses Verhältnis wiederum ist abhän-gig von der Besetzung der Jahrgänge 18 bis 45.

 

Es ist eine allgemein bekannte und statistisch festgestellte Tat-sache, daß infolge des Jahrzehntelangen, ständig zu-nehmenden Geburtenrückganges bei den deutschen Juden die jüngsten Altersklassen dieser Bevölkerungs-gruppe eine schwächere Besetzung als die höheren auf-weisen. Die nicht mehr wehrfähigen Altersklassen waren daher bei den Juden relativ stärker vertreten als bei der Gesamtbevölkerung.

 

2. Für die Beurteilung der Prozentsätze der Feldzugs-teilnehmer ist die Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf Stadt und Land zu berücksichtigen. Drei Viertel der deutschen Juden sind Städter, vornehmlich Großstädter. Die Land- und Kleinstadtbevölkerung stellt bekanntlich infolge ihrer größeren Fruchtbarkeit und körperlichen Tauglichkeit ein größeres Kontingent von Wehrfähigen und damit auch Soldaten als die großstädtische Bevöl-kerung.

Von über 96.000 jüdischen Kriegsteilnehmern sind über 10.000, das heißt 11%, freiwillig in den Krieg ge-zogen (darunter befand sich der erste gefallene deutsche Reichstagsabgeordnete Frank).

Es sind mindestens 12.000 deutsche Juden auf dem Felde der Ehre gefallen.

 

Die auf Grund der vorsichtigen Statistik von Segall-Silbergleit angenommene Zahl von 12.000 jüdischen Gefallenen dürfte nach der Liste des 'Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" wahrscheinlich beträchtlich überschritten werden. Jedenfalls ist die Mindestzahl 12.000 als sicher anzunehmen. Unter den mit der amtlichen Verlustlistennummer ermittelten Gefallenen befinden sich die genauen Angaben von 270 gefallenen jüdischen Offizieren. Diese Zahl erhöht sich unter Berücksichtigung der Gesamtziffer von 12.000 auf 322. Dazu kommen 185 gefallene jüdische Sanitätsoffiziere.

 

Zahlen einzelner Länder und Städte:

a) Württemberg                      270    Gefallene

Bayern                        1080        '

Hamburg                     457          '

 

                                        jüd. Bewohner              Gefallene

b)        Dortmund                    3000                76        (2,5%)

            Hannover                    4500                89        (2%)

            Bielefeld                     847                  26        (3,3%)

            Bremen                       1300                28        (2,2%)

            Erfurt                          797                  30        (3,7)

            Mühlhausen                168                  8          (4,8%)

            Quedlinburg                88                    4          (4,5%)

 

(Literatur zum  diesem Thema, z.B. - 1) Die Jüdischen Gefallenen des Deutschen Heeres, der Deutschen Marine und der Deutschen Schutztruppen' '1914 - 1918  EIN GEDENKBUCH'  (431 Seiten), 1933 (dritte Auflage); herausgegeben vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten.

Namenslisten (sortiert nach Namen, Herkunftsort...) beinhaltet ca. 12.000 Namen...

2) 'Deutsche Jüdische Soldaten 1914 - 1945' herausgegeben von Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Verlag E.S. Mittler & Sohn - 1983; ldn-knigi)

 

c) Aber wer ein waschechter Antisemit ist, schert sich den Teufel um die Statistik.

So hat bald nach dem Kriege der Herausgeber der antisemitischen Münchner Wochenschrift 'Auf gut deutsch", Dietrich Eckart, einen Preis von 1000 Mark für den Nachweis ausgesetzt, daß eine jüdische Familie während des Krieges drei Wochen lang auch nur drei Söhne im Schützengraben gehabt habe. Rabbiner Dr. Freund (Hannover) legte daraufhin dem Preissausschreiber eine Liste von zwanzig Familien seiner Gemeinde vor, auf die diese Voraussetzung zutraf.

Da der Aussetzer des Preises den Nachweis nicht anerkennen wollte, erhob der Rabbiner Klage beim Landesgericht München auf Zahlung des ausgesetzten Prei-ses. Nach Durchführung des Beweisverfahrens, in dem {175} der Kläger ein Verzeichnis von weiteren fünfzig jüdi-schen Familien aus anderen Gemeinden vorlegte, die bis sieben und acht Söhne im Felde hatten und von denen einige den Verlust dreier Söhne zu beklagen haben, er-kannte der Beklagte den erbrachten Nachweis an und zahlte an den Kläger den ausgesetzten Preis von 1000 Mark, der für gemeinnützige Zwecke verwendet wurde.

 

Auch die einzelnen Leistungen der Juden im Kriege stehen nicht hinter denen ihrer christlichen Mitbürger zurück.

Etwa 35.000 jüdische Soldaten wurden dekoriert, etwa 23.000 befördert und über 2000 zu Offizieren ernannt. (die Sanitätsoffiziere nicht mitgerechnet). Die hohe Zahl der zu Offizieren Beförderten ist deshalb bemerkenswert, weil aus ihr die Zahl der Feldtüchtigen hervor-geht; vor dem Kriege gab es keine jüdischen Offiziere (außer in Bayern)!.

 

Ein antisemitischer Abgeordneter stellte 1918 im Reichstag unter dem Beifall seiner Gesinnungsgenossen folgende Anfrage:

'Haben Sie schon einmal einen jüdischen Flieger gesehen?"

Diese Frage konnte durch eine genaue Liste mit den Lebensbeschreibungen von über 125 jüdischen Fliegern beantwortet werden (die später noch um weitere 40 er-gänzt wurde). Es handelt sich hier natürlich um Flieger, die über dem Feinde geflogen sind. 30 jüdische Kriegs-flieger sind gefallen, darunter Wilhelm Frankl (Pour le mérite, Eisernes Kreuz I. Kl.) und Leutnant Weil (viel-fach ausgezeichnet).

 

Infolge einer Komplikation nach schweren Wunden, die ihm im Weltkrieg zugefügt wurden, starb in Breslau der Goldarbeiter und Lehrer in einer Fachschule Josef Cypes. Er war Jude und der jüngste deutsche Kriegs-freiwillige im Weltkrieg. In Konstantinopel, wo er lebte, meldete er sich als Dreizehnjähriger im vierten Kriegs-jahr freiwillig in das deutsche Heer. Bald danach kam er an die Front, wo er schwere Verwundungen erlitt, {176} daß ihm beide Beine amputiert werden mußten. Für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde erhielt Cypes, der damals noch ein Kind war, eine Reihe von Kriegsdekorationen und Auszeichnungen. Nach Beendigung Krieges kam er als hundertprozentiger Invalide nach Deutschland. Er kam zu einem Goldarbeiter in die Lehre und wurde bald Meister in seinem Fach.

Obendrein übernahm er die Stelle eines Lehrers in einer Breslauer Hochschule. Cypes beschäftigte sich in freien Stunden mit der Kunstgeschichte und sollte die Leitung eines kunsthistorischen Museums übernehmen. Seine Schüler vergötterten ihn, aber auch in der breiten Öffentlichkeit erfreute er sich größten Ansehens.

Wie für alle deutschen Juden war der Hitler-Umsturz auch für Josef Cypes ein Schlag. Auch diesen Helden, der sich als Knabe freiwillig in den Krieg meldete, wollte der herrschende Kurs von seiner Stelle entfernen.

Dies gelang jedoch nicht, denn auch die nationalsozialistischen Schüler Cypes wollten nicht gegen ihren Lehrer, um den eine Gloriole des Heldentums schien, auftreten. Der Vorsitzende des Breslauer Stadtrates versuchte, die Richtigkeit seiner militärischen Dokumente anzuzweifeln, doch auch das mißlang. Der Breslauer Magistrat begnügte sich mit der Verkleinerung der Lehrstundenzahl Cypes. Vor einigen Monaten mußte sich Cypes einer  neuen Operation unterziehen, die im Zusammenhang mit der seinerzeitigen Amputation seiner Beine stand und starb während der Operation infolge eines Blutsturzes!.

Der 'Schild", das offizielle, in Berlin erscheinende Organ des 'Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" brachte aus Anlaß des 20. Jahrestages des Ausbruches des Weltkrieges eine Sondernummer heraus, in der unter anderem ausgeführt wird:

'Der jüngste, in Deutschland geborene Freiwillige in der deutschen Armee während des I Weltkrieges war ein Jude namens Scheyer aus Königsberg, der am 26. August 1914 im Alter von 14 Jahren 11 Monaten ins Feld zog.

{177} Und der älteste Freiwillige unter den neuen Leutnants war unser jüdischer Kamerad Adolf Stern, der mit 63 Jahren zu den Fahnen eilte. Genannt sei auch Max Meltzer, der als gemeiner Soldat mit 70 Jahren, zu-sammen mit seinem 44jährigen Sohn Siegmund, sich an-werben ließ.

Die jüdische Witwe Feilbusch hatte am 20. August 1914 ihre acht Söhne im Feld; auch ihre einzige Tochter tat Kriegsdienst. Eine andere jüdische Mutter, die acht Söhne im Feld hatte, war Frau Guttmann aus Szillen in Preußen.

Frau Baum, eine Jüdin, hatte während des Krieges zehn verheiratete Söhne im Felde. Die jüdische Witwe Lobenhardt hatte neun Söhne an der Front, die alle mehrmals verwundet wurden. Die Witwe Jacobus in Zempelburg hatte acht Söhne im Felde. Am Tage des Kriegsausbruches stellten sich 30 jü-dische Pflegerinnen sofort freiwillig in den Dienst an der Front, und am 16. August nahm das Kriegsministerium ihr Angebot an und erließ an sie die Order, sich zum Antritt zu melden.

Unmittelbar nach Kriegsausbruch brachten die Juden Deutschlands unter sich einen Fonds auf und stifteten einen Hospitalzug mit einem Kostenaufwand von 130.000 Mark. Bis l. November 1918 hatten sich 6000 Juden als Freiwillige gemeldet.

Die erste von einer deutschen Armee während des Krieges erbeutete Fahne wurde von einem Juden namens Fischel erbeutet.

In der deutschen Armee dienten 96.000 jüdische Sol-daten, 12.000 Juden fielen."

Aber die Nationalsozialisten nennen die Juden 'Ver-räter", 'Parasiten", 'Fremdkörper" und 'Feinde Deutsch-lands".

 

* * *

 

In Österreich-Ungarn haben die Juden nicht nur an den Kampfhandlungen, sondern auch in hervorragendem Maße an der Kriegsfürsorge und an den Zeichnungen der Kriegsanleihe teilgenommen. Kaiser Franz Josef und {178} nachihm Kaiser Karl haben den Juden bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Dank für ihr Verhalten ausgesprochen.

Auch die Heeresleitung sowie die höheren Kommandos gaben wiederholt ihrer Anerkennung für die Leistungen der Juden im Feld und im Hinterland Ausdruck. Freilich setzte während des Krieges auch hier gegen die Juden eine Hetze ein, die aber von der Regierung keineswegs gefördert wurde.

 

Bezeichnend für das Vertrauen der maßgebenden Kreise zu den Juden ist folgender Vorfall: Ein Mitglied der kaiserlichen Familie kam in den ersten Kriegswochen in eine kleine galizische Stadt und erkundigte sich, ob im Ort ein Hotel vorhanden sei, wo man gut untergebracht wäre.

Dem Erzher-zog wurde erwidert, daß es in dem Städtchen zwei Hotels gebe, ein jüdisches und ein kleinrussisches, wobei das jüdische nicht erstklassig sei. Darauf der Erzherzog: 'Trotzdem wähle ich lieber das jüdische, wo ich wenigstens sicher aufgehoben sein werde."

Ähnliche Äußerungen fielen auch seitens höherer Generäle und Kommandanten. Trotzdem hat man gegen die galizischen Juden die lächerliche Beschuldigung erhoben, daß sie für Rußland Spionagedienste leisten. Natürlich nahm man diese Verleumdungen nicht ernst.

 

Durch den Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie ist es unmöglich geworden, den Anteil der Juden Österreich-Ungarns an dem Kriege festzustellen. Tatsache ist aber, daß der Prozentsatz der jüdischen Kriegsteilnehmer in Österreich-Ungarn nach keiner Richtung hin geringer war als ihr prozentuales Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

Die 50 Millionen Bürger der Mon-archie stellten etwa 9 Millionen Soldaten für Heer und Marine, das heißt etwa 18%. Da die Juden in Österreich-Ungarn etwa 5% der Gesamtbevölkerung bildeten, so hätte die Zahl der jüdischen Kriegsteilnehmer 400.000 betragen sollen.

 

In Wirklichkeit war sie jedoch wesentlich höher. Man schätzt den quotenmäßigen Anteil der Juden an dem Kriege deshalb höher ein, weil infolge der un-zähligen und gehässigen Denunziationen der Antisemiten {179} gegen die Juden wegen angeblicher Drückebergerei, Musterungskommissionen sich veranlaßt sahen, unter den Juden mehr geeignete zu finden, als der Wirklichkeit entsprach.

In der Tat konnte man auch während des Krieges sehen, daß Juden an die Front geschickt wur-den, die schwächlicher Konstitution waren. In der Etappe und in der Bewachungsmannschaft der Gefangenenlager konnte man Juden sehen, die eher in das Spital, als in eine militärische Formation gehörten.

 Eine oberflächliche Zusammenstellung bis anfangs 1917 zählte nicht weniger als 474 gefallene jüdische Offiziere. Dekoriert wurden bis dahin mit dem Leopoldsorden 2, mit dem Orden der Eisernen Krone I. Klasse 12, II. Klasse 8, dem Franz-Josef-Orden 183, dem Signum Laudis 307, dem Militär-verdienstkreuz III. Klasse 225, dem Eisernen Kreuz I. Klasse 4, II. Klasse 2000, dem goldenen Verdienstkreuz 345, dem silbernen Verdienstkreuz 729 Juden.

 

Aus diesen Ziffern kann man hinreichend auf den Prozentsatz der jüdischen Kriegsteilnehmer und ihre Leistungen schließen. Diese Leistungen wurden bei verschiedenen Gelegenheiten rühmend anerkannt. So äußerte sich General v. Dankl in Zuschriften an jüdische Soldaten:

'Sie haben sich im Gefechte bei Piotrkow am 29. August sehr mutig benommen und der Mannschaft ein gutes Beispiel gegeben. Ich spreche Ihnen hiermit die Belobung im Namen des Allerhöchsten Dienstes aus."

'Sie haben in den Gefechten südlich Plock am 3., 4. und 5. September großen Mut und Tatkraft gezeigt und durch Ihr persönliches Beispiel die Mannschaft ange-eifert. Ich belobe Sie hiefür im Namen des Allerhöchsten Dienstes."

 

Vom 2. Korpskommando erhielt der Motorfahrer Ru-dolf Löwenstein folgendes Dekret:

'Anläßlich Ihres Abgehens zum 1. Armee-Etappen-kommando spreche ich Ihnen für Ihre mehr als zwei-monatige Dienstleistung als fahrender Ordonnanzoffizier des Korpskommandos, in welcher Eigenschaft Sie bei Überbringung von Befehlen und Meldungen sowie Rekognoszierungen {180} vor dem Feinde sich wiederholt herzhaft und mutig benahmen, im Namen des Allerhöchsten Dienstes die belobende Anerkennung des Korpskommandos aus. Kirchbach."

Vom Major Jambor, königl. ungar. Landsturmregiment 14, erhielt der Bruder des Herrn Geza Kramer aus Nytra ein Schreiben, worin folgende Sätze vorkommen:

'Ihr Bruder, Leutnant Geza Kramer, ist am 7. September, abends 8 Uhr, gefallen. Sein heldenhafter Tod folgte während der eifrigen Erfüllung seiner Pflicht als Kompaniekommandant. Seine Mannschaft trug die Leiche in eine bei Godow gelegene Scheune. Beim Rückzug der Kompagnie blieb die Leiche zurück. Der Feind hat am 8., vormittags 10 Uhr, mit Schrapnells die Scheune und auch das in Frage stehende Gebäude in Brand gesteckt. Es diene der sehr verehrten Familie zum Troste, daß sich der Gefallene in jeder Schlacht als wahrer Held benommen hat, mit unerschütterlicher Ausdauer mutig kämpfte. Jedem Kommandanten diene er in bezug auf Pflichtbewußtsein als würdiges, nachahmungswertes Vorbild."

 

Der 'Bund jüdischer Frontsoldaten" hat sich im Jahre 1934 an die Generale der alten Armee mit der Bitte gewendet, sich über das Verhalten der jüdischen Soldaten und Offiziere im Weltkrieg zu äußern. Diese Äußerungen bringe ich hier auszugsweise:

Generaloberst Arz: 'Gerne komme ich dem Wunsche nach, mich über die Erfahrungen mit jüdischen Offizieren und Soldaten in der Kampffront auszusprechen. Es ereicht mir zur Genugtuung, feststellen zu können, daß dieselben ihre Pflicht voll erfüllt haben; in einwandfreier Haltung kämpften auch diese mit hingebungsvoller Tapferkeit."

 

Generalmajor Ernst Doming: 'Als wahrer Christ hatte ich stets ehrliche Sympathie für meine jüdischen Mitbürger und unter ihnen gute Freunde. Und im Weltkrieg lernte ich die Juden als ebenso brave, tüchtige und tapfere Soldaten kennen, wie es alle anderen waren...{181} Im ungarischen Budapester Landsturminfanterieregiment Nr. 30, dessen Kommandant ich von 1915 bis 1917 war, hatte ich ziemlich viele Offiziere und Soldaten jüdischer Konfession unter mir, und über diese kann ich mich nur sehr lobend, wie schon eingangs erwähnt, äußern. Sie standen in nichts den christlichen Offizieren und Sol-daten nach. In dem Abschnitt der Zugna Torta (bei Rovereto in Südtirol) mußten wir viele Gefangene ma-chen, um von ihnen Nachrichten über Truppenbewegun-gen, Angriffspläne u. dgl. zu erhalten. Zu diesem Zwecke schickte ich starke Patrouillen aus, die die italienischen Feldwachen oder kleine italienische Frontstücke zu über-fallen hatten. Zu diesen Patrouillen wurden in erster Linie sich freiwillig meldende Kommandanten und Leute genommen. Darunter befand sich nun stets ein jüdischer Gefreiter, ich glaube, er hieß Goldstein; er wurde mehr-mals verwundet und erhielt für seine außerordentliche Tapferkeit die Große Silberne Tapferkeitsmedaille. Ein Fall von zahlreichen."

 

Generalmajor Ing. G. Glässer Edler v. Järten: 'Bezüg-lich meiner Erfahrungen mit jüdischen Offizieren und Sol-daten in der Kampffront kann ich nur meiner Überzeu-gung Ausdruck verleihen, daß ich während meiner ganzen Frontdienstleistung keinerlei Unterschied zwischen die-sen und unseren anderen Kämpfern gemerkt habe. Die-jenigen, von denen ich vermuten konnte, sie wären jüdi-scher Abstammung oder jüdischen Glaubensbekenntnis-ses - ich habe mich darum niemals gekümmert, son-dern stets nur die Individualität geschätzt und berück-sichtigt, haben mich niemals enttäuscht; sie haben sich immer durch hohes Pflichtgefühl und Selbstaufopferung ausgezeichnet. Heute, so viele Jahre nach dem Kriege, fällt es meinem Gedächtnis schwer, die Namen der bei meinen zahlreichen, abwechslungsreichen Verwendungen im Krieg unter mir gedienten Soldaten und Offiziere wiederzufinden. Zwei Offiziere bleiben mir speziell un-vergeßlich: der äußerst schneidige, tapfere und sehr pflichteifrige Leutnant oder Oberleutnant Baum in der {182} Dolomitenfront (Col-di-Lana-Abschnitt) und ein Herr der Türk. Haubitz-Dion, dessen Name mir leider nicht erhalten geblieben ist."

 

General Ing. Bertold Keppelmüller: 'Ich habe im Sommer 1916 als Kommandant einer Kaschauer Feldkanonenbatterie auf dem russischen Kriegsschauplatz drei jüdische Reserveoffiziere (bzw. Kadetten) ungarischer Zunge unter mir gehabt: Eilinger, Weiß und Biro. Eilinger hat mir mehrmals in schwierigen Lagen dadurch vorzügliche Dienste geleistet, daß er durch seine unerschütterliche Ruhe, gepaart mit würzigem Humor, in ganz ausgezeichneter Art auf die Mannschaft Einfluß zu nehmen verstand. - Weiß (ich glaube ein Verwandter des bekannten Großindustriellen Manfred Weiß) verbrachte mit mir u. a. einmal mehrere Stunden in einer ganz verdammt bösen Lage am Waldrand bei Zwyzyn. Wir wurden unaufhörlich von Infanterie aus nächster Nähe beschossen, ebenso von russischer, aber auch eigener Artillerie, und entgingen dieser Lage erst durch den unvermuteten Vorstoß eines eigenen Reservebataillons in unserem Gefechtsabschnitt. Während dieser harten Stunden zeigte Weiß keinen Augenblick ein Wanken, kroch immer wieder zum Feldtelephon, bis dieses durch einen Treffer zerstört war. - Biro ist bei seinem Aufklärungsdienst im vordersten Infanteriegraben östlich Zloczow gefallen."

 

 General Hermann Loy von Sternschwerdt: 'Über meine Erfahrungen aus dem Weltkrieg kann ich nur sagen, daß ich besonders in dem Infanterieregiment Clerfayt Nr. 9 sowohl Offiziere als Mannschaften jüdi-schen Stammes angetroffen, kennen- und schätzengelernt habe, die zu den tapfersten und besten Soldaten und Kämpfern gezählt werden müssen.

Unter meinem Kommando stehend, kann ich den Leut-nant Emmerich Hornig anführen, Infanterieregiment Nr. 9. Vom Infanterieregiment Kaiser Nr. 1 ist Dr. Leopold Gellner, Rechtsanwalt in Wien, durch seine beson-ders lange Frontdienstzeit hervorzuheben. Andere Angaben {183} kann ich aus Mangel an Namen momentan nicht machen."

 

General Julius Kreischer: 'Ich weiß nur, daß der Hauptmann des Sappeurbaons Nr. 2 (Kiems a. d D.), Ritter von Eiss, als Held vor dem Feinde geblieben ist, daß ein Leutnant i. R. des Komorner Sappeurbaons die goldene Tapferkeitsmedaille besaß, Sternheim oder Stern-feld mit Namen, und daß der Major Karl Neustadtl, ehe-maliger Pionier, an einer Krankheit gestorben ist, die er sich im Felde zugezogen hat."

 

General Karl Kikovszky: 'Über die Erfahrungen mit jüdischen Offizieren und Soldaten in der Kampffront bin ich in der angenehmen Lage, Ihnen mitzuteilen, daß ich ein allgemeines Minderwertigkeitsurteil über das Ver-halten des jüdischen Elements an der Kampffront als eine Ungerechtigkeit empfinden würde. Ich habe wäh-rend des Krieges fünf verschiedensprachige und konfes-sionell verschieden zusammengesetzte Artilleriebrigaden unter meinem Kommando gehabt und dabei gesehen, daß sich die jüdischen Offiziere und Frontsoldaten genau so tapfer und pflichtgetreu verhielten wie alle anderen. Eines möchte ich jedoch besonders hervorheben, daß sich das jüdische Element als vaterlandstreu erwiesen hat."

 

General Julius Hoppe: 'Wahrheitsgetreu und pflicht-gemäß sage ich, daß in der Friedenszeit Offiziere jüdi-schen Glaubensbekenntnisses stets zu den beliebtesten Kameraden gehörten - während des Krieges jüdische Offiziere und Soldaten schon in den ersten Monaten für hervorragende Tapferkeit das Verdienstkreuz mit der Kriegsdekoration und Tapferkeitsmedaillen erwarben und bis zuletzt treu ihre Soldatenpflicht erfüllten. In den Kriegsgefangenenlagern Sibiriens und nach dem Zusammenbruch in England zeichneten sich jüdische Offi-ziere und Soldaten durch ihr Wohlverhalten, ihre Diszi-plin und die Anhänglichkeit an ihre Höheren aus. Un-seren jüdischen Militärärzten wäre für ihre Selbstauf-opferung ein besonderes Ehrenblatt zu widmen!" {184}

Feldmarschalleutnant Rich. Ritter v. Gruber: 'Während meiner ganzen Dienstzeit habe ich meine Untergebenen nach ihren Leistungen beurteilt und nie nach ihrer Religionszugehörigkeit befragt. Ich kann daher keine bestimmten Angaben über meine Erfahrungen mit jüdischen Offizieren und Soldaten machen, obwohl es deren in den galizischen Regimentern Nr. 30 und 80, die mir als Brigadier und später als Divisionär unterstanden, gewiß viele gegeben hat. - Ich kann nur feststellen, daß keiner der Kommandanten dieser braven Regimenter je Klage darüber geführt hat, daß seine jüdischen Offiziere und Soldaten ihren anderen Regimentskameraden an Verläßlichkeit, Tüchtigkeit und Tapferkeit irgendwie nachgestanden wären. Zwei Offiziere muß ich jedoch besonders hervorheben: Der eine war mein Jahrgangskamerad und lieber, hoch-geschätzter Freund, Oberst Husserl, der sich so-wohl als Regimentskommandeur vor dem Feinde als auch vor dem Krieg als Generalstabsoffizier und nach dem Krieg als fachmännischer Berater des englischen Militärattaches in Prag hervorragend ausgezeichnet hat. Ihn deckt leider schon der grüne Rasen. Der zweite war mein Generalstabschef bei der 9. ITD., Major des Gene-ralstabes Krömer, der mir während zweier Isonzo-schlachten als umsichtiger, tatkräftiger und schneidiger Berater treu zur Seite gestanden ist."

 

Feldmarschalleutnant E. Lüftner Edler v. Krinnerstorff:

'Bezüglich meiner Erfahrungen mit jüdischen Offizieren und Soldaten in der Kampffront will ich sehr gerne nachstehendes mitteilen: Ich bin als Kommandant des Infanterieregiments Nr. 81 ins Feld gerückt. Der erste, den ich für die Beteilung mit der goldenen Tapferkeitsmedaille in Vorschlag brachte, war der jüdische Fähn-rich Dr. jur. Breth, Mittelschulprofessor in Iglau, Sohn eines Kaufmanns daselbst. Während des Gefechtes von Zamasc (Teilgefecht der Schlacht von Komarow) am 30. August 1914 hat die Kompagnie, bei welcher er ein-geteilt war, aus eigener Initiative des Hauptmanns, isoliert {185} einen Vorstoß aus der allgemeinen Gefechtslinie ge-macht und wurde vom Gegner mit dem heftigsten Ge-wehr- und Maschinengewehrfeuer überschüttet. Die Kompagnie flüchtete wieder zurück.

 Alle Offiziere waren teils gefallen, teils verwundet. Da sprang Fähnrich Breth vor die zurückflutende Mannschaft der Kompagnie. Mit gezogenem Säbel und vorgestreckter Pistole brachte er es dahin, daß die stark dezimierte Kompagnie in der all-gemeinen Gefechtslinie haltmachte und Front gegen den Feind nahm. Alles dies geschah im heftigsten feindlichen Verfolgungsfeuer. Ich war Augenzeuge dieses heroischen Verhaltens Breths und habe ihn für die goldene Tapfer-keitsmedaille eingegeben. Zu Beginn des Krieges wurde diese Auszeichnung nur sehr spärlich verliehen. Fähn-rich Breth erhielt die große silberne Tapferkeitsmedaille (I. Klasse) und wurde außertourlich zum Leutnant be-fördert. Im weiteren Verlauf des Krieges hat er auf dem galizischen Kriegsschauplatz den Heldentod gefunden."

Feldmarschalleutnant Rudolf Pfeffer: 'Selbst nicht Jude, bestätige ich dem Bunde um so bereitwilliger, daß ich während meiner ganzen Kriegsdienstleistung als Armeegeneralstabschef, Brigadier und Divisionär in kei-nem einzigen Falle die Erfahrung machte, daß jüdische Offiziere und Soldaten der Kampffront den übrigen in voller Hingabe an ihre Eidespflicht nachgestanden sind. Einer meiner Ordonnanzoffiziere, Oberleutnant i. d. Res. Otto Strakosch, war durch zwei Jahre mein ständiger Begleiter in allen Kämpfen der Jahre 1916, 1917 und 1918 und hat sich hierbei als hervorragend tapferer und kaltblütiger Offizier bewährt."

 

*  *  *

Wer diese Antworten hervorragender Offiziere der alten österreichisch-ungarischen Armee liest, der muß darüber staunen, daß Elemente, die sicher selbst ferne vom Schusse standen, es wagen, die Juden als Feiglinge und Drückeberger hinzustellen. Und gerade in {186} Österreich werden noch heute solche Verleumdungen gegen die Juden verbreitet. Angesichts dieser Äußerungen einwandfreier Fachkundiger ist es die Pflicht aller anständiger Menschen, sich gegen die Verunglimpfungen der Ehre der jüdischen Soldaten aufzubäumen.

 

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Die Juden Amerikas haben während des Krieges Hervorragendes für ihr Vaterland geleistet. Es ist sehr schwer, die genaue Anzahl der jüdisch-amerikanischen Kriegsteilnehmer festzustellen. 150.000 wurden festgestellt; es waren aber sicher mehr. New York allein stellte über 50.000 jüdische Soldaten. Ernste Schriftsteller geben die Zahl der amerikanischen Kriegsteilnehmer jüdischen Glaubens mit 250.000, das ist fast 7% der gesamten Judenschaft der Vereinigten Staaten, die damals ungefähr 3.000.000 Männer zählte, an.

Da die jüdische Bevölkerung 3% der amerikanischen Gesamtbevölkerung ausmacht, 6-7% der Juden aber im Militärdienst standen, läßt sich daraus schließen, daß die amerikanische Juden-schaft fast doppelt so viele Kriegsteilnehmer zählte, als ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung entspricht. Die Hauptursache dieses hohen Prozentsatzes liegt in der großen Zahl der jüdischen Freiwilligen, die 20% der gesamten Juden in der Armee ausmachen dürfte. 67% der jüdischen Soldaten standen in der Feuerlinie.

 

 Die Beweise für die jüdische Tapferkeit auf dem Schlachtfelde sind außerordentlich eindrucksvoll. Der nichtjüdische Kapitän Henry Gen sagte wörtlich: 'Ungefähr 40% meiner Division waren Juden, und wie haben sie gekämpft! Sie bemühten ihren scharfen, jüdischen Verstand für den Kampf. Sie suchten eine verborgene deutsche Batterie so lange und so hartnäckig, bis sie sie fanden." Ähnlich lautete das Zeugnis des Obersten Whittley, der selbst unsterblichen Ruhm für sich gewann. Er sagte: 'Wir haben Gelegenheit gehabt, {187} viele jüdische Soldaten kennenzulernen und urteilen über sie mit der größten Bewunderung. Einige ihrer Helden-taten sind meinem Gedächtnis unauslöschlich einge-prägt."

 

Einige Juden haben die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten erhalten. Einer von diesen - William Stavelson - wurde getötet, als er einem Kamera-den Wasser brachte. Dieser Liebesdienst wird sehr oft von den Offizieren erzählt. Sie behaupten, daß diese höchste Tugend der Selbstaufopferung für die jüdischen Soldaten besonders bezeichnend war.

Aus der Statistik ersehen wir, daß aus 200 Fällen, die die militärischen Kommandanten besonders erwähnten, folgendes hervorgeht:

 

52 von diesen 200 jüdisch-amerikanischen Soldaten waren Soldaten, die wegen beharrlicher Hingabe an die Pflicht und wegen Beharrlichkeit in Ausführung einer Aufgabe trotz Gefahren und über die Pflicht hinaus, ferner wegen ihrer Weigerung, trotz ihrer Verwundung das Feld zu verlassen, erwähnt wurden. 64 Juden wur-den erwähnt, weil sie ihr eigenes Leben gewagt haben, um Verwundete zu retten, indem sie den Unterstand ver-ließen und sich in die Feuerlinie begaben, um Verwun-deten Hilfe zu leisten. Viele von ihnen wiesen die ärzt-liche Hilfe, bevor nicht die anderen Verwundeten be-handelt wurden, zurück, 37 von den 200 Soldaten wur-den erwähnt, weil sie sich freiwillig für Patrouillen-Dienste anboten, obwohl andere Kameraden bereits er-schossen wurden und dieser Dienst beinahe den sicheren Tod bedeutete.

 

Die Ausführung dieser Mission hat oft die Situation gerettet. Von den 200 Soldaten wurden acht Juden wegen Kaltblütigkeit im Kampfe und unter anderen gefährlichen Umständen, wegen Geistesgegen-wart in kritischen Augenblicken, wodurch eine Gefahr abgewendet wurde, erwähnt. 24 von den 200 Soldaten wurden wegen Intelligenz beim Gefecht, Findigkeit, ge-sundem Urteil und Verstand, Initiative und Übernahme der Verantwortlichkeit in kritischen Augenblicken, wegen {188} Tüchtigkeit im Plan und der Ausführung wichtiger Aufgaben erwähnt.

Die Gesamtzahl der amerikanischen Juden, die den Heldentod erlitten, wird auf 3500, also ungefähr auf 5% der Gesamtzahl der Verluste Amerikas, geschätzt. Verwundete zählte man etwa 2000.

 

Der Jude Josef Trumpeldor wurde vor 55 Jahren in einer kaukasischen Ortschaft geboren. Vor 15 Jahren starb er - von einer arabischen Kugel getroffen - in palästinensischen Kolonie Tel-Chaj. Dazwischen lag ein heroisches Leben. 

(Tel-Chai- ist eine jüdische landwirtschaftliche Siedlung, über J. Trumpeldor siehe z.B.: Zwi Kanner  'Josef  Trumpeldor - ein jüdischer Held' Wien - 1936; Joseph Trumpeldor  'Tagebücher und Briefe' Übersetzt aus dem russ., Jüdischer Verlag, Berlin, 1925; ldn-knigi)

Als der russisch-japanische Krieg ausbrach, mußte Trumpeldor in die russisch-zaristische Armee einrücken, und zwar als einfacher Soldat. Er blieb lange Zeit ein 'Gemeiner", obwohl er viele Beweise des tapferen Verhaltens vor dem Feinde geliefert hat. In der zaristischen Armee konnte ein Jude eben nicht so leicht avancieren, und Offizier zu werden war für ihn geradezu ein Ding der Unmöglichkeit......'

 

.....' Aber noch zur Zeit als die Juden noch keine volle Gleichberechtigung genossen, zeichneten sie sich aus.

Nach den Ermittlungen des deutschen Kriegsministeriums traten in den Jahren 1813 bis 1815 als Frei-willige 561 Juden ein, und 170 wurden ausgehoben. Einer der ersten Soldaten, der mit dem Eisernen Kreuz geschmückt wurde, war der Jude Günsberg. Von einem jüdischen Soldaten erzählt Willibald Alexis in seinem Aufsatz 'Mein Marsch nach Frankreich" ('Vossische Zeitung", 5. Mai 1899) :

 

'Gedacht sei hier noch eines anderen Kameraden, an den mich die politischen Fragen der Gegenwart lebhaft wieder erinnern. Ein kleiner, untersetzter schwarzer Mann, nicht schön und in seinem Wesen nichts von einem Gentleman. Wenn er nicht die Büchse trug, wa-ren seine Waffen Schere und Nadel, und er säumte auch nicht, in jedem Quartier, wenn er vom Dienste frei war, die Beine übereinanderzuschlagen und den Faden zu wichsen. Unsere Uniformstücke verdankten ihm, daß sie noch so erträglich aushielten, wenigstens wenn sie Miene machten, auseinanderzugehen, war er es, der sie {192} zuihrer Pflicht fürs Vaterland zurücknötigte. Aber er stand trotz seiner Unansehnlichkeit in großem Ansehen und bei den Hänseleien, die im kameradschaftlichen Leben unvermeidlich sind, wagte sich niemand ihm zu nahe; denn es war bekannt, daß er sich im vorigen Feldzuge tapfer gehalten hatte und mehrmals verwundet worden war, wovon seine Hand Zeugnis ablegte. Er hieß Schwarzbraun und war ein Jude."

 

StaatskanzIer Fürst von Hardenberg äußerte in einem Schreiben vom

4. Jänner 1815: 'Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits er-wiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinem Schoße aufgenommen, durch treue Anhänglichkeit sich hervortun. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger ge-wesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, so wie die übrigen jüdi-schen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich anschlossen."

 

Über das Verhalten der Juden als Soldaten gibt ein Gutachten des Kriegsministeriums vom Jahre 1847 Aufschluß. Dort heißt es, daß die Juden von den Soldaten der christlichen Bevölkerung nicht erkennbar unterschieden sind und daß sie sich im Kriege gleich den übrigen Preußen bewährt haben.

In Österreich hatten die Juden wie in keinem ändern Lande Europas Gelegenheit, sich am Kriegsdienst zu beteiligen.

Schon im 9. Jahrhundert standen auf Seite der Böhmen auch Juden, um gegen die Heiden zu kämpfen. Im Jahre 1611 finden wir 500 Juden in den Reihen jener Soldaten, welche die Prager Alt- und Neustadt gegen die Passauer verteidigten. Es befindet sich heute noch in der Prager Altneuschule eine Fahne, die Kaiser Ferdinand III. den Juden für ihre tapfere Verteidigung Prags gegen die Schweden verliehen hat. Als l790 der Türkenkrieg losbrach, ebenso in den bald folgenden Kämpfen gegen Napoleon und in den Befreiungskriegen, {193} finden wir Juden in den Reihen der Kämpfenden.

 

In einer Liste aus dem Jahre 1855 finden wir zwei jüdische Majore, Simon Prisker und Ignatz Weiß, ferner 5 Rittmeister, 5 Hauptleute, 14 Oberleutnants und 33 Leutnants. In den vielen Schlachten auf dem Felde Italiens, Schleswigs, Böhmens haben jüdische Soldaten mitgefochten. So hat im italienischen Feldzug 1859 Theodor Jerusalem den Leopoldsorden, den Rang eines Hauptmannes und den Ritterstand erhalten, weil er beim Übergang über den Lombro die Fahne seines Regiments gerettet hatte.

Auch aus dem Feldzug gegen Preußen wird eine Hel-dentat eines Juden von J. von Hoffinger in seinem Werke 'Lorbeeren und Zypressen von 1866" erzählt. Der Name des Tapferen war Moses Weber (geb. zu Zoll-kiew 1832). Nachdem er seine gesetzliche Dienstzeit ab-gedient hatte, trat er 1866 freiwillig in die kaiserliche Armee und machte den Feldzug dieses Jahres als Zugsführer im Inf.-Reg. Kronprinz Wilhelm von Preußen Nr. 20 mit.

 

'Als am 20. Juni bei Skalitz sein von feindlichen Ku-geln an beiden Füßen schwer verwundeter Hauptmann Puchreimer zusammenbrach, erfaßte ihn Weber und trug ihn mitten im dichtesten Kugelregen aus dem von den Seinen bereits aufgegebenen Kampfplatz. Auf seinen Schultern brachte er ihn an einen, von den feindlichen Kugeln geschützten Ort, dann aber kehrte er in das Schlachtgetümmel zurück, übernahm das Kommando der bereits aller Offiziere beraubten Kompagnie und führte dieselbe mit ebensoviel Umsicht als Bravour."

 

*  *  *

 

Der deutsche Dramaturg und Romancier Otto Zarek, der seit anderthalb Jahren als Emigrant in Budapest lebt, hat kürzlich der Öffentlichkeit sein biographisches Kossuth-Werk übergeben, das im Verlag zeitgenössi-scher Werke in Zürich und nun auch in ungarischer {194}Übertragung im Verlag Rozsavölgyi in Budapest er-schienen ist.

Besonders bemerkenswert ist, was Zarek über die jüdischen Kombattanten der Freiheitskämpfe berichtet:

'General Klapka bekennt: Ein Zwölftel unseres Korps bestand aus Juden. In allen Bataillonen standen jüdische Freiwilligenscharen. Sie fochten tapfer und mit Auszeichnung. Viele von ihnen fielen auf den Schlachtfeldern, eine große Anzahl avancierte zu Offizieren, wie Ignaz Eisenstädter, Leva, Dr. Rotfeld u. a. m. Viele von den jüdischen Offizieren wurden für ihre be-wiesene Tapferkeit auf dem Schlachttelde mit dem mili-tärischen Verdienstorden ausgezeichnet, so Hauptmann Aranyi, der bei Cibakhaza seinen Kommandanten, Graf Leinungen, durch einen kühnen Angriff aus der Kriegs-gefangenschaft befreite, Hazai, Just, der als Generalstabshauptmann in Komorn sich auszeichnete, Schlesinger von der Komorner Garnison und Leo Holländer, Chefintendant in Komorn.

Diese Tapferkeit erkannte das ganze Heer, also das im Felde stehende Volk, an. Als jetzt im Auftrage Kossuths Szemere das Gesetz über die Gleichberechtigung der Juden einbrachte, war die Annahme des Gesetzes eine Selbstverständlichkeit ge-worden."....'

 

 

 

 

(Zusatz- ldn-knigi:

Quelle: Dr. Josef Maliar 'Juden im Kampf gegen Nazideutschland' (in rus.)

'..Es ist bekannt, daß während des zweiten Weltkrieges gegen Nazideutschland in Kamphandlungen auf allen Fronten nicht weniger als 1,5 Mil. Juden teilgenommen haben.  Nur auf der Seite der USA waren mehr als 600.000 Juden, auf der Sowjetischer Front -  ca. 500.000 Juden. (von  denen ca. 130 haben die höchste Militärauszeichnung erhalten - dem Heldenstern..'; ldn-knigi)